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.Isobel tauchte für einen verschwommenen Moment in dieses andere Jahrhundert ein, bis die tiefen Bässe eines Technosongs sie zurückholten.Abends trafen sich gerne Jugendliche auf dem Parkplatz des Old Course, um sich den Sonnenuntergang anzusehen, um Musik aus den Autoradios dröhnen zu lassen und um später zu knutschen.Die Technomusik kam aus einem alten, roten Golf, den ein blondes Mädchen mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz steuerte.Sie hielt neben einem silbernen Clio und stieg aus, die Musik lief weiter, die Fahrertür blieb offen.Das Mädchen öffnete die Beifahrertür des Clios, zerrte einen schlaksigen Jüngling heraus und schrie ihn an.Schnell gesellte sich die Fahrerin des Clios zu ihnen und schrie den Jungen ebenfalls an.Die beiden Mädchen stießen ihn zwischen sich hin und her.Dann stürmten sie zurück zu ihren Autos und fuhren weg.Der Junge jagte ihnen hinterher.Welche er lieber erreichen wollte, blieb unklar.Als er einsehen musste, dass er das Rennen verloren hatte, blieb er mitten auf dem Parkplatz stehen, warf seine Jacke auf den Boden und fluchte laut, bis ihn der Security-Mann vertrieb, der jede Nacht für den Royal and Ancient Golf Club seine Runden um die Plätze und das Clubhaus drehte.Isobel lächelte, aber es war ein bitteres Lächeln, denn die Szene kam ihr seltsam vertraut vor.Nicht mit Autos auf einem Parkplatz und Technomusik, aber mit zwei Frauen und einem Mann, der die falsche küsste.Isobel wandte sich vom Strand ab und drehte eine kleine Runde über den leeren Golfplatz.Sie wollte sehen, was Sandra Robertson gestern Nacht gesehen hatte, und weiter nach Zeugen suchen.Vielleicht gab es noch jemanden, der sie zusammen mit dem Italiener gesehen hatte.Vielleicht gab es aber auch jemanden, der sie danach gesehen hatte, lebendig, weil der Italiener möglicherweise doch die Wahrheit sagte.Aufgrund dessen, was sie bisher gegen ihn in der Hand hatten, würde kein schottisches Gericht den Mann verurteilen.Es würde nicht einmal für eine Anklageerhebung reichen.Allein darauf, was die Rechtsmediziner in den nächsten Tagen im Labor finden würden, wollte sich Isobel nicht verlassen.Zu oft hatte sie Geschichten von Prozessen gehört, in denen die Spuren so lange hin und her erklärt worden waren, bis der Angeklagte nach der Verhandlung im nächsten Pub etwas zu feiern hatte.Andrea Manzi blieb bei seiner Aussage, dass Sandra Robertson ihn quicklebendig verlassen hatte.Und Isobel wollte alles richtig machen.Selten genug, dass Brady ihre Leine so lang ließ.Das musste sie ausnutzen, denn sie wollte nicht ewig Sergeant bleiben.Und ewig in Fife bleiben wollte sie auch nicht.Fife war nicht London, dachte sie nicht zum ersten Mal und träumte fünf Sekunden lang ihren Kindheitstraum von Scotland Yard, von dem sie wusste, dass er eine Seifenblase war.Sie blieb vor Sheldons Hotel stehen und sah durch die Scheiben in den Barbereich: nur Männer, zwar aus allen Altersklassen, aber nur aus höheren sozialen Schichten.Isobel würde einen Kredit aufnehmen müssen, um im Sheldons auch nur ein Mineralwasser trinken zu können.Bei ihrem Spaziergang waren ihr Ehepaare entgegengekommen.In den Hotelbars hatte sie noch keine gesehen.Wer um diese Zeit noch trank, war ohne nörgelnde Ehefrau unterwegs.Erschreckend, wie wahr Klischees sein konnten.Isobel ging weiter die North Street hinauf.Dieser Teil von St.Andrews gehörte ganz den Golfern.Es schien eine unsichtbare Grenze zu geben, wo das Golferviertel aufhörte und die Universität begann.Eine Gruppe von fünf Männern kam Isobel entgegen.Sie sahen so aus, als hätten sie keine Lust, für sie auf dem Gehweg Platz zu machen.Im Gegenteil, sie musterten sie mit geweiteten Augen und zuckenden Mündern.Isobel blieb stehen und sah in das Schaufenster eines Golfartikelladens, um ihnen den Rücken zuzudrehen.Sie hörte, wie die Männer über sie tuschelten.Aber sie waren zu höflich, zu gut erzogen, um sie anzusprechen.Isobel entspannte sich erst, als sie gute fünfzig Yards von ihr entfernt waren.Da erst fiel ihr auf, dass in dem Schaufenster etwas anders war.Nicht, dass sie sich in der Vergangenheit für die Schaufenster der Golfläden interessiert hätte, aber dies hier hatte sie wahrgenommen.Letzte Woche hatte es als Hintergrunddekoration noch ein großes Poster von einem strahlenden Matthew Barnes gehabt.Heute grinste ihr Tiger Woods entgegen, das Schlageisen in beiden Händen über der linken Schulter balancierend, so als hätte er gerade einen Ball geschlagen.Matthew Barnes hatte ausgedient.So schnell war es geschehen.Nächstes Jahr würde man ihn vergessen haben.Er war ein Spitzensportler gewesen, aber eben nur die Nummer zwei.Wo auch immer Matthew Barnes es hingeschafft hatte, Tiger Woods war schon vor ihm dort gewesen.Und er war nicht nur im Golf, auch in allem anderen der Bessere: hatte Frau und Kinder, war auf ganzer Linie zum Vorzeigen geboren.Tausende von Golfern versuchten, seine Technik zu imitieren.Ob Barnes eine eigene hatte, wusste sie gar nicht.Matthew Barnes’ Tod war schlecht für das Image der Firmen, die mit ihm Werbung gemacht hatten, denn die Presse begann gerade damit, dreckige Wäsche zu waschen und seine Affären ans Tageslicht zu zerren.Sie spekulierten über seinen Tod, weil es noch immer keine Festnahme gab, obwohl das größte Team, in dem sie je gearbeitet hatte, mit der Aufklärung beschäftigt war.Nur, dass sie nicht weiterkamen und dass Brady seine ganze Kraft darauf verwandte, auf jede Spur Mina Williams zu schreiben [ Pobierz całość w formacie PDF ]