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.«Travis wollte widersprechen und Beltan sagen, daß er sich irrte, daß er sich für Dinge, die er nicht ändern konnte, nicht die Schuld geben konnte.Doch statt dessen nickte er.»Ich verstehe.Ich habe auch einmal ein Versprechen gebrochen.«Wirst du hier sein, wenn ich morgen früh aufwache?Ich verspreche es.Indianerehrenwort?Indianerehrenwort.Beltan sah ihn fragend an, aber Travis’ Blick blieb starr auf den toten König gerichtet.Beltan schloß sich ihm an.Die Kerze war schon weit heruntergebrannt.»Wir sollten gehen«, sagte Beltan schließlich.»Melia wird dich schon suchen.«Travis trat von der Bahre weg, blieb dann stehen und griff nach dem Arm des Ritters.»Du bist stark, Beltan.Du bist der stärkste Mann, der mir je begegnet ist.«Der Ritter war sichtlich überrascht.Und so überraschend das auch schien, plötzlich lächelte er.Und in diesem Augenblick war Beltan edler und ansehnlicher als all die schlafenden Könige in der Gruft.»Ich weiß zwar nicht, wie du mich hier gefunden hast, Travis, aber ich bin froh, daß du gekommen bist.«Travis antwortete mit einem Lächeln.Der Ritter blies die Kerze aus, und zusammen verließen sie die stille Gruft.19Grace schloß hinter sich die Tür zu ihrem Gemach, lehnte sich gegen das Holz und seufzte halb aus Erleichterung und halb aus Erschöpfung.»Bloß keine Adligen mehr«, sagte sie in den leeren Raum hinein.»Bloß keine Adligen mehr, bloß keine Adligen mehr, bloß keine Adligen mehr!«Sie schleppte sich von der Tür weiter in den Raum hinein.Es war seltsam, daß ihr dieses Gemach vor nicht allzu langer Zeit noch wie ein Gefängnis vorgekommen war.Nun war es ein ruhiger Hafen, den sie viel zu selten genießen konnte.Das violette Glitzern von Glas auf der Kommode fiel ihr ins Auge.Sie ging darauf zu.Wein.Ja, ein Schluck Wein würde ihr jetzt guttun.Sie füllte einen kleinen Zinnbecher und ließ sich auf den Stuhl am Feuer fallen.Draußen schien der Himmel in Flammen zu stehen.Der Rat der Könige hatte wieder den ganzen Tag diskutiert.Grace hatte angenommen, daß ihre Anwesenheit nach der ersten Sitzung nicht mehr nötig gewesen wäre.Sie war nur noch gelegentlich für eine Stunde in den Ratssaal geschlüpft, um die Berichte des einen oder anderen Herrschers zu hören, aber insbesondere nach ihrem vorgeblichen Streit mit Boreas schien es ihr angemessen, dem Rat fernzubleiben.Sollten die Adligen eben zu ihr kommen.Das wirkte auch viel geheimnisvoller.Das hatte sich schlagartig geändert, als Boreas vor drei Tagen plötzlich in ihr Gemach geplatzt war.Grace hatte hastig ein Schnupftuch über den Mörser und Stößel auf der Kommode geworfen.Sie war gerade dabeigewesen, nach Kyrenes Anweisungen trockene Kräuter zu zerstoßen, um eine Art medizinischen Tee herzustellen.Die Gräfin hatte ihn einen Kräutertrank genannt, der in kleinen Mengen einen nervösen Geist entspannen konnte.In stärkerer Form konnte er eine Trance hervorrufen und willig und beeinflußbar machen.Der staubig-süße Geruch von Kräutern lag in der Luft, und Grace war sich sicher, daß Boreas ihn bemerken würde, aber anscheinend roch er nichts.Er mußte gerade von der Jagd am Rand des Dämmerwaldes zurückgekehrt sein, denn er trug nur schwarze Reithosen, die sehr eng um seine schlanken Hüften geschnitten waren, sowie ein weißes Hemd, das nicht ganz zugeschnürt war und Einblick auf seine harte Brust gewährte.Ein metallischer Geruch umgab ihn, den Grace nur zu gut kannte: Blut.Er drängte sie unvermittelt in eine Ecke, als ob sie seine nächste Beute sein sollte.Aus einem unerfindlichen Grund fragte sie sich, ob er wohl versuchen würde, sie zu küssen, und ob sie sich dann wohl wehren würde.»Alerain und ich werden morgen vor dem Rat unseren Bericht ablegen«, sagte der König.»Ihr werdet dabei sein, Lady Grace, und Euch für mich umhören, was andere über Calavan sagen, während mein Seneschall und ich reden.«Ihr Blick wanderte über seine mächtige Schulter zu dem bedeckten Mörser.Wäre es schwierig gewesen, Boreas ein Glas Wein anzubieten und unbemerkt eine Prise der Kräuter hineinzumischen? Nein, trotz des Unterrichts bei Kyrene war sie keine Jägerin.Sie zwang sich dazu, Boreas’ Blick zu erwidern und stimmte zu.Glücklicherweise stellte sich Boreas’ Aufgabe als einfacher heraus, als sie befürchtet hatte.Da immer noch angenommen wurde, daß sie sich mit dem König überworfen hatte, standen die Adligen fast schon Schlange, um neben ihr auf der Bank im Ratssaal zu sitzen und ihr ins Ohr zu flüstern.Boreas war ein Kriegstreiber, sagten sie.Er war die einzige Hoffnung für alle Domänen.Er war verrückt und wollte sie alle vernichten.Eredane würde Calavan niemals zur Seite stehen.Doch, Eredane wartete nur darauf, daß Calavan Konzessionen machte und würde seine Stimme im letzten Moment ändern.Sogar Perridon würde Calavan im Stich lassen und ins andere Lager überlaufen.Ganz im Gegenteil, niemand war Calavan gegenüber loyaler als Perridon, und sie hatten sogar Embarr fast schon überredet, mit Boreas zu stimmen, aber König Sorrin war irre und tanzte nachts nackt und mit dem Schwert in der Hand in seinem Gemach, wo er schreckliche Blut- und Feuerrituale abhielt, um die an ihm zehrende Krankheit aufzuhalten.Es dauerte nicht lange, bis das Flüstern sich in Graces Verstand wie ein zuckender Knoten grauer Schlangen verwickelt hatte.Eminda war insgeheim in Boreas verliebt.Ach was, Boreas machte sich gar nichts aus Frauen, war froh, daß Königin Narena tot war, und verbrachte die Nächte in seinem Gemach damit, sich über junge Soldaten herzumachen.Und außerdem hatte Boreas seinen eigenen Bruder Beldreas umgebracht, um sich den Thron anzueignen, und nun hatte Boreas’ Bastard Beltan dasselbe vor.Und hatte sie schon gehört, daß Teravian – sein ehelicher Sohn, der gerade am Hof von Toloria erzogen wurde – der eigentliche Grund für Ivalaines Stimmenthaltung war? Ja, das wußte doch jeder, daß die Königin ihn verführt hatte, obwohl er erst sechzehn Winter zählte.Und nun plante sie, Boreas vor dem Rat scheitern zu lassen und Teravian als ihre Marionette auf den Thron von Calavan zu setzen.Ein Klopfen an der Tür riß Grace aus ihren Gedanken, und sie hätte sich beinahe mit dem Wein bekleckert.»Herein«, sagte sie und lächelte, als eine der wenigen Adligen, die ihr immer willkommen waren, hereinkam.»Grace, es ist so schön, dich zu sehen«, sagte Aryn.Grace betrachtete ihre Freundin genau.Die Baronesse sah irgendwie älter aus, reifer.Sie trug ein dunkelblaues Gewand, das Grace noch nie gesehen hatte.Das Oberteil schmiegte sich eng um ihre schlanke Taille, und der Ausschnitt war ausgesprochen freizügig.Ein kleiner Umhang aus Kaninchenfell lag über ihrer rechten Schulter, so als hätte sie ihn wie zufällig darüber geworfen und nicht, um den verkrüppelten Arm darunter zu verbergen.»Ich hatte so ein Gefühl, daß ich dich hier treffen würde.«Grace runzelte die Stirn.»Ach ja? Bringt Tressa dir etwas bei, wovon du mir noch nichts erzählt hast?«Rosen blühten auf Aryns weißen Wangen.»So habe ich das nicht gemeint, Grace.Es war nur so ein Gefühl, mehr nicht.«Grace schaute auf ihre eigenen Hände, ihre eigenen Finger, die den Zinnbecher hielten.»Langsam glaube ich, daß es so etwas wie nur ein Gefühl gar nicht gibt.«Aryn blickte nervös zur Tür und schloß sie.Als sie sich wieder umdrehte, war ihr Gesicht wieder offen und ehrlich, war es wieder neunzehn Jahre alt.»Mir geht es genauso, Grace.Manchmal weiß ich einfach gar nicht mehr, was ich denken soll.«Sie setzten sich im verblassenden Tageslicht auf die Fensterbank.»Ich weiß nicht, ob ich das noch länger ertrage, Grace [ Pobierz całość w formacie PDF ]