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.»Meine Frau hat Ihnen einen Imbiss zurechtgestellt – oder haben Sie schon gegessen? Heute Abend werden ein paar interessante Leute aus Daressalam erwartet, ein Postbeamter mit Familie und zwei Damen, die eine Ehevermittlung geschickt hat …«Charlotte hatte eigentlich vorgehabt, sich die Geschäfte anzusehen, um einige Einkäufe zu erledigen.Das meiste würde sie wohl bei Josef Gebauer besorgen müssen, doch ganz sicher gab es hier im Ort auch indische Händler.Die Sonne brannte mittlerweile mit ganzer Kraft vom Himmel, daher beschloss sie, zunächst einmal ordentlich zu frühstücken, um später mit klarem Kopf ihre Entscheidungen treffen zu können.»Das ist sehr nett von Ihrer Frau«, sagte sie zu dem Wirt und folgte ihm in die Gaststube.»Guten Morgen, Frau Johanssen«, begrüßte sie die Wirtsfrau höflich und machte sich daran, das Frühstück aufzutragen.Charlotte nahm an einem freien Tisch in der Nähe des Tresens Platz.Ihre Gedanken wanderten zurück zu ihren Einkäufen und dem Händler Josef Gebauer.Sie hatte in Daressalam eine gute Summe von der Deutsch-Ostafrikanischen Bank abgehoben und trug das Geld in einem kleinen Beutel um den Hals.Solange Simba in ihrer Nähe war, konnte sie vor Diebstahl sicher sein, nur wollte sie das Geld auf keinen Fall verschwenden.Der Imbiss erwies sich als außerordentlich reichlich, wenn auch nicht besonders schmackhaft.Es gab kaltes Fleisch vom Vortag mit scharfer Pfeffersoße, dazu klebriges Gerstenbrot und geräucherten Schweineschinken, den der Wirt extra von der Küste kommen ließ.Kompott von allerlei Früchten, Charlotte konnte verkochte Mango, Banane und Ananas herausschmecken, rundete die Mahlzeit ab.Wenigstens der Kaffee war einigermaßen genießbar, wenn auch etwas stark geröstet und sehr dünn.Lustlos nahm sie Bissen um Bissen, um bei Kräften zu bleiben, und spürte Verzagtheit in sich aufsteigen.Natürlich hatte sie gewusst, dass es nicht leicht sein würde, ihr Vorhaben durchzuführen, schon gar nicht als Frau und ganz allein.Jetzt jedoch erschienen ihr die Widerstände auf einmal viel gewaltiger, Zweifel am Sinn dieser Suchaktion keimten in ihr auf.Gudensen, Gebauer und Knappert hatten nicht ganz unrecht, genauso wenig wie Leutnant Ernst von Diel.Wie sollte sie einen Menschen finden, der fieberkrank und einsam durchs Gebirge streifte? War es nicht Irrsinn, was sie da vorhatte? George war ein erfahrener »Waldläufer« – so hatte er sich immer selbst bezeichnet –,vermutlich war er längst in Sicherheit, hatte sich in irgendeine Klinik geschleppt oder wartete vielleicht sogar in Daressalam auf sie.Doch was, wenn er es nicht geschafft hatte? Wenn er einsam irgendwo in den Uluguru-Bergen lag, fieberkrank, mit seinen Kräften am Ende? Mochte diese Suchaktion auch sinnlos sein – sie war immer noch besser, als in Daressalam zu warten und Däumchen zu drehen.Sie teilte dem Wirt mit, sie werde ihr Zimmer vorerst behalten, und zog sich zu einer kurzen Rast zurück.Die beiden Waschamba schickte sie unterdessen zur Poststation, um nachzufragen, ob ein Telegramm oder ein Anruf für sie gekommen sei.Tatsächlich kehrten sie mit der Nachricht zurück, Peter Siegel habe aus Wilhelmsthal angerufen, nach ihr gefragt und gebeten, ihr herzliche Grüße und Gottes Segen auszurichten.Charlotte, die so gehofft hatte, der Anrufer wäre George gewesen, musste sich Mühe geben, ihre Enttäuschung zu verbergen.Offensichtlich hatte Klara ihren Mann nach Wilhelmsthal hinuntergeschickt, um per Telefon Näheres über Charlottes Reise zu erfahren.»Gehen wir einkaufen«, befahl sie ihren beiden Begleitern und leinte den Hund an.Sie hatte ein wenig geschlafen und fühlte sich jetzt frischer, auch die Zweifel und Ängste waren vergangen.Im klaren Sonnenlicht des frühen Nachmittags erschienen ihr Ort und Umgebung jetzt viel fröhlicher und voller kräftiger Farben und heiterer Klänge.Mangobäume säumten den Straßenrand; ihre länglichen, grünen Früchte waren reif, und wo eine Frucht zu Boden gefallen und aufgeplatzt war, sammelten sich Insekten, angezogen vom verführerisch süßen Duft.Frauen kehrten von ihren Feldern zurück, barfuß, die Gewänder zerrissen und mit rötlichem Staub bedeckt.Sie trugen Körbe mit Bohnen und Erdnüssen auf den Köpfen und riefen einander Scherzworte zu.Weshalb habe ich nicht so viel Vertrauen in mein Schicksal wie diese Frauen?, fragte sie sich nachdenklich.Niemand weiß, wie die nächste Regenzeit wird oder ob sie ganz ausfällt – aber sie lachen und hoffen einfach, dass alles gut wird.Es gab tatsächliche mehrere indische Läden in Morogoro, außerdem auch indische und afrikanische Handwerker, die sich in der Nähe des Marktes angesiedelt hatten.Sie besaßen meist nicht mehr als einen phantasievoll zusammengezimmerten Holzverschlag, der mit einem Stück Wellblech vor dem Regen geschützt war, einige Afrikaner hatten sogar nur einen strohgedeckten Unterstand.Der Laden des Josef Gebauer hingegen war ein fester Steinbau mit einem Obergeschoss, in dem sich vermutlich ein Teil seines Lagers befand.Hinter dem Laden umgrenzte ein Bretterzaun ein ziemlich ungepflegtes Stück Land, verfallene Schuppen standen darauf, Hühner pickten zwischen wildem Gebüsch und vertrockneten Akazien, drei Maultiere weideten das dürre Gras ab.Charlotte konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie dieser Mann ihr genügend Reittiere für ihre Suchaktion vermitteln wollte, doch sie täuschte sich gewaltig.Josef Gebauer musste bereits ungeduldig auf sie gewartet haben, denn kaum ertönte der helle Klang des kupfernen Glöckchens an seiner Ladentür, da eilte er auch schon aus dem hinteren Teil seines Geschäfts auf die wohlhabende Kundin zu.»Einen wunderschönen Tag, meine liebe Frau Johanssen.Was für eine Freude, dass Sie nun doch den Weg zu mir gefunden haben [ Pobierz całość w formacie PDF ]