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.Irgendwann, bald.Hoffentlich bald!Mein Ohr, meine Nase, meine Lippen, mein Kinn – nirgendwo auch nur das kleinste Stück glatte Haut mehr.Alles verzerrt, verätzt und zerfressen.Auch meine Zähne hatte die Säure angegriffen.Ob ich je wieder ohne Schmerzen würde essen können? Mein Gesicht entstellt, eine Fratze, vor der die Leute sich fürchteten.Mein Beten, mein Flehen hatte nichts genützt, absolut nichts … Gott im Himmel, was sollte nur mit mir werden? Wenn du mich schon nicht beschützt hast, steh wenigstens meiner Familie bei, die meinetwegen nun so große Sorgen hat.Und seine Familie? Wie oft hatte ich mir gewünscht, ihr Leben würde so schwarz werden wie meines? Dann wieder, wenn ich hörte, welche Strafen manche Menschen auf der Straße oder aus meinem Umfeld in Betracht gezogen hatten – »Wir ertränken seine Eltern in Säure!« oder: »Wir verbrennen ihn vor deinen Augen!« –, wurde mir doch Angst.»Untersteht euch!«, hatte ich zu meinen Kommilitonen gesagt, die auf solche dummen Ideen gekommen waren.»Ihr tut mir keinen Gefallen damit.Wartet um Himmels willen ab, was das Gericht sagen wird!«Das Gerede mancher Leute indes machte mir durchaus zu schaffen.Als ob wir nicht schon genug am Hals hätten.Die einen wünschten meiner Mutter – in meinem Beisein – genug Kraft, um mich bis an ihr Lebensende pflegen zu können.Sie merkten gar nicht, wie weh sie auch mir damit taten, wenn sie meine Mutter meinetwegen bedauerten.Andere forderten, ich sollte in mich gehen und mich fragen, was ich wem angetan hatte, um derart den Zorn Gottes auf mich zu ziehen.Wieder andere meinten, ich hätte wohl mein Haar besser unter meinem Kopftuch verstecken sollen, um die Männer nicht zu reizen.Es war kaum auszuhalten.Hatte Gott schöne Haare erschaffen, damit wir sie unter Tüchern verstecken? Wenn Gott die menschliche Schönheit tatsächlich missfiele, wären wir Frauen doch als plumpe Ziegelsteine in die Welt geworfen worden.Nicht mal meine eigene Schwester Schirin schreckte davor zurück, mich zu verurteilen.»Weißt du noch«, hatte sie mich eines Tages gefragt, »weißt du noch, was du nach meiner Scheidung zu mir gesagt hast?« Sicher erinnerte ich mich gut daran, dass ich ihr geraten hatte, etwas aus ihrem Leben zu machen.»Such dir einen, mit dem du glücklicher werden kannst, hast du mir damals gesagt, und: Eine Scheidung ist doch kein Weltuntergang! Weißt du das noch?«»Ja«, hatte ich ihr geantwortet, »das weiß ich noch.Und?«»Jetzt siehst du, was du davon hast«, sagte Schirin mir ins Gesicht.Herr im Himmel, hattest du das gehört? Sahst du, was sie mit mir machten? Sollte ich das alles hinnehmen? Bei all dem Schmerz, all der Höllenqual auch noch Spott, Vorwürfe, Schadenfreude?Ich sprach zu ihm: »Gott, hilf mir weg von Ihnen.Zeig mir einen Weg weg von hier! Ich will ihnen allen zeigen, dass ich noch die alte Ameneh bin.Ich will ihnen beweisen, dass mir nichts passiert ist und dass ich unversehrt bin.Wenn ich mit meinen sechsundzwanzig Jahren ein Unrecht begangen habe, das eine solche Strafe verdient, welches Verbrechen hat dann das zweijährige Kind begangen, das unheilbar krebskrank im Krankenhaus liegt? Welche Verbrechen haben Arash und Abolfazl begangen, dass sie in diesen schweren Unfall verwickelt wurden? Welche? Ich werde allen zeigen, dass ich zwar mein Gesicht verloren habe, aber erhobenen Hauptes, ohne Scham und Schande, weiter meinen Weg gehen werde.Das sollten sie alle sehen.Alle!«Dr.Karimian hatte mir bei einem Verbandswechsel schweren Herzens erklärt, dass sie in Teheran nichts weiter für mich tun könnten.Und dass sie sich umgehört und in Erfahrung gebracht hätten, dass Ärzte in Europa bereit seien, sich meines Falles anzunehmen.»In Europa?«»Ja, in Spanien, Ameneh – in Barcelona.Dort ist ein Ärzteteam bereit zu schauen, was man für dich tun kann.«»Das heißt … das heißt, ich fliege nach Barcelona?«»Baleh, ja, Ameneh, so ist es vorgesehen.Gott schütze dich – und gute Reise.«15.Blickwinkel – Himmel und HölleIch sollte also nach Barcelona fliegen.Nach Spanien – ein Land, von dem ich bis dahin kaum etwas gehört hatte.Nach Europa – ins Abendland, dass doch in jeder Hinsicht so weit vom Iran weg war.Eine fremde Kultur, fremde Menschen – ein fremder Glaube.Die Familie, die Freunde, die gewohnte Umgebung – all dies würde ich zurücklassen müssen.Wünschte ich mir noch vor nicht allzu langer Zeit, dass ich alles hinter mir lassen könnte, so überkam mich in diesen Tagen heftige Angst vor dieser großen Veränderung.Aber ich hatte auch nicht mehr die Kraft, in Teheran auf Wunder zu hoffen, die zu jener Zeit einfach nicht geschehen wollten.Medizinisch war mir in meinem Heimatland schon lange nicht mehr zu helfen – wenn überhaupt je von richtiger Hilfe die Rede sein konnte.In all den Wochen gab es immer nur Rückschläge zu verkraften.Kein einziger Lichtblick vermochte meine dunkle Seele aufzuhellen.Gute Nachrichten gab es in dieser ganzen Zeit im Grunde keine.Immer nur Hiobsbotschaften, Schreckensnachrichten und schlimmste Rückschläge [ Pobierz całość w formacie PDF ]