[ Pobierz całość w formacie PDF ]
.Doch richtig erinnerte er sich nur an die Verachtung in Gillas grauen Augen, als sie ihn heute nachmittag angefunkelt hatte.Sie hatte recht.Er war verachtenswert - der Wein hatte seinen Bauch aufgeschwemmt, sein rötliches Haar war schütter, und die Versprechen, die er ihr einmal machte, waren so leer wie sein Beutel.Cappen Varra legte den dunklen Kopf zurück und lachte.Lalo sah das Schimmern seiner weißen Zähne im flackernden Lampenlicht, das Glänzen des Silberamuletts an seinem Hals, und den wohlgeformten Kopf, der sich vom Halbdunkel der Wirtsstube abhob.Andere Gäste blickten auf ihn, als er lachte, wandten sich jedoch gleich wieder ihren eigenen, vielleicht finsteren Geschäften zu.»Nichts liegt mir ferner, als mit einem zu streiten, der Künstler ist wie ich«, sagte Cappen Varra, »aber, verzeiht, Eure Frau erinnert mich an ein Nashorn.Wißt Ihr noch, wie Ihr bezahlt wurdet, nachdem Ihr Meister Reglis Eingangshalle verschönert hattet, und wir zum Feiern in die Grüne Traube gingen? Ich sah sie, als sie Euch dort suchte.Jetzt weiß ich auch, weshalb Ihr hierher zum Trinken kommt!«Der Spielmann lachte wieder.In plötzlichem Ärger funkelte Lalo ihn an.»Könnt Ihr es Euch leisten, Euch über mich lustig zu machen? Noch seid Ihr jung.Ihr glaubt, es spielt keine Rolle, daß Ihr Eure Lieder dem Geschmack dieses Abschaums hier anpaßt, weil Ihr die wahre Poesie in Eurem Herzen tragt mit den Gesichtern der schönen Damen, für die Ihr sie schriebt! Nicht nur einmal habt Ihr Eure Laute um Brot versetzt.Wenn Ihr in meinem Alter seid, werdet Ihr sie dann für einen Becher Wein verkaufen und weinend herumsitzen, weil die Träume noch in Eurem Herzen leben, Ihr sie jedoch nicht mehr in Wort und Ton verwandeln könnt!«Lalo griff blindlings nach seinem Becher, leerte ihn und stellte ihn heftig auf die zerkratzte und fleckige Tischplatte zurück.Auch Cappen Varra trank, und im Augenblick war das Lachen aus seinen blauen Augen geschwunden.»Lalo, Ihr seid heute nicht die richtige Gesellschaft für einen fröhlichen Zecher«, sagte der Minnesänger schließlich.»Ich werde so voll Weltschmerz sein wie Ihr, wenn ich hierbleibe!« Er stand auf, schlang sich die Laute um die Schulter und zupfte seinen Umhang zurecht.»Die Esmeralda ist aus Ilsig zurück und liegt im Hafen.Ich werde sehen, welche Neuigkeiten sie mitgebracht hat.Gute Nacht, Meister Maler - ich wünsche Euch Spaß mit Eurer Philosophie.«Lalo blieb, wo er war.Eigentlich sollte er ja auch gehen, aber wohin? Zu Hause würde er Gilla nicht in die Augen blicken können.Geistesabwesend begann er auf dem Tisch zu zeichnen, den farbenfleckigen Zeigefinger tauchte er in verschütteten Wein.Seine Gedanken beschäftigten sich weiter mit der Vergangenheit.Er erinnerte sich, wie er und Gilla brav die Goldstücke sparten, die sie von Freistatt fortbringen würden.Wie sie geplant hatten, was sie mit dem Reichtum tun würden, der nicht ausbleiben konnte, sobald die Herren von Ranke erst sein Talent erkannten und sich an den Bildern ätherischer Schönheit erfreuten, von denen er geträumt hatte sie zu erschaffen, sobald er sich keine Sorgen mehr um das tägliche Brot machen mußte.Doch statt dessen war ihr erstes Kind gekommen.Er blickte auf die Tischplatte und sah, daß sein Finger unbewußt das feine Profil des Mädchens gezeichnet hatte, das Gilla vor so langer Zeit gewesen war.Wild ließ er die Faust hinabsausen, daß die Linien in den Weinspritzern verschwanden.Stöhnend vergrub er das Gesicht in den Händen.»Euer Becher ist leer.« Die tiefe Stimme schuf Schweigen um ihn.Lalo seufzte und blickte hoch.»Mein Beutel ebenfalls.«Breite Schultern verdeckten das Licht der Hängelampe.Als der neue Gast sich umdrehte und den Umhang zurückwarf, glühten seine Augen rot wie die eines Wolfes, den die Fackel eines Bauern in tiefer Nacht überraschte.Hinter ihm sah Lalo den Schankburschen zwischen den dichtbesetzten Tischen herankommen.»Seid Ihr der Mann, der das Aushängeschild vor der Tür gemalt hat?« erkundigte sich der Fremde.»Ich werde versetzt.Ein Bild für mein Mädchen, damit sie sich an mich erinnert, wäre mir den Preis für eine Kanne Wein wert.«»Ja, ist gut«, antwortete Lalo.Der Schankbursche blieb an ihrem Tisch stehen.Der neue Gast bestellte eine Kanne billigen Rotwein.Der Maler holte eine Rolle Zeichenpapier aus seinem Beutel und beschwerte sie mit seinem Becher, damit sie sich nicht wieder zusammenrollte.Der Stöpsel seines Tintenfasses wollte sich nicht herausziehen lassen, die Tinte an ihm war angetrocknet, so plagte er sich eine Weile mit ihm, ehe er die Feder eintauchen konnte.Schnell zeichnete er die Umrisse der breiten Schultern und des eng am Kopf anliegenden Kraushaars, Dann blickte er für die Einzelheiten hoch.Die Züge des Mannes schienen zu verschwimmen.Lalo blinzelte und fragte sich, ob er vielleicht bereits zuviel getrunken hatte, aber die Leere in seinem Magen schrie nach mehr, und der Schankbursche kehrte auch schon mit dem Wein zurück.Er duckte sich unter einem Wurfmesser und machte einen Bogen um zwei Streithähne, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten.»Wendet Euch der Lampe zu«, murmelte Lalo.»Wenn ich Euch malen soll, muß ich Euch besser sehen können.« Die glühenden Augen des Mannes blickten ihn unter geschwungenen Brauen an.Der Maler erschauerte und mußte sich zwingen, sich auf die Kopfform zu konzentrieren.Er bemerkte, wie schütter das strähnige Haar über der ausgeprägten Stirn war.Erneut blinzelnd betrachtete Lalo seine Zeichnung.Wie hatte das Licht ihm nur einen solchen Streich spielen können, daß er das Haar des Mannes so kraus gesehen hatte? Er schraffierte die ursprünglichen Umrisse, daß sie zum dunklen Hintergrund wurden und skizzierte das Profil.Die glühenden Augen brannten geradezu auf ihm.Seine Hand zuckte, und er blickte schnell auf.Die Nase war nunmehr unförmig, als hätte ein betrunkener Künstler zu fest auf die Nase seiner noch feuchten Tonbüste gedrückt.Lalo starrte sein Modell an, dann warf er die Feder auf den Tisch.Das Gesicht vor ihm hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem, das er skizziert hatte!»Laßt mich in Ruhe!« krächzte er.»Ich kann nicht tun, was Ihr von mir verlangt - ich bringe überhaupt nichts mehr fertig!« Er schüttelte den Kopf und konnte nicht mehr aufhören.»Trinkt einen Schluck!« Der Fremde stellte die Zinnkanne auf den Tisch zurück.Lalo griff nach dem jetzt wieder vollen Becher und trank wie ein Verdurstender.Es war ihm nun egal, ob er sich den Wein verdienen konnte oder nicht.Er spürte, wie er wärmend in seinen Magen rann, durch die Adern prickelte und die Welt ausschloß.»So, jetzt versucht es noch einmal«, forderte der Fremde ihn auf.»Dreht das Papier um, seht mich gut an, dann zeichnet schnell, was Ihr gesehen habt - so schnell Ihr könnt!«Einen Moment lang betrachtete Lalo die ungewöhnlich feinen Züge des Mannes vor sich, dann beugte er sich über das Papier.Mehrere Minuten konkurrierte das Kratzen der Feder mit dem Lärm in der Gaststube.Er mußte das Glühen dieser Augen festhalten, dieser seltsamen Augen, denn er befürchtete, wenn er wieder hochblickte, würde außer ihnen nichts mehr wie vorher sein.Aber was machte das schon? Er hatte seine Bezahlung bereits erhalten.Mit der freien Hand griff er nach dem Becher, nahm einen tiefen Schluck, zog noch einen Strich nach, dann schob er die Skizze über den Tisch und lehnte sich zurück.»Hier - wie Ihr es verlangt habt.«»Ja.« Die Lippen des Fremden zuckten.»Alles in allem ganz gut.Wenn ich recht gehört habe, malt Ihr Porträts [ Pobierz całość w formacie PDF ]