[ Pobierz całość w formacie PDF ]
.In einem Anfall von praktischer Paranoia hatte Ann sich damals ihren ersten Scanner gekauft, weil sie einen Vorsprung haben wollte für den Fall, dass es wieder zu einer Hexenjagd kommen sollte, für die Salem berühmt war.In Wirklichkeit musste sie sich überhaupt keine Sorgen machen: Die Stadt brauchte dringend Einnahmen durch den Tourismus, sie nutzte die Gelegenheit und begrüßte die neuen Hexen.Aber mittlerweile war Ann süchtig nach dem Geplapper, das aus dem Scanner kam.»Na los, meine Herren«, sagte Mickey und trieb die Soldaten zusammen.Mit dem Schwert zeigte er auf seinen Laden.»Bei mir gibt es Grog.«Die Soldaten erhoben sich von den Bänken und folgten ihm über den Pier zu seinem Laden.Als der letzte losmarschiert war, hob Mickey seinen Dreispitz und verbeugte sich vor Ann.Sie verdrehte die Augen und ging wieder nach drinnen.Der Matrosenchor war gekommen und stellte sich vor Mickeys Laden auf.Auf dem Pier gingen die Leute mit ihren Hunden spazieren, jemand errichtete einen Stand zum Facepainting.Ann glaubte gehört zu haben, dass die Friendship heute auslaufen sollte, aber sie war sich nicht ganz sicher.Am Pier, wo das Schiff festgemacht war, hatte sich schon eine Schlange von Menschen gebildet, die auf eine Besichtigung warteten.Obwohl die Friendship gelegentlich segelte, durfte sie keine Passagiere an Bord nehmen, nur die Besatzung und ganz selten einmal Ehrengäste.Ann hatte gehört, dass sie das ändern wollten und eine Genehmigung für das Auslaufen mit Touristen an Bord beantragt hatten, aber bisher war nichts daraus geworden.Wenn sie mit der Friendship heute noch auslaufen wollten, dann sollten sie es besser bald tun, dachte Ann.Später würde es ein Unwetter geben, und zwar ein gewaltiges.Sie hatte keine Ahnung, woher sie das wusste – sie hatte keinen Wetterbericht gehört –, aber Ann wusste immer etwa einen Tag vorher genau, wie und wann sich das Wetter entwickeln würde.Wäre sie nicht Hexe gewesen, hätte sie leicht als Meteorologin arbeiten können.Bei dem Gedanken an den Tag, der vor ihr lag, seufzte sie.Ihre erste Kundin wartete bereits drinnen, ein gut zwanzigjähriges Mädchen, das in den letzten paar Monaten schon mehrfach im Laden gewesen war, um sich wahrsagen zu lassen.Sie wollte ihren Lebensgefährten heiraten, aber der zog noch nicht so recht.Bei den vielen Wahrsageterminen hätte Ann beinahe vergessen, dass Zee sich angekündigt hatte.Sie hatte angerufen und gefragt, ob sie vorbeikommen könne.Ann hatte sie zum Mittagessen eingeladen und gar nicht daran gedacht, dass heute der Vierte Juli war.Sie hatte überlegt, den Besuch zu verschieben, aber sie hatte Zee selten gesehen, seit sie wieder da war, und das Mädchen hatte es nicht leicht.Finch war noch nie leicht im Umgang gewesen, wobei Ann ihn immer gemocht hatte.Selbst als Maureen so gelitten hatte, hatte Ann Finch nie Vorwürfe gemacht.Maureen war zwar eine der besten Freundinnen von Ann gewesen, aber man hatte unschwer erkennen können, wie krank sie war.Was Maureen überhaupt an Finch gefunden hatte, ließ sich nur vermuten.Trotzdem schien sie ihn geliebt und ihn begehrt zu haben, so wie sich Dichter nach dem romantischen Ideal sehnen, dem Einswerden mit der Geliebten.Aber Ann brauchte keine telepathischen Fähigkeiten, um zu merken, dass einige von Maureens Geschichten über ihre leidenschaftliche Liebe erfunden waren.Immerhin schrieb Maureen Märchen.Während der Jahre war Ann der Verdacht gekommen, dass die Geschichten, die Maureen erzählte, gar nicht über Finch gingen, und wenn, dann war es auf Maureens Seite eher Wunschdenken als Realität.Nach dem Selbstmord ihrer Mutter hatte sich Zee ziemlich oft in Anns Laden aufgehalten.»Glaubst du an Wiedergeburt?«, hatte sie eines Tages gefragt.»Ich weiß nicht, meine Liebe«, sagte Ann.»Warum fragst du?« Natürlich hatte sie genau gewusst, warum sie fragte, aber sie wollte Zee zum Reden bringen.Seit Maureens Tod war Zee viel zu schweigsam gewesen.»Meine Mutter hat daran geglaubt«, meinte Zee.Ann nickte.»Ja, das stimmt.«»Ich dachte, sie kommt vielleicht als so jemand wie Julia zurück.«»Du meinst die Julia aus ›Romeo und Julia‹?«»Ja, ich weiß schon, dass es sie nicht in echt gegeben hat, aber eben so jemand wie sie.Eines der bekannten Paare, deren Liebe unter einem schlechten Stern stand.«Ann überlegte.»Vielleicht kommt sie auch als Radieschen wieder«, meinte Zee.»Als Wurzelgemüse?«»Wieso nicht?«, sagte Zee.»Warum müssen wir überhaupt als Menschen zurückkommen?«»Ja, warum eigentlich?«, meinte Ann.»Meine Mutter hat Radieschen angepflanzt.«»Wirklich?«, fragte Ann.»Das wusste ich gar nicht von deiner Mutter.«»Es gibt so einiges, was du nicht von meiner Mutter wusstest.«Ann dachte bei sich, dass das wahrscheinlich stimmte.Zee hatte immer viel mehr gewusst, als ein Kind ihres Alters wissen sollte.»Radieschen hat sie wirklich sehr gerne gemocht«, sagte Zee.»Sie hat ständig welche gegessen.Finch hat gesagt, wenn sie noch mehr davon isst, verwandelt sie sich selbst in ein Radieschen.«Das brachte ein Lächeln auf Anns Lippen.Sie mochte dieses Kind wirklich gerne.Zee ähnelte ihrer Mutter kaum, und ihrem Vater eigentlich auch nicht.Sie war ein ganz eigener Typ.»Ich habe ein paar Bücher über Reinkarnation«, sagte Ann.»Falls du sie lesen möchtest.«»Nein«, sagte Zee.»Ich wollte nur wissen, ob du daran glaubst.«»Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich davon halten soll«, sagte Ann.Ann lernte Maureen in dem Jahr vor Zees Geburt kennen.Maureen meldete sich bei Ann für einen Heilkräuterkurs an, der zwar für praktizierende Hexen gedacht war, an dem aber jeder teilnehmen durfte.Es war eine eindeutig manische Phase in Maureens Leben.Sie gab Finchs Geld mit vollen Händen aus und meldete sich zu allem Möglichen in der ganzen Stadt an.Es hätte nervig sein können, wäre sie nicht eine so zauberhafte Person gewesen.Ann hatte selten eine solche Schönheit gesehen wie Maureen.Wenn sie in den Kurs kam – zu spät natürlich –, veränderte sich die Energie im ganzen Raum.Alle Köpfe drehten sich nach ihr um.Maureen behauptete, sie mache den Kurs, weil sie fürchte, unfruchtbar zu sein.Sie war verzweifelt.Sie hatte alle herkömmlichen Methoden ausprobiert und wollte es nun mit Kräutern versuchen.Sie verkündete das vor dem ganzen Kurs, als jeder sein bestimmtes Interessensgebiet erklärte.Die meisten wollten Zaubermittel oder für Kinder geeignete Heilmittel, oder sie wollten wissen, wie man ätherische Öle für Parfüm herstellte.»Welche traditionellen Methoden hast du denn bisher schon angewendet?«, fragte Ann Maureen in der Pause.Ganz egal wie New-Age-orientiert sie war, sie war immer noch Neuengländerin und fand, dass Maureen so private Informationen nicht der ganzen Klasse mitteilen sollte.»Wir haben es natürlich mit unterschiedlichen Stellungen probiert, und ich lag stundenlang mit hochgestreckten Beinen da.Wir haben es zu unterschiedlichen Zeiten im Monat versucht.Und sogar mit einer Bratenspritze.«»Wieso das denn?«»Das Problem liegt eher bei Finch«, sagte Maureen.»Seine Libido, wenn du es genau wissen musst.«Ann musste es nicht genau wissen – es wäre ihr sogar lieber gewesen, sie hätte das alles nie erfahren.Aber sie fürchtete, wenn sie nicht sofort auf diese neue Information reagierte, könnte Maureen versucht sein, wieder alles dem ganzen Kurs mitzuteilen.»Lass uns noch mal reden, hinterher«, sagte Ann.»Vielleicht kann ich dir etwas zusammenmischen.«Maureen schaute so dankbar, dass Ann fürchtete, sie würde das trotzdem den anderen verkünden, aber sie ließ es bleiben [ Pobierz całość w formacie PDF ]