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.Und das tun wir.»Was immer Sie gleich von mir denken mögen«, unterbreche ich noch einmal die Stille, »merken Sie sich: Ich bin kein Kannibale.«20 Oma Wittrich schaut mich erwartungsvoll an, ich schaue erwartungsvoll zurück.Die Küchenuhr tickt aufdringlich der nächsten vollen Stunde entgegen.Sonst passiert nichts.Vielleicht ist das Zeug schon zu alt, überlege ich, außerdem hatte ich es schon mal im Mund, aber das behalte ich vielleicht lieber für mich.Wir sitzen immer noch in der brütend heißen Küche, der Schweiß rinnt mir den Rücken hinunter, aber irgendetwas hindert mich daran, aufzustehen und das Fenster zu öffnen.»Ich kann nicht aufstehen«, sage ich zu Oma Wittrich.»Rheumatismus«, vermutet sie, aber das ist es nicht.Ich befühle meine Oberschenkel, lasse die Finger bis zum Knie gleiten, es fühlt sich alles sehr fremdartig an.Dies sind nicht meine Beine, es sind Phantombeine.Ich ziehe den linken Socken aus und erhalte umgehend Gewissheit: Das ist keinesfalls mein Fuß.»Ich habe keine Beine mehr«, unterrichte ich Oma Wittrich, die sich der Betrachtung eines Spitzendeckchens zugewandt hat.»Mein Mann hatte auch keine Beine mehr, das war nicht schön.Ich habe mich immer so erschreckt, wenn ich aufgewacht bin und die Stümpfe gesehen habe.In meinen Träumen hatte er nämlich immer welche«, sagt sie, mich durch die Maschen des Deckchens ankniepend, und dann unvermittelt: »Wir haben Drogen genommen, nicht wahr?«Ich nicke.»Sie wirken aber nicht.« Oma Wittrich kichert mädchenhaft.Ich zucke unsicher mit den Schultern.»Ich kann dies Spitzendeckchen nicht falten«, sagt sie seufzend.»Es will mir nicht gelingen.«»Vielleicht ist das auch nicht so wichtig«, antworte ich, weil sie mich mit ihrem Deckchengefalte nervös macht.Ich nehme ihr das Deckchen ab und lege es über die Lampe, sofort ist der Raum von einem schwarz geäderten Netz überzogen, das ich nach eingehender Betrachtung als irritierend einstufen muss.Ich nehme das Deckchen wieder ab und lege es vor mich hin.Diesmal erscheint kein Netz.Ich habe das Deckchen überlistet.Oma Wittrich legt ihren Kopf schräg und schaut wie ein Uhu.»Du hast Recht«, gluckst sie, »du hast ja so Recht, Goldköpfchen.«Sie steht auf, schüttelt das Alter aus ihren Gliedern, wirft den Kopf in den Nacken, lässt ein lautes »Schuhu« vernehmen, spreizt ihr Gefieder und fliegt davon.»Wenn du mich entschuldigen würdest«, höre ich ihre Stimme von irgendwo, »ich habe Besuch.«Ich wende mich wieder meinen Beinen zu, die inzwischen zu mir zurückgekehrt sind.Sie wollen liebkost werden, und meine Unterschenkel zucken recht lustig unter den Berührungen.»Ruhig«, rede ich ihnen sanft zu, tätschele noch einmal ihre Flanken und schwinge mich dann auf sie.Zuerst etwas wacklig, aber dann immer sicherer, tragen sie mich quer durch den Raum, der mir auf einmal albern und nutzlos erscheint.Dies ist kein Ort für mich und meine Beine.Hier wohnt das Glück nicht, beschließen wir, und deswegen treten wir hinaus in die Steppe, die sich endlos zwischen Spülbecken und dem weiß lackierten Buffetschrank erstreckt.Kaum werden die Beine des wogenden Grasmeers ansichtig, galoppieren sie los, ich kann mich kaum auf ihnen halten, werde wohl hie und da abgeworfen, aber schließlich finden wir einen gemeinsamen Rhythmus und preschen ungestüm voran.Hoch über uns zieht Oma Wittrich ihre ruhigen Bahnen, ihr Ruf schallt leise zu mir herunter, entfernt sich dann aber immer weiter.Sie ruft noch einmal »Spiegelei«, ich winke ihr nach, und schließlich entschwindet sie ganz in ihre eigene Welt.Nach einem halben Tagesritt machen wir Rast an einem Fluss, ich lasse meine Beine saufen und mich neben sie ins Gras fallen.»Heiopei.«»Pissnelke.«»Arschgeburt.«Es ist eine unbekannte Stimme, die mich dergestalt hinterrücks anspricht.Aber die Stimme sagt die Wahrheit, das spüre ich, auch wenn ich den Sinn ihrer Worte nicht ermessen kann.Ich drehe mich um und erblicke einen kleinen Mann mit leicht geschlitzten Augen.Er trägt ein härenes Wams und grobe Fellstiefel, auch seine Mütze ist aus Fell, aber aus einem seidigeren als die Stiefel.Es ist eine herrliche Mütze, ich möchte sie berühren, aber der kleine Mann wehrt sich.»Finger weg«, sagt er und haut mich mit einem kleinen Plastikschwert.Jetzt erst erkenne ich den Mann.Es ist Günther.Aber er hat sich als Mongole verkleidet.»Günther«, sage ich.»Endlich sprichst du mit mir.«Günther verdreht die Augen.Er wirkt verstimmt.»Du hast schöne Kleidung an«, sage ich zu Günther, weil ich ihn versöhnlich stimmen will.»So etwas solltest du immer tragen.« Entzückt betrachte ich seine Mütze.Ich muss die haben.»Findest du?«Ich nicke eilfertig.»Kein Wunder, den Aufzug hast du dir ausgedacht.Ich finde ihn zutiefst demütigend, aber was soll ich machen, das hier ist deine kranke Phantasie.«Günther schaut sich in der Steppe um.»Mann, Mann, Mann«, brummt er.»Was für ’n Scheiß.«»Ich dachte, dir gefällt so etwas.«»In meiner nunmehr fünfunddreißigjährigen Tätigkeit als Schwerstbehinderter habe ich schon viele Idioten kommen und gehen sehen.Aber bei allen Göttern des Universums, du bist der wohl Bescheuerteste, den ich je getroffen habe.«Ich bin aufgestanden und befingere Günthers Mütze, sie ist so weich, dass ich fast weinen muss.Günther fuchtelt ärgerlich mit seinem Schwert herum, gibt schließlich auf und reicht mir fluchend seine Mütze.Ich wiege sie überglücklich in meinen Armen.»Ich habe Generationen von Zivildienstleistenden kommen und gehen sehen, und bei den Nebeln der Andromeda …«»Ich habe es die ganze Zeit gewusst, du bist ein Außerirdischer.«»Unterbrich mich nicht.Wo war ich stehengeblieben? Richtig, die Nebel der Andromeda.Egal.Ich hatte also reichlich Zeit, mich an die Tatsache zu gewöhnen, dass ihr Jungs nur bedingt zurechnungsfähige Wesen seid [ Pobierz całość w formacie PDF ]