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.Sie war es, die gerade geschrien hatte.Diejenige, von der er nie gewollt hatte, dass sie ihn so sah.Noch nicht.Stille herrschte.Lucien und Drake hielten sich diskret im Hintergrund.Alexej starrte die kleine Fee mit großen, silbern schillernden Augen an.„Lilli!“ Er hatte nicht die geringste Ahnung, was er tun sollte.Sie atmete heftig, blickte ungläubig auf ihn, dann auf die Leiche.Im hellen Lichtkegel von Ramonas Taschenlampe war die Tote deutlich zu erkennen.Lilli hob die Augen wieder in sein Gesicht.„Nein“, wisperte sie fassungslos, „nein!“ Sie wich langsam zurück.„Lilli.“, Alexej verstummte.Er fand keine Worte.Sein Kopf war so leer gefegt wie die Gefäße seines Opfers.„Nein“, sie schüttelte verweigernd den Kopf.„Nein! NEIN!“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und lief davon.„Lilli!“ Verzweifelt ballte er eine Faust, schrie dann hilflos: „LILLIIIIII!“Sie blieb nicht stehen.Lucien und Drake folgten ihr in angemessenem Abstand.Alexej blieb aufgelöst zurück.Nie hatte er sich so ohnmächtig gefühlt.Es war einfach zu früh passiert.Und auf die völlig falsche Art und Weise.Lilli kehrte nicht zum Fest zurück.Sie rannte schluchzend durch den Wald nach Hause, stolperte über Wurzeln und Steine und kam halb blind vor Tränen völlig erschöpft an ihrer Haustür an.Sie dankte dem Himmel dafür, dass ihre Mutter nicht da war.Laut weinend warf sie sich auf ihr Bett.„Alex! Nicht DU! NICHT DU!“ Der Kloß in ihrer Kehle löste sich, und verzweifelt biss sie ins Kopfkissen, um nicht loszubrüllen.Verdammt, tat das weh!Lukas hatte recht.Alexej tötete Menschen.IHR Alexej! IHR Prinz!„Nicht du, Alex, bitte nicht du!“ Sie drehte sich auf den Rücken und starrte zum Fenster hinüber.„Ich dachte, ich wäre bei dir in Sicherheit vor dem Serienmörder.dabei war ich die ganze Zeit mit ihm zusammen!“ Ein neuer Weinkrampf schüttelte sie.„Dämon.ein echter mordender Dämon! Wie soll ich damit denn klarkommen? Ich will dich doch nicht verlieren.Aber wie geh ich damit um?“ Sie umschlang ihr Kopfkissen und heulte lauthals hinein.Alexej saß ganz still draußen vorm Fenster im Baum.Hörte sie, fühlte sie.Stumme Tränen liefen über seine Wangen.Ein smaragdgrüner Schimmer lag auf seinen eismeergrauen Iriden.Der Schmerzschleier der Desmo Dei.Ja, das tat weh.Zum ersten Mal in seinem Leben wollte er nicht, dass ihn jemand fürchtete.Sondern liebte.„Lass mich dich nicht verlieren, Lilli“, wisperte er inbrünstig, „bitte lass mich dich nicht verlieren!“Früh am nächsten Morgen standen Hauptkommissar Sacher und sein Kollege Fischer vor der Haustür der Familie Dietrich.„Wecken Sie ihren Sohn Markus.Es besteht der dringende Tatverdacht, dass er seine Freundin Ramona Förster ermordet hat.“Haftrichter, Haftbefehl, die ständig bohrenden Fragen, kein Alibi für die Tatzeit, das Warten auf seinen Anwalt – Markus verlor die Nerven.Laut schluchzend brach er auf dem Tisch zusammen.Sein Fehler war, von dem Versuch, sie zu beißen, zu erzählen.Er hatte keine Ahnung, wie zertrümmert Ramonas Brust inzwischen war, und schrieb die Wunde, von der er hörte, seinem blöden Spiel zu.Und dachte, er käme mit Ehrlichkeit am weitesten.Sacher hatte nicht viel in der Hand.Es gab nur Spuren von Markus und Ramona, und nach dem Regenguss heute Morgen war selbst die Leiche kiezsauber gewesen.Der Tatverdächtige wusste nichts davon.„Du wurdest gesehen, als ihr zusammen mit dem Roller in den Park gefahren seid.Und du wurdest gesehen, als du ALLEIN die Bergstraße herunterkamst.Man hörte ihre Schreie, BEVOR du den Wald verlassen hast.“„Ich HAB sie nicht UMGEBRACHT! Sie hatte nur einen blauen Flecken! Hat mich deswegen angemacht! Dann bin ich abgehauen, weil sie auf mich losgegangen ist! ICH WAR DAS NICHT! Ich meine – wäre ich dann NACH HAUSE in mein BETT GEGANGEN? HÄ? Haltet ihr mich für BLÖD?“Die Polizisten musterten mit ernsten Mienen den verzweifelten Jungen.Längere braune zottelige Haare, blasses ovales Gesicht, blaugraue Augen, lange schmale Nase.Der Verdächtige trug ein T-Shirt mit dem Logo einer Death Metal Band, die dem Satanskult zugeschrieben wurde.Auf seinem nackten Oberarm prangte ein tätowierter umgedrehter Drudenstern mit Hörnern.In seinem Zimmer fanden sich Tonträger von obskuren Musikgruppen, Bücher über Okkultismus, Serienmörder und Vampire, Zeitungsausschnitte von schwarzen Messen.In seinem Führungszeugnis gab es kleine Anzeigen wegen Sachbeschädigung, Grabschändung und blasphemischen Verhaltens auf dem Friedhof und in der Kirche.Markus Dietrich war stadtbekannt für seine Ticks.Und jetzt gab er auch noch zu, Ramona Förster wirklich in die Brust gebissen zu haben! Reichlich dumm, der Junge!„WOMIT DENN, HÄ?“, schrie Markus und wies auf seinen Mund.„DAMIT vielleicht?“ Er bleckte die Zähne, und Fischer verzog das Gesicht.„Schlechtes Gebiss“, flüsterte er Sacher zu.Der nickte langsam und wandte sich an den vermeintlichen Täter.„Ihre Kauwerkzeuge sind auch nicht die Tatwaffe, Herr Dietrich.Aber wir werden sie finden.Und NEIN, wir halten Sie nicht für blöd.“Lilli hatte kaum ein Auge zugemacht.Die kurzen Schlafphasen waren erschöpfend, nicht erholsam, und ausgelaugt stellte sie sich schlafend, als ihre Mutter am nächsten Vormittag zu ihr rein sah.„Lilli? Nina und Lukas sind da.“Das Mädchen rührte sich nicht.Ruth verschwand wieder und teilte ihren Freunden mit, dass sie noch schlief.Am Nachmittag rief die hartnäckige Nina an.„Hi“, murmelte Lilli in den Hörer und war ein zweites Mal dankbar dafür, dass ihre Mum das Haus verlassen hatte.Sie fühlte sich elend.„Lilli, was war los? Wo warst du gestern Abend? Wir haben auf dich gewartet.Bis Frau Mahrs uns sagte, Alexej hätte dich heimgebracht.“„Mir – mir geht’s beschissen.Zuviel Sekt getrunken, was Falsches gegessen.Mum meinte, ich hab mir was eingefangen.Frühjahrsgrippe oder so was.“„Das hört man, dass es dir mies geht.“ Nina klang mitfühlend.„Jedenfalls war die Party gar nicht schlecht.Echt mal was anderes! Aber ich finde das Haus und seine Bewohner trotzdem unheimlich.Magst du Krankenbesuch?“„Nein! Nein, ich geh gleich wieder ins Bett.Aber danke.“ Lilli schloss kurz die brennenden Augen, ihr war schwindelig.„Grüß die anderen und entschuldige noch mal wegen gestern.Das ging alles so schnell.“So verdammt schnell.„Okay, dann gute Besserung.Ich melde mich wieder.Behalt den Kopf oben.“ Beide legten auf.Lilli lehnte sich mit dem Rücken an die Wand und stöhnte leise.„Scheiße.scheiße scheiße scheiße!“ Sie presste die Hände an den Kopf und schlich wieder in ihr Zimmer hoch.„Alex, was mach ich nur? Was mach ich denn nur? Hilf mir doch!“„Am liebsten würde ich dir den Hals umdrehen!“ Alexej fixierte Antonia mit funkelnden Augen.„Schickst sie hinter mir her, weil sie mich angeblich gekränkt hat! Du HAST sie ja nicht mehr alle!“„Ich hatte das Gefühl, es wäre so“, erwiderte seine Schwester selbstbewusst.„Ich wollte keinen Schaden anrichten, ich hab’s nur gut gemeint.“„GUT GEMEINT?“, donnerte Alexej außer sich.„VERDAMMT, du weißt GENAU, was ich da draußen getrieben habe! Hör auf, mich anzulügen! Meinst du, ich MERKE DAS NICHT? Spuck endlich die Wahrheit aus!“Antonia zuckte zusammen und schluckte.„Deine Fähigkeiten werden immer besser, Alexej“, flüsterte sie endlich.„Ja, ich habe gelogen.Ich hielt es für das Beste, wenn sie mit deinem wirklichen Ich konfrontiert wird.Sie muss es wissen, bevor sie sich auf dich einlässt.Und wie du dir deine Entschädigung für einen vermeintlich beschissenen Abend holst, ist nichts, was man unter den Teppich kehren kann!“„Lass diesen Unsinn!“ Alexej wirbelte herum [ Pobierz całość w formacie PDF ]