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.»Ich weiß nicht, was ich tun soll.Am liebsten würde ich wieder nach Venedig gehen.«»Dann gehen wir gemeinsam nach Venedig.«Giovanni antwortete nicht, und ein böser Verdacht stieg in ihr auf.In dieser Nacht schliefen sie wieder in einem Bett, aber keiner von beiden wagte den anderen zu berühren.Am nächsten Tag verließ Silvia morgens früh das Haus, um allein in die Messe zu gehen.Nach deren Ende zog es sie zu Michelangelos Werkstatt.Der Künstler arbeitete schon.Sein Gesicht hellte sich auf, als er sie erkannte, und nahm ein spöttisches Erstaunen an, als er ihren Leib sah.Dann führte er sie zu der Pietà, die inzwischen weit gediehen war.Vor sich sah sie eine sanfte Maria, eine liebende Maria, und einen Christus, der zu schlafen schien.Der Gekreuzigte war tot und lebte noch.Das Blut pulsierte in seinen Adern, und doch schien aus seinem Körper jegliche Kraft gewichen.Eine plötzliche Angst erfaßte Silvia.Sie verabschiedete sich schnell von dem verdutzten Michelangelo und eilte, ohne auf den Winterschmutz der Gassen zu achten, zum Palazzo des Kardinals Farnese.Sie fragte dort, ob Seine Eminenz anwesend sei.Der Hausverwalter schüttelte den Kopf.Seine Eminenz sei schon seit Monaten nicht mehr in Rom gewesen, es gebe Gerüchte über seine Teilnahme an dem Feldzug des Herzogs von Valence.Der Mann stockte.»Was ist?« fuhr ihn Silvia an.»Es gibt auch andere Gerüchte.«»Was meinst du damit?«Aber mehr war aus dem Mann nicht herauszuholen.Immerhin verriet er ihr, daß Madonna Giulia in dem Palazzo bei Santa Maria in Portico weile.Obwohl Silvia schon die Füße schmerzten und sie in der nassen Vorfrühlingsluft fror, eilte sie zum Vatikan und ließ sich bei Giulia melden.Tatsächlich war Giulia im Haus.Sie sah müde, mitgenommen und traurig aus, als sie Silvia empfing, und zog sich mit ihr in eine kleine Dachmansarde zurück.»In diesem Haus gibt es hundert Ohren und kaum einen sicheren Platz«, erläuterte sie.»Du siehst nicht gut aus.Bist du krank?«Silvia wollte kein Gespräch über ihre Stimmung oder ihre körperliche Verfassung führen; sie interessierte auch nicht, ob Giulias Anwesenheit auf eine frisch aufgeflammte Liebe des Papstes hinwies, sie wollte nur Neuigkeiten über Alessandro hören.»Er ist in den Krieg gezogen«, sagte Giulia.»Er war verzweifelt.«»Ich bin auch verzweifelt, Giovanni ist ebenfalls verzweifelt.Wir sind alle verzweifelt.«Sie unterbrach sich, weil Giulia sie düster anblickte.»Ja und?« fuhr Silvia fort.Giulia zuckte mit den Achseln.»Ich weiß nur, daß Cesares Feldzug gegen Imola und Forlì erfolgreich war und er bald hier in Rom erwartet wird.Von Alessandro habe ich nichts gehört.Auch Cesares Botschaften an seinen Vater erwähnen ihn nicht.«Giulia wich ihrem Blick aus.»Warum sagst du nichts mehr?« In Silvias Stimme lag ein beschwörender Klang.»Ich muß immer wieder an unseren Bruder Angelo denken.Er war einer der wenigen, die in Fornovo fielen.Er war einer der besten Menschen – und wurde geliebt.Erinnerst du dich noch an Ippolita?«»Natürlich erinnere ich mich an sie.Aber was willst du damit sagen?«»Ach, Silvia, das weißt du genau.«54.KAPITELCesare Borgia hatte mit dem kampferprobten und furchteinflößenden französischen Heer Imola und Forlì ohne Schwertstreich besetzen können und schließlich auch die Feste von Forlì mitsamt der sich wütend verteidigenden Caterina Sforza erobert.Es war zum Schluß viel Blut geflossen.Als die Soldaten, durch den Verrat eines Handwerkers auf eine Schwachstelle der Befestigungsmauer hingewiesen, schließlich eine Bresche schießen konnten und unter Geschrei in die Zitadelle stürmten, fühlte Alessandro sich plötzlich an den Kampf in Arezzo erinnert.Als stünde er neben sich, sah er sich parieren und attackieren.Damals schien ihm alles so leicht zu gehen, so spielerisch.Aber nun rannten verdreckte Männer an ihm vorbei, mit gezückten Waffen, brüllten, die Augen wie Irre, trieben sich gegenseitig voran – und rissen auch ihn mit.Cesare Borgia in voller Rüstung unter den ersten.Die Gascogner mit angelegten Armbrüsten.Die Verteidiger der Zitadelle hoben die Arme, warfen die Waffen weg, aber es nützte ihnen nichts.Sie wurden sofort niedergestochen.Das Gebrüll verstärkte sich, wenn die Schwerter, die Piken und Hellebarden in die Leiber fuhren.Erst vor dem Turm baute sich Widerstand auf, und Alessandro sah sie inmitten ihrer Männer: La tigressa in einem Brustharnisch, mit dem Schwert in der Hand.Sie kämpfte selbst.Die Haare aufgelöst, sprang sie furchtlos auf den ersten Franzosen zu und hieb auf ihn ein, so daß er erschrocken zurückwich.Ein Pfeil fuhr ihm in den Hals, und aufschreiend stürzte er nieder [ Pobierz całość w formacie PDF ]