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.Einst stand sie an dem kleinen Fenster, das mit engen Gittern verschlossen war, und hörte ferne Vögel singen, sie erblickte die Blume, die ihr die alte Frau gegeben hatte, und verwunderte sich, daß sie nach so vielen Tagen noch so frisch blühte, als ob sie erst vom Stengel gebrochen sey.Seltsam dünkte ihr die Gestalt der Blume, die Farben waren hellglänzend, und Belinde gedachte dabei wieder des Mädchens, welches sie an der Quelle gesehen hatte, des Mannes im Walde; sie sagte: Ihr habt mir alle zu helfen versprochen, und keiner nimmt sich meiner an! Plötzlich dehnte sich die Blume aus und wurde grösser, die Blätter erglänzten noch heller, und zeigten sich endlich ganz klar und durchsichtig.Die Blume schien in einen sanften Duft zu zerfließen, und ihre Form nur noch in den schönsten Farben zu brennen.Jetzt schloß sich der Kelch weiter auf, und das Gesicht des Mädchens, welches Belinde in der Quelle gesehen hatte, lächelte ihr aus dem Kelch der Blume entgegen.Fasse Muth, ich stehe dir bei! sagte das Mädchen mit klarer zarter Stimme, über deren Lieblichkeit Belinde erschrack, so daß sie die Blume aus der Hand fallen ließ.Als sie sie wieder aufhob, war das Gesicht des Mädchens verschwunden.Ihre Gebieterin kam und sagte: Lange genug hast du gesponnen, du sollst nun in dem Garten arbeiten, meine Blumen warten und meine Pflanzen begießen.Belinde folgte ihr, sie übernahm mit ihren zarten Händen gern die Pflanzen zu pflegen, und Unkraut aus der Erde zu ziehn, damit sie nur wieder den Himmel sähe, und das Rauschen der Bäume aus dem nahen Walde hörte.Sie mußte nun täglich im Garten arbeiten, und die übrigen Diener verhöhnten sie, daß sie es oft kaum vollbringen konnte, was ihre strenge Gebieterin ihr auftrug.Diese häufte die Arbeit für ihre Gefangene täglich, so daß es Belinde nicht mehr ertragen konnte.Da weinte sie laut und rief, indem sie die Blume betrachtete: Wenn ihr es vermögt, die ihr mir Hülfe versprochen, so flehe ich euch an, mir beizustehn.Sie erwartete nun, daß eine Stimme ihr antworten würde, aber alles blieb stumm, das Gesicht des Mädchens lächelte ihr nicht aus der Blume entgegen, die Stimme des Mannes hörte sie nirgend, aber ihre Gebieterin sahe sie kommen, die ihre Arbeit betrachtete.Belinde bemerkte, wie ihre Augen vor Wuth anfingen zu glänzen, daß sie heut noch so wenig gethan hatte; sie hörte schon die kreischende Stimme der Alten, und warf sich voll Verzweiflung auf den Boden.Ich will sterben, rief sie, und auf keine Verheißungen bauen, die mich betrügen! Sie wollte die Blume zerreißen, aber kaum hatte sie ein Blatt abgelöst, so hörte sie einen lauten Klang, als ob die Saiten eines Instruments mit Heftigkeit berührt würden, und lange nachzitterten; sie war darüber verwundert, doch plötzlich sahe sie die Alte mit ihrem schwarzen Schleier, die ihr im Walde begegnet war, eilig durch den Garten kommen.Sie bedrohte Belindens Gebieterin, die ihr entgegen ging, mit dem Stabe und eilte auf Belinden zu, die sie bei der Hand faßte, und mit sich fortführen wollte.Wohin willst du mit meiner Magd? fragte Belindens Hausfrau, und wollte sie bei der Hand fassen, und der Alten entreißen; diese war aber sehr gewandt und schnell, sie schlug mit ihrem Stabe nach der Wüthenden, so daß sie zu Boden sank, dann ging sie mit Belinden fort, die ihr stillschweigend folgte.Als sie an das Thor des Gartens kamen, schlug die Alte mit ihrem Stabe daran, es öffnete sich von selbst, und sehr bald erreichte Belinde an der Hand ihrer Führerin den Wald.Sie waren durch einen Theil des Waldes gegangen, und endlich in ein kleines Thal gekommen, das rings von Bergen eingeschlossen war.Ein freundliches Haus, von Bäumen beschattet, stand an einer Quelle; ein Garten mit vielen Obstbäumen und Früchten, von einem zierlichen Gitter umgeben, war dicht am Hause.In diese Wohnung führte die Alte Belinden.Als sie in den Hof traten, kam ihnen eine Heerde entgegen, die Schaafe thaten so bekannt mit Belinden, als ob sie schon immer für sie gesorgt hätte.Das Hausgeräthe war zierlich und hell polirt, und Belinde betrachtete noch alles in diesem freundlichen Hause, als die Alte schon verschwunden war.Ermüdet von dem Wege, entschlief Belinde bald auf dem reinlichen Lager, und erwachte am Morgen mit neuem Muth.Fernando! rief sie aus, ach könntest du diese glückliche Einsamkeit mit mir theilen! – Sie ging durch das Haus und besorgte alle Geschäfte, dann eilte sie nach der Quelle um Wasser zu schöpfen.Sie blickte hinein und sagte: Erschiene mir doch wieder das holde Bild, so wollte ich Muth fassen und nach Fernando fragen.Das Gesicht des Mädchens blickte ihr aus dem Wasser freundlich entgegen, und sagte mit lieblicher Stimme: Ich will dir einen Boten senden, dem gieb ein Blatt aus der Blume, er wird damit zu deinem Geliebten fliegrn, und an meinem Hochzeittage wird er bei dir seyn.Mein kleiner Vogel ist oft mein Liebesbote gewesen, als die Mutter meiner Liebe zürnte.Als das Mädchen diese Worte gesagt hatte, tauchte sie in die Wellen und verschwand.Belinde schöpfte Wasser und kehrte in ihre Wohnung zurück.Sie war kaum hinein getreten, so hörte sie einen lieblichen Gesang am Fenster, es war ein weißer Vogel, dessen reine Federn in der Sonne glänzten, er sah Belinden mit klugen Augen an.Weißt du meinen Freund zu finden? fragte Belinde, und der Vogel neigte sein Haupt.Belinde zog ein Blatt aus der Blume, die wie sanfte Flötentöne erklang, und das stille Leid der Liebe und Sehnsucht in süßen Melodieen aussprach.Der Vogel nahm das Blatt und flog damit davon.Belindens Sehnsucht war durch den Ton aus der Blume recht von neuem erwacht, sie sah dem Vogel nach und wünschte ihn schon wieder zurück; sehnsüchtig blickte sie in den blauen Himmel, die Berge umschlossen sie zu eng, sie wünschte sich mit dem Vogel fliegen zu können, um ihren Geliebten früher zu begrüßen.So ging sie sehnsüchtig schmachtend umher, und indem entdeckte sie in einem der Felsen eine Grotte, sie trat hinein und fand den Mann, der sie im Walde getröstet hatte, drinne ruhen [ Pobierz całość w formacie PDF ]