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.Du wirst begeistert sein.Unsichtbarkeit auf Wunsch, noch perfekter als bisher, eigene Unsichtbarkeit inbegriffen.«Unentwegt wanderte Axels Blick zum Bildschirm, auf dem das Gesicht der wundersamen Probe erstrahlte.Allmählich fand er darin … ja, er fand in ihr eine gewisse Ähnlichkeit mit Christina, jener Frau, die er einst so geliebt hatte!Rafi schaltete den Bildschirm ab und stand auf.Sie kehrten in sein Büro zurück.Rafi wies auf acht kleine weiße Platten, die auf einer Ecke des Tisches übereinander gestapelt waren.»Ethans Bericht.Es steht alles über den rettenden Planeten drin, Biografie, Geschichte, Künste, Technik, Sprachen.Außerdem wurde das simultane Informationssystem verbessert.Du wirst noch über den kleinsten Viehdiebstahl in einem zurückgezogenen Landstrich im Bilde, du wirst allwissend sein! Gut, ich übertreibe …«Ein Teil der Begeisterung des großgewachsenen Kommandanten mit dem getönten Bart sprang schließlich auf Axel über.Er dachte über den voraussichtlichen Erfolg des Plans, über den heiligen Charakter seiner Mission nach.Er würde Stunde für Stunde darüber Zeugnis ablegen, und dann würde er endlich das letzte Kapitel seiner Memoiren niederschreiben können!Die Hoffnung, alle retten zu können, keimte wieder in ihm auf.Zumindest redete er sich das ein und spürte dies in der Tat.Was er sich hingegen nicht eingestand, war, dass er vom ersten Blick an nur noch eins wollte: dieser jungen Frau begegnen.Und was er sich noch weniger eingestehen konnte, war der ebenso dringliche Wunsch, sie vor dem sicheren Tod zu retten.»Ausgezeichnet«, sagte er.»Ich stehe am 12.bereit.«KAPITEL 14BWV 544»Wächter, wie lange noch dauert die Nacht?«Jesaja, 21, 11Doch konnten wir nichthinüberdunkeln zu dir:es herrschteLichtzwang.Paul Celan»Aus etymologischer Sicht hat ›Miniatur‹ nichts mit Kleinheit, sondern mit der Farbe zu tun, weil das Wort vom lateinischen minium, ›rot‹, ›zinnoberrot‹ abgeleitet ist.Dass die ›Miniatur‹ irgendwann ihre heutige Bedeutung angenommen hat, liegt an der rein phonetischen Verwechslung mit ähnlichen Wörtern wie ›Minimum‹, oder ›minimieren‹.Das Verb ›illuminieren‹ hat die Sache meines Erachtens nicht besser gemacht, insofern es ähnliche Assonanzen aufweist.Diese klangliche Nähe hat offenbar zu einer weiteren, subtileren Verwechslung geführt, ›illuminierte Manuskripte‹, ›Manuskripte mit Miniaturen‹ … wobei es sich hier um eine ganz persönliche Hypothese handelt, ich habe sie bislang bei keinem einzigen Philologen erwähnt gefunden.Ganz abgesehen von dem Wort ›Manuskript‹, beinahe schon ›Minuskript‹: eine noch persönlichere In-Bezug-Setzung.Aber kehren wir zu dem zurück, was wir hier vor Augen haben, zu diesen prächtigen Miniaturen, die mein ganzer Stolz sind, Miniaturen, die auf der Skala der Dinge, die mir Anlass zum Stolz bieten, kurz vor jenem majestätischen Ahorn stehen, den sie vorhin bewundern konnten.«Mathieu Pipelare, ein großer kräftiger Mann von etwa fünfzig Jahren (notorischer Single, über den nie irgendjemand von einer Beziehung zu einer Frau gehört hatte) mit dicker Brille und dichtem, zur Bürste geschnittenen Haar – und bekleidet mit einem dunkelgrauen Anzug –, also Mathieu Pipelare zeigte auf drei gerahmte Handschriften hinter Glas, die an einer Längswand im riesigen Hauptsaal seines Schlosses in La-Celle-les-Bordes hingen.Die roten Miniaturen, die diese Handschriften zierten, waren das Werk von Jean Bourdichon, dem Hofmaler von Ludwig XI., Karl VIII., Ludwig XII.und Franz I.Geburts- und Todesjahr dieses Jean Bourdichon, 1457-1521, stimmten in etwa (fuhr Pipelare fort zu erklären) mit denen des flämischen Komponisten Mathieu Pipelare, seinem Namensvetter, überein, 1450-1515 – eine Namensgleichheit, die übrigens keinen geringen Anteil an der Anziehungskraft hatte, die die Musik und Kunst des Mittelalters sowie der Renaissance seit jeher auf ihn ausübten.Er hielt seine kleine Rede vor gut einem Dutzend Gäste, darunter Clara und Vincent.Es war wie eine Museumsführung.Dessen war er sich durchaus bewusst, und als er fertig war, schenkte er seinen Zuhörern ein schüchternes, beinahe zerknirschtes Lächeln, als wollte er sich für seine Pedanterie entschuldigen und sie um Nachsicht bitten.Vincent und Clara hatten ihn nicht pedantisch gefunden, ganz im Gegenteil.Er war ein schlichter, begeisterungsfähiger Mann, und sie hatten ihm die kurzweiligsten Momente dieses Abends verdankt.(Clara wäre weniger langweilig gewesen, wenn Mireille Bel dabei gewesen wäre, aber Mireille hatte wegen einer Unpässlichkeit – es war der erste Tag ihrer Regel, der bei ihr immer sehr schmerzhaft war –, das Bett hüten müssen.) Ein weiterer interessanter (und nützlicher) Moment war die Begegnung mit dem alten Jules Bainchoy, vom Label Madrigal Platten gewesen, der zwar grässlich aussah und steinalt war, sich aber kokett kleidete und trotz seines Alters, wie Vincent und Clara gehört hatten, ein glühender Don Juan sein sollte.Bainchoy sah Clara mit denselben freundlich- beifälligen Blicken an, mit denen er alle von ihm bewunderten Musiker bedachte, aber, wie das kurze Aufflackern unter seinen krokodilsgleichen grauen Augenlidern, die schwer und schrundig und mit hässlichen Pinselwarzen bedeckt waren, verriet, auch wie ein Mann, der sich beim Anblick einer hübschen Frau entflammt – ein Gebaren, das Clara in seiner Überdeutlichkeit amüsierte – und dem im Übrigen keinerlei Vulgarität noch Verachtung anhaftete: Bainchoys Verhalten war tadellos, auch gegenüber Vincent Leroy (hellgrauer Anzug, schwarzes welliges Haar), obwohl dieser sympathische sexbesessene Kerl davon überzeugt war, es mit einem Pärchen zu tun zu haben (dass die beiden noch nicht miteinander in die Kiste gestiegen sein sollten, hätte er für höchst unwahrscheinlich gehalten).Am Ende bedauerte er aufrichtig die Abwesenheit der Cellistin (die ihm bei den Konzerten im Saal Richelieu gleich ins Auge gesprungen war).Was nun eine Aufnahme bei Madrigale anging, sagte er, so sei das Projekt auf gutem Wege, er unternehme alles Nötige, es sei nur eine Frage der Organisation, kurz, wie Vincent später für Clara übersetzte, da war noch alles drin.Genau wie Bainchoy waren die sechzig Personen, denen Clara und Vincent vorgestellt wurden, von Claras Schönheit überwältigt – sodass ihre Blicke, wie aus Angst vor einem Schwindelanfall, der durch ihren unmittelbaren Anblick ausgelöst werden könnte, erst nur sporadisch und behutsam zu ihr hinüberwanderten, bevor sie es wagten, länger auf ihr zu verweilen – einer Schönheit, die übrigens in dem Kleid, das ihr ein wahrhaft göttlicher Modeschöpfer geschenkt haben musste, besonders gut zur Geltung kam, so perfekt harmonierte das zarte Veronese-Grün des Stoffes mit ihrer hellen matten Haut sowie den tausend Nuancen ihres wogenden Haars.Gegen Mitternacht wurden allerlei exquisite Köstlichkeiten in die Säle getragen.Dann verwandelte sich die Abendgesellschaft für alle, die es wünschten (mit anderen Worten: wenige) in einen Ball.Gegen ein Uhr dreißig brachen die ersten Gäste auf.Clara hätte sich ihnen gern angeschlossen.Die Langeweile war nicht der einzige Grund.Sie war von einer gewissen Traurigkeit erfüllt (die Pipelares Champagner nicht hatte vertreiben können).Einen Grund für diese Traurigkeit kannte sie: Unterwegs hatte sie kurz vor La-Celle-les-Bordes die Schilder von Gometz-la-Ville und von Gometz-le-Châtel gesehen.Auch wenn das von ihren Angehörigen erlittene (und ungesühnt gebliebene) Verbrechen noch vor ihrer Geburt lag, schlichen sich bisweilen die Schatten dieser verhängnisvollen Vergangenheit auf perfide Weise in die zarten Mäandern ihres Denkens ein und schlugen ihr aufs Gemüt [ Pobierz całość w formacie PDF ]