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.»Er ist von Jesus zu seinem irdischen Stellvertreter erwählt worden.«Christen und Liutizen starrten den kleinen Geistlichen, der das Kästchen – sein höchstes Gut – nach wie vor fest umklammerte, während er predigte, ungläubig an: »Jesus sprach zu Simon Petrus: ›Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche errichten und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen‹!«Darauf übernahm Kaiser Konrad wieder das Wort.»Und so werden auch wir eine Kirche auf dem göttlichen Boden errichten, den ihr gerade betreten habt, und mit Eurer Kraft segnen.Wir werden eine Bischofskirche bauen, die nicht nur die Pforten der polnischen, sondern jedweder Hölle abzuweisen vermag! Dieser Stein, auf dem ich stehe, wird der Grundstein dafür sein.Für Euch und mit Eurer Kraft wird hier ein Gotteshaus wachsen!«Uta erschauderte bei dieser Verkündung.Ihr war klar, dass der Kaiser von Hermanns Gotteshaus und von der Umsetzung jener Entwürfe sprach, auf denen sie jüngst noch Käfer und Vögel gesehen hatte.Kurz schaute sie zu Hermann, der neben Ekkehard bei den Heerführern stand und den Worten des Kaisers folgte.Die versammelten Christen blickten einander unsicher an.Eine Kirche für sie? Was bedeutete das? Sollten sie Steine zurechthauen, während sie sich vom Schlachtengetümmel erholten?»›Dir gebe ich die Schlüssel des Himmelreiches‹, sprach Jesus weiter.« Mit diesen Worten lenkte Bischof Hildeward sein Pferd noch tiefer in die Menge hinein und fuhr fort: »›Und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.‹ Wir werden keine gewöhnliche Kirche bauen.Wir widmen sie dem heiligen Petrus und dem heiligen Paulus.«»Aber das ist nicht alles!«, übernahm der Kaiser erneut das Wort, und die Kämpfer wandten sich ihm wieder zu.»Wie auch die beiden Heiligen erst nach einer Begegnung mit dem Erlöser den richtigen Weg und die nötige Kraft fanden, werden auch all unsere tapferen Kämpfern an der Ostgrenze, denen wir die Kathedrale widmen, nun den richtigen und einzigen Weg erfahren.«»Ein ganzes Gotteshaus nur für uns?«, erklangen verwunderte Rufe in der Menge.»Ist das wahr?«Kaiser Konrad nickte mit großer Geste.»Nur aufgrund Eures Mutes, den Ihr bereits bewiesen habt und weiter beweisen werdet, wird die Kathedrale hier als Symbol der christlichen Stärke thronen können.Nach den Geistlichen werdet Ihr die Ersten sein, die ihren Chor betreten und damit das Allerheiligste, das sie besitzen wird, anschauen und anbeten dürft.« Mit diesen Worten deutete Konrad auf das Kästchen in den Händen des Bischofs.»Solltet Ihr im Kampf Euer Leben lassen, mögen Eure Herzen in diesem Gotteshaus ihre letzte Ruhe finden.«Uta meinte, Leben und Hoffnung in die müden Gesichter, die sie umgaben, zurückkehren zu sehen.Auch Erna, die sich mit Arnold an die Seite der Christen gestellt hatte und deren Bauch bereits einen stattlichen Umfang angenommen hatte, schaute berauscht zu Bischof Hildeward auf.»In nur zehn Jahren«, erklärte Konrad, »wird Eure Kathedrale fertiggebaut sein – das ist schneller, als je ein anderes Kirchenhaus von dieser Größe errichtet wurde – und Gottes Zeichen an Euch!« Der Kaiser wiederholte die magische Zahl:»Zehn Jahre und keinen Tag länger!«In der Tat ist ein Gotteshaus von dieser Größe noch nie so schnell erbaut worden, ging es Hermann von Naumburg durch den Kopf.Bevor er sich jedoch in der Geburtsstunde seiner Kathedrale erneut auf den Kaiser konzentrierte, glitt sein Blick zur Freifläche vor der kleinen Burgkirche, auf der bald die ersten Fundamente ausgehoben werden würden.Morgen schon sollte sein Gast, Werkmeister Tassilo, anreisen, den er sehnsüchtig erwartete.Auch wenn die Errichtung der Kathedrale in zehn Jahren nur mit Gottes übermäßigem Beistand zu schaffen war, wollte er die Herausforderung annehmen.Voller Vorfreude lächelte Hermann.Da blieb sein Blick an Uta hängen, und er hörte, wie das Blut in seinen Ohren zu rauschen begann.Angesichts der kaiserlichen Worte ging ein Raunen durch das christliche Heer und übertrug sich auf die kaiserlichen Begleiter und auf die Burgbewohner.Unter ihnen auch Uta, die aufgeregt zu Bischof Hildeward blickte, der nun das Kästchen öffnete.»Das Überbleibsel«, hauchte sie und dachte daran, wie ihr Hermann im Turm vor der Lederzeichnung davon berichtet hatte.Bischof Hildeward war vor den Liutizen angekommen, wandte ihnen nun vor der Offenbarung der Heiligkeit aber den Rücken zu.»Der Schleier der heiligen Plantilla!«, verkündete er und hob das Kästchen mit seinen langen Armen weit über den Kopf.Fasziniert folgten die Blicke der christlichen Kämpfer den bischöflichen Bewegungen.Von mehr als eintausend leuchtenden Augenpaaren begleitet, senkte Hildeward von Zeitz das Kästchen wieder und zog äußerst vorsichtig das Ende eines Tuches daraus hervor.Ergriffen fielen die Versammelten nacheinander auf die Knie.Mit dem heiligen Schleier zwischen den Fingern erschauderte Bischof Hildeward, und seine Wangen zeigten erneut rote Flecken.Sein schmaler Körper schien vor Entzückung zu beben.Dann, nach einer Weile der Entrückung, setzte er erneut an: »Vor der Enthauptung des heiligen Paulus lieh die fromme Plantilla dem Todgeweihten ihren Schleier, damit er sich die Augen in seinem letzten Moment auf Erden verbinden konnte.Gleichzeitig sah sie in einer Vision Petrus und Paulus mit Siegeskronen auf den Häuptern in die heilige Stadt einziehen.« Erschöpft ließ Bischof Hildeward das Kästchen vor seine Brust sinken.Kaiser Konrad reckte sein Schwert in die Luft.»Der Schleier der Plantilla wird uns helfen, unser Land zurückzuerobern.« Unter der Leitung des Bischofs Hildeward und des Markgrafen Hermann von Naumburg werden wir die Aushebung der Fundamente unverzüglich angehen.Als Erstes wird Euer aller Chor fertiggestellt werden.«Uta fiel in das vom Kaiser angestimmte Gebet mit ein, gleichzeitig vermochte sie den Blick nicht von dem heiligen Schleier abzuwenden.Wenn er den Weg bis nach Naumburg gefunden hatte, musste er die Mark Meißen einfach beschützen.Sie sah, wie sich gebeugte Rücken wieder strafften und Füße wieder fester auf den sandigen Boden der Vorburg gesetzt wurden.Als ob sich die Kämpfer mit allen zehn Zehen auf ihrem Land, das sie nicht länger herzugeben gewillt waren, festkrallen wollten.Dem Schleier der Plantilla ist es gelungen, dachte sie, die Mauer zwischen dem Kaiser und seinem Heer niederzureißen.»Brecht auf und vertreibt die Feinde, Männer!«, sagte der Kaiser kraftvoll.»Mit dem Bau unserer Kathedrale ist Euch ewige Kraft sicher!«»Wir schaffen es!«, riefen erste Kämpfer in den vorderen Reihen.»Die Kathedrale wird uns beschützen!«, stießen andere hervor, und die Botschaft gelangte auch bis zu jenen, die an die Mauern gepresst standen und die Fenster und Türen der Wirtschaftsgebäude belagerten.Unter Jubel fielen weitere in die Rufe ein.Zum Zeichen der Zustimmung reckten die Liutizen ihre Messer in die Höhe.»Und nun lasst Euch vom Geist des heiligen Paulus, der auf den Schleier der Plantilla übergegangen ist, segnen!«, rief der Kaiser, nachdem Bischof Hildeward mit dunkelroten Wangen neben ihn zurückgekehrt und auf einen zweiten Sandstein gestiegen war [ Pobierz całość w 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