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.Und ich war noch nicht fertig angezogen.»Ja!«, rief ich.Carla trat ein.»Fein«, sagte der Wiener, »dann gehe ich gleich in medias res.«Das war mir nur recht, wenn er sofort zur Sache kam, denn ich hatte keine Zeit.Carla winkelte bereits den Arm an und klopfte mit ungeduldiger Bewegung auf das Zifferblatt ihrer Uhr.Wir mussten uns beeilen.Ich deutete ihr, sich zu setzen.Carla zog die Augenbrauen hoch.Doch sie folgte, wenn auch widerwillig.»Mit Kollegen Spörer ist abgestimmt, dass Sie über osseointegrierte Implantate sprechen werden.Ihr Vortrag ist für den 14.Juni geplant, um 11 Uhr 30, unmittelbar vor dem Lunch.Mein eigener Lichtbildvortrag ist für den Nachmittag angesetzt.Ich spreche über die neuesten Erkenntnisse der Prophylaxe in der Jugendzahnpflege …«Während mir Professor – wie war sein Name? – lang und breit erläuterte, worüber er selbst zu sprechen gedachte, ergab das Ganze für mich langsam Sinn.Wien war dieses Jahr Austragungsort des internationalen Zahnärztekongresses.Dieser fand einmal im Jahr statt.Immer in einem anderen Land.Und Zahnärzte aus allen fünf Kontinenten reisten zu diesem Kongress an.Die Vortragenden waren hochkarätig, die Themen vielfältig und der Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt besonders reizvoll.Meine Praxis stellte wiederholt Vortragende bei derartigen Treffen.In den letzten Jahren war dies meist mein Kollege Frank Spörer gewesen.Frank war der älteste Partner in unserer Praxis.Sein Wort hatte Gewicht.Er hatte mich vor Wochen einmal gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, über mein Spezialgebiet zu referieren.Aber er hatte mit keinem Wort erwähnt, dass er sich als Forum diesen großen Kongress vorstellte.Carla war aufgestanden und strebte ungeduldig der Tür zu.»Ich freue mich darauf, diesen Vortrag zu halten«, unterbrach ich etwas brüsk den Redefluss des Professors.Meine Freundin blieb stehen und sah sich mit großen Augen zu mir um.Wahrscheinlich wunderte sie sich, dass ich mir zutraute, öffentlich zu sprechen.Ich, die in den letzen Jahren immer bescheiden im Hintergrund geblieben war.Im Rampenlicht immer Peter.Oder auch meine Freundinnen.Und jetzt lud man mich zu diesem internationalen Ereignis ein! Na, die würden sich wundern.Ich hatte richtig Lust, sie zu überraschen.»Fein.Dann nehmen wir ihn ins Programm auf.Dauer eine Stunde mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen.Ich lasse Ihnen umgehend alle Unterlagen zusenden.Guten Abend, Frau Kollegin, Handkuss.«»Auf Wiedersehen.«Wie in Trance legte ich den Hörer auf und erhob mich aus dem Lehnstuhl.»Ich halte einen Vortrag.«»Bea auch, und zwar in einer halben Stunde«, antwortete Carla kühl.Sie war nie unpünktlich.»Willst du deine Haare noch aufstecken? Oder ist das dein neuster Look?«Ich beeilte mich in mein Schlafzimmer zu kommen, bevor ich mir endgültig ihren Unwillen zuzog.IVAls wir das Hotel erreichten, in dem Carlas Club tagte, war eine der Frauen soeben dabei, die Anwesenden zu begrüßen.Wir huschten zu zwei Stühlen in der vorletzten Reihe.Carla peinlich bemüht, möglichst wenig Aufsehen zu erregen.Sie grüßte flüsternd nach allen Seiten und winkte verstohlen zu weiter weg sitzenden Bekannten hinüber.Ich nickte ihr höflich lächelnd hinterher.Bea wurde begrüßt.Sie trat ans Podium, begleitet von freundlichem Applaus.Ich bewunderte immer wieder, wie selbstsicher sie sich präsentierte.Sie verstand es, bereits mit den ersten Worten das gebannte Interesse ihres Publikums zu wecken.»Im 18.Jahrhundert wusste man genau, wie eine anständige Frau zu sein hatte«, begann sie ohne lange Begrüßung und zitierte ein bekanntes Nachschlagewerk: »Sie beschränkt sich auf die Pflichten der Frau und Mutter und opfert ihre Tage der Praktizierung ruhmloser Tugenden …«Bea spannte darauf den geschichtlichen Bogen vom Mittelalter in die Gegenwart und kannte in jeder Epoche Beispiele mutiger Frauen, die sich nicht in das enge Korsett der Konventionen hatten schnüren lassen.Ihre Worte regten zum Nachdenken, aber auch zum Lachen an [ Pobierz całość w formacie PDF ]