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.»Hannah ist Jüdin, Umma.Sie glauben nicht wie wir an die Sterne.«»Ja, das dachte ich mir fast.Ihr Haar ist so viel weicher als unseres.Gut, dann müssen wir es so versuchen, aber einfach wird es nicht«, murmelte sie.Danach versank sie in Schweigen.Nur ihre Finger glitten immer wieder tastend über ihre Handfläche.Gebannt ließ Hannah alles mit sich geschehen, wenn auch mit einem großen Fragezeichen im Gesicht.Nach Minuten, die ihr wie eine Ewigkeit vorkamen, durchbrach Azal die Stille.»In deiner Brust schlägt ein Herz, das müde ist und dir das Leben schwer macht.Es will schlafen, weißt du das?«Beklommen nickte Hannah.»Ich stehe auf einer Spenderliste, aber es ist nicht so einfach.««Beruhigend legte die Dame eine Hand auf ihr Herz.»Meine Tochter, jedes Schicksal ist von Gott vorbestimmt.Wenn die Sterne dich geschickt haben, wird die Erde dich nicht so schnell gehen lassen.«Nichts verstehend blickte Hannah in die trüben Augen, bis Hakims ernste Stimme erklang.»Umma«, bat er weich.»Bitte überspringe den Teil der Geschichte und komm zum Punkt.«»Inschallah, dann soll es so sein«, erwiderte sie leise und sah ihn an.»Hannas Lebenslinie ist stark.Sie wird ein langes Leben haben, denn das ist Gottes Wille.Und jetzt hole mir die anderen Zutaten, um den Zeitpunkt zu bestimmen«, bat sie.Hakim stand auf, stellte eine filigrane Messingschüssel mit Wasser auf den Tisch und goss aus einer Karaffe drei Tropfen einer lavendelfarbenen Flüssigkeit dazu.Danach öffnete er ein Jutesäckchen und ließ geheimnisvoll aussehende dunkelglänzende Steine in das jetzt dampfende, undurchsichtige Wasser gleiten.Hakim erklärte mit ruhiger Stimme: »Das sind Wüstenrosen.Harzartige Steine, die der Wüstensand geschliffen hat.Sie heißen Rosen, weil alle Steine wie eine Blütenknospe geformt sind.Jeder Stein hat unterschiedlich viele Blätter.«Azal nahm Hannahs Hand und hielt sie über die sprudelnde Messingschüssel.»Hab keine Angst.Lass deine Hand hineintauchen und such dir einen Stein aus.Denjenigen, der dir am vertrautesten vorkommt, holst du raus und gibst ihn mir.«Verwirrt sah Hannah zu Hakim und bemerkte seine Anspannung.Seine Hand streichelte zärtlich ihren Arm.»Vertraust du mir noch?«, flüsterte er lautlos.Eigentlich war sie sich in diesen Minuten dessen nicht mehr ganz so sicher.Die Situation überforderte sie, aber als sie seine bittenden Augen auf sich fühlte, schmolz ihr Wiederstand und ihre Hand glitt in das sprudelnde, blickdichte Wasser.Langsam tastete sie über den Grund; dann griff sie spontan nach dem Stein, der sich am besten in ihrer Handfläche anfühlte.Sie ließ ihn in Azals ausgebreitete Hand gleiten, die sich sofort schloss.Erwartungsvoll wartete Hannah auf eine Erklärung dieser mehr als ungewöhnlichen Situation.Auch Hakim starrte seine Großmutter voller Spannung an.»Umma, bitte, wie viel Zeit bleibt uns noch?« Azal hob den Kopf.»Wann seid ihr euch das erste Mal begegnet?«»Vor zwei Tagen«, erwiderte Hannah hilfsbereit.»Dann zählt die Zeit seit diesem Tag«, sagte die alte Dame mit tonloser Stimme.Langsam legte sie die dunkelbraune Wüstenrose in die Mitte des Tisches und Hakim stieß die Luft aus.Seine Großmutter musste nichts mehr sagen; die Blätter der Rose ragten anmutig in die Luft.Chamsa – fünf steinerne Blätter.»Ilyas hatte recht«, flüsterte Azal mit gebrochener Stimme.»Seine Prophezeiung ist unwiderruflich und das Schicksal besiegelt.«Erschrocken bemerkte Hannah, wie Hakim zu erstarren schien.Doch dann ging ein Ruck durch seinen Körper und ein Lächeln erhellte seine angespannten Züge.»Mach dir keine Sorgen, Habibti.Meine Großmutter hat dir ein langes Leben vorausgesagt.Es besteht also kein Grund zur Beunruhigung.«In diesem Moment flog mit einem Knall die Küchentür auf und Mouna erschien mit einem Tablett.»Der Tee ist fertig«, verkündete sie fröhlich.Yaum al-HinnaDer nächste Vormittag verging wundersamerweise wie im Flug.In der Literaturstunde ließ sie Joshua großzügig von sich abschreiben und im Kochunterricht brachte sie mit Talya und Judith zusammen einen halbwegs gut geraten Topfkuchen zustande; das leicht angebrannte Äußere kaschierten sie unauffällig mit Unmengen Puderzucker.Dabei musste sie immer wieder an das betörende arabische Wort denken, das Hakim ihr gestern zugeflüsterte hatte.Noch in der Nacht hatte sie, in ihre Bettdecke gekuschelt in ihrem blauen Wörterbuch nachgeschlagen.Dort stand: Habibti = Kurzform von Habibati = mein Liebling (weiblich).Seitdem schwebte sie wie auf Wolken.Am Mittag in der Cafeteria stand sie erwartungsvoll in der ellenlangen Essensschlage und dachte pausenlos an Hakim.Sie freute sich wahnsinnig auf diesen Nachmittag.Nachdem sie sich für den Auberginenauflauf entschieden hatte, angelte sie noch nach einem Joghurt, legte das Besteck auf ihr Tablett und ging auf den Tisch zu.»Gut, dass du da bist«, rief Talya erleichtert.»Dann kannst du jetzt Judith beim Vokabelabfragen helfen.« Sie setzte sich auf den Stuhl neben Joshua und fragte stirnrunzelnd: »Was für Vokabeln?«»Ihrer Aussprache nach zu urteilen«, kicherte Joshua amüsiert, »ist es Russisch.««Alle grinsten gutmütig, jeder kannte ihren ständigen Kampf mit der englischen Aussprache.Judith tat beleidig.»Yourrr aaar ohl Idiooots«, posaunte sie durch den Raum.Alle begannen schallend zu lachen, bis Hannah unter Tränen die Sprache wiederfand.»Du hattest recht Joshua: Es ist Russisch – eindeutig.«Ihr Lachen verstummte abrupt, als Leo mit einem launischen Gesichtsausdruck an den Tisch kam und sich breitbeinig auf einen Stuhl fallen ließ.Geräuschvoll klappte Judith ihr Heft zu.Talya sah Joshua an und David fuhr sich nervös durch sein Haar.Hannah blickte auf ihren Teller und begann schweigend in ihrem Auflauf herumzustochern.Da beugte Leo sich über den Tisch und begann mit einer ihrer halblangen Locken zu spielen.»Lass das«, zischte sie empört.»Warum? Fühlst du dich neuerdings als etwas Besseres als wir?« Ein lauernder Ausdruck lag auf seinem Gesicht, als er noch näher an sie heranrückte.»Falls du davon träumen solltest, dass dein Kameltreiber deine schöne Lockenspracht berührt, so muss ich dich leider enttäuschen, meine Süße.Natürlich habe ich als pflichtbewusster Bürger sofort meinem Vater von dem Loch in unserem Schulzaun erzählt.«Alle sahen ihn an.Nach einer kleinen Kunstpause deutete er mit einem Nicken Richtung Fenster.»Das kleine Problem wird gerade behoben«, sagte er süffisant.Der Stuhl quietsche auf dem Linoleumboden, als Hannah aufsprang und zum Fenster stürmte.Vor dem Grenzzaum sah sie einen Lastwagen mit einer Betonröhre und drei Männer in Arbeitskleidung.Fassungslos drehte sie sich wieder um.Leo genoss seine Überlegenheit und lächelte sie boshaft an.****Am Nachmittag lief sie frustriert auf dem Campus auf und ab, ohne Idee, wie sie das Problem lösen könnte.Von Hakim war auch keine Spur zu sehen.Verzweifelt kämpfte sie gegen den Kloß in ihrem Hals an [ Pobierz całość w formacie PDF ]