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.Ein Elf, kein Orn.Wie schön er war! Atemlos fuhr sie die Linien mit dem Finger nach, da waren die Augen, die Nase, das Kinn.Das war nicht nur ein Gesicht, entdeckte sie, hier war der Hals, der Körper, die Hände, wie zur Abwehr erhoben.Welcher Künstler hatte ein solch vollkommenes Bildnis in dieser Einöde erschaffen? Oder hatte es hier einmal eine Stadt gegeben, ähnlich wie Merpyn? Wo genau befanden sie sich eigentlich?Das war einmal ein lebender Elf.Chelsa wusste nicht, woher dieser Gedanke kam, nickte aber langsam.Ja, dies konnte nicht von sterblicher Hand geschaffen worden sein.Mitleidig strich sie über das Steingesicht, es blickte sie so voller Schmerz an.Er musste auf schreckliche Weise gestorben sein!Hoffentlich wurdest du bereits in eine glücklichere Welt wiedergeboren.Gerade wollte sie sich abwenden, da hörte sie etwas.„Geh nicht weg! Geh nicht! Ich bin hier!“„Jordre?“ Unsicher schaute Chelsa über die Schulter, doch Jordre kniete weiterhin bei Pera auf dem Plateau, ohne auf sie zu achten.„Sprichst du mit mir?“, dachte sie und berührte widerstrebend das steinerne Abbild.„Hilf mir, Elys“, flehte die Stimme in ihrem Inneren.Chelsa fuhr zusammen, als jäher Zorn sie befiel.„Ich bin Chelsa.Elys ist tot!“„Namen … Sie sind unwichtiger Schmuck.Du bist Elys.Wie sonst könntest du die Sprache der Elfen verstehen, kleine Orn?“„Warum weiß jeder, was ich bin und wer ich bin und was ich tun soll, nur ich selbst nicht?“, dachte sie verbittert.„Geh nicht!“, rief die Stimme hastig, als Chelsa zurückweichen wollte.„Lass deine Hände auf mir.Es lindert den Schmerz.“„Wer bist du? Und was ist mit dir geschehen?“„Mein Name ist Tylen.Osmege überwältigte mich, als ich mit Taón, meinem König, fliehen wollte.Er hat mich mit dieser Felswand verschmolzen.Ich kann nicht sterben …“Die Qual in Tylens Stimme war so stark, dass Chelsa unwillkürlich zu weinen begann.Unvorstellbar, wie er das über all die Jahre ertragen konnte, ohne den Verstand zu verlieren.„Wie kann ich dir helfen?“, wisperte sie und strich mit beiden Händen über sein Gesicht.„Ich erinnere mich nicht, Tylen.Jordre weiß mehr als ich, doch auch er erinnert sich nicht an alles.Er kann nicht mal Pera retten, obwohl er es wirklich will.“„Elys“, wimmerte Tylen.Einen Augenblick lang schien er ihr zu entgleiten, überwältigt von unendlichem Schmerz, den sie spürte, als wäre es ihr eigener.„Elys, es ist gleichgültig, du musst dich nicht erinnern.Du bist, was du bist.Die Magie ist in dir, die Macht, die Welt zu verändern.“„Du meinst, wie das Lied, das ich immer nachts in meinen Träumen höre?“„Das Lied der Götter … Ja, mehr brauchst du nicht …“„Aber ich finde es nur in meinen Träumen.“„Hör mir zu, Elys.Ich habe es gefunden, es hat mich ausharren lassen.Sing es für mich.“Chelsa presste sich so dicht an das Steinrelief, als wollte sie selbst mit dem Felsen verschmelzen, balancierte auf den Zehenspitzen, um ihre Stirn gegen die steinernen Wangen des Elf legen zu können.Sie öffnete sich ihm, überrascht, dass so etwas möglich war und schrie auf, als sie die fernen Klänge in sich spürte, die sie so gut kannte; die Musik, die tief in ihrer Seele schlief.Schluchzend vor Glück löste sie sich von Tylen, nach Luft ringend und zutiefst erschüttert.Jetzt erst bemerkte sie Jordre, der hinter ihr stand und voller Sorge auf sie einsprach.Sie verstand kein einziges Wort, was unwichtig war – sie wusste, was er fürchtete.„Hör doch!“, flüsterte sie, lachte und weinte zugleich und begann zu singen.Ihre Stimme, zuerst leise und kindlich, gewann rasch an Macht und erfüllte die Leere dieser zerstörten, verlorenen Welt.Osmege brüllte vor Angst, laut genug, dass der Widerhall zu hören war.Chelsa wusste, diese Melodie folterte seinen zerrissenen Verstand.Tylen weinte hingegen in Chelsas Bewusstsein, ein Teil von ihr weinte mit ihm.Und während sie sang, wallte Nebel auf, der dichte, undurchdringliche Schleier über das verwüstete Land legte.Jemand kam zu ihr.Chelsa lächelte, während sie sang.Sie wusste nicht, wer dort aus anderen Welten zu ihnen kam, aber die Melodie in ihr flüsterte, dass sie sich nicht zu fürchten brauchte.33.„… und so streben wir Hexen zum Gleichgewicht, obwohl wir wissen, dass es niemals zu erreichen ist [ Pobierz całość w formacie PDF ]