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.Hilflos starrte ich meinen Vater an.Ein Teil seiner rechten Gesichtshälfte, unterhalb des Wangenknochens, glühte brennend rot.Die vernarbte Wunde, die die Explosion in Smithfield hinterlassen hatte.»Joanna, mein Gott«, schrie er.»Nein! Nein!« Er versuchte verzweifelt, sich zu befreien, aber seine Arme und Beine bewegten sich nicht einen Zoll.Er war fest angeschnallt.Der Bischof riss mich an beiden Armen so scharf zurück, dass mir der Schmerz bis in die Schultern hinaufschoss.»Schwester Joanna, werdet Ihr mir jetzt sagen, was ich wissen will?«Mir strömten die Tränen über das Gesicht.»Bringt sie hinaus, ihr Hunde!«, schrie mein Vater heiser.Der Bischof hob einen Finger.»Tobias?«Tobias griff nach einem Hebel und zog ihn ächzend abwärts.Die Seile über den Rollen strafften sich.Die Arme meines Vaters wurden langsam in die eine Richtung gezogen, seine Beine in die andere.Seine Augen quollen fast aus den Höhlen, sein Mund öffnete sich zu einem klaffenden Loch, aus dem kein Laut drang.»Aufhören! Nein! Aufhören!«, flehte ich, während ich versuchte, mich dem harten Griff des Bischofs zu entwinden.»Ich sage Euch alles, nur bitte, bitte, lasst von ihm ab.«Der Bischof riss mich mit sich zur Tür, außer Hörweite von Tobias.»Dann sagt mir jetzt, was Ihr über die Athelstan-Krone wisst«, forderte er, »oder, bei Gott, ich werde Euren Vater in Stücke reißen lassen.« Selbst in dem trüben Licht konnte ich die Röte der Wut in seinem Gesicht erkennen.Gott verzeih mir, was ich tue.»Es war die Königin«, stammelte ich.»Was?«, schrie der Bischof mich an.»Katharina von Aragón.Sie hat von der Athelstan-Krone gesprochen, bevor sie starb.«Die Hände des Bischofs fielen herab.Sein Gesicht erschlaffte, als hätte ein betäubender Schlag ihn getroffen.»Tobias«, stieß er mühsam hervor, »binde ihren Vater jetzt los.«Kapitel 14»Trinkt den Wein«, befahl Bischof Gardiner.Er hatte mich in ein Gemach im Erdgeschoss des Bell Tower gebracht, das mit Tischen, Sesseln und Bücherregalen eingerichtet war.Das Bild meines Vaters, verwundet und in Todesangst auf die Folterbank gespannt, stand mir in schrecklichem Detail vor Augen.Als etwas meine Hand berührte, zuckte ich zurück.Der Bischof hielt mir einen Becher hin.Ich stieß ihn schaudernd weg.Seufzend stellte er den Becher wieder auf den Tisch.Ich spürte seine Ungeduld.»Ich will Euch alles erzählen«, flüsterte ich.»Aber mir ist übel.«»Schließt die Augen.Holt dreimal tief Atem.«Ich gehorchte; ich hatte ja keine Wahl.»Gut.Und jetzt sprecht, Schwester Joanna.Beginnt bei dem Tag, als Ihr auf Kimbolton Castle eintraft, um Katharina von Aragón zu betreuen.Wann war das?«»Es war in der zweiten Dezemberwoche 1535«, sagte ich.»Es regnete den ganzen Tag.Mein Vater begleitete mich.Die Straßen waren wegen des Schlamms unpassierbar.Unsere Pferde hielten immer wieder an.Wären wir mit dem Wagen gefahren, wir hätten unser Ziel nie erreicht.In einem armseligen kleinen Dorf unterwegs gab mir eine alte Frau, die wir nach dem Weg zum Schloss fragten, ihren Segen mit.›Gott segne unsere arme Königin Katharina‹, sagte sie.Ich war überrascht.Man hatte uns gesagt, dass seit der Scheidung auf Befehl des Königs niemand mehr Katharina den Titel Königin geben dürfe.Aber die einfachen Leute haben sie immer geliebt.«»Ganz recht«, bemerkte der Bischof trocken.»Fahrt fort.«Ich öffnete die Augen.»Ich war auch überrascht, wie klein und bescheiden Kimbolton Castle war.Es war nur ein Herrenhaus, kein Schloss, und mitten in der Ebene erbaut.Es war schwer zu glauben, dass dort eine Königin lebte.« Ich brach ab, aus Furcht, einen Fehler begangen zu haben, als ich Katharina Königin genannt hatte.Aber der Bischof bedeutete mir mit einer Geste, ich möge fortfahren.»Der Eigentümer von Kimbolton, ihr Bewacher, Sir Edmund Bedingsfield, erwartete uns schon.Mein Vater hatte einen Boten vorausgesandt, um Bescheid zu geben, dass ich an Stelle meiner Mutter kommen würde.Sir Edmund führte mich zu den Gemächern der Königin, dann zog er sich zurück.Sie weigerte sich, ihn in ihre Räume zu lassen, weil er sie mit Prinzessinwitwe ansprach und nicht mit Königin.«»Wie viele Leute hatte sie um sich?«»Sie hatte zwei Damen zur Gesellschaft bei sich, zwei Dienerinnen, ihren Beichtvater und ihren Arzt, Don Miguel de la Sa.Das waren alle.Die Möbel waren alt.Das Geschirr war großenteils angeschlagen.Es gab keinen einzigen Wandteppich.Die Königin lag zu Bett.Sie war sehr schwach, auch wenn sie sagte, sie freue sich, mich zu sehen.Es war schwer für mich, ich wusste, dass sie im Sterben lag – nur deshalb war ihr gestattet worden, wieder spanische Landsleute um sich zu versammeln.Sie sah so verändert aus, dass ich sie nicht erkannt hätte.«»In welcher Weise?«»Sie war so stark abgemagert, dass überall an ihrem Körper die Knochen hervorstanden.Und sie litt die meiste Zeit Schmerzen.Manchmal schien es, als wäre schon das Atmen eine Qual für sie …«Ich geriet ins Stocken, als ich an ihr Leiden dachte, aber ein Blick zum harten Gesicht des Bischofs genügte, um mich fortfahren zu lassen.»Ich bemühte mich, der Königin ihr Leiden zu erleichtern, so gut ich konnte.Es war sehr kalt.Kein Schnee.Aber durch die Fenster pfiff der feuchte Wind vom Moor.Wir versuchten, die Ritzen zu verstopfen, und ließen immer ein großes Feuer brennen.Aber richtig warm wurde es nie in diesem Gemach.Man sagte mir, es lasse sich nicht ändern.Eines Tages kam der spanische Botschafter, Eustace Chapuys, sie besuchen.Wir wussten, dass der König ihm nach vielen Monaten vergeblichen Ersuchens endlich gestattet hatte, die Königin ein letztes Mal zu sehen.Wir richteten ihr Schlafgemach so gefällig wie möglich und kleideten sie mit aller Sorgfalt.Schmuck hatte sie keinen.Der war ihr vor Jahren genommen und Anne Boleyn geschenkt worden.Aber wir taten unser Bestes.Als der Botschafter ins Zimmer trat, weinte sie vor Freude.Sie sagte: ›Nun kann ich in Euren Armen sterben und muss nicht einsam wie ein Tier irgendwo in der Wildnis enden.‹ Das bekümmerte mich, denn ich hatte mich so sehr bemüht, es ihr angenehm zu machen.Aber ich versuchte, mich mit ihr zu freuen, dass jemand, der so lange in ihrem Interesse tätig gewesen war, sie besuchte.«»Wart Ihr bei den Gesprächen zugegen?«»Am ersten Tag waren wir alle zugegen.Sie wollte deutlich machen, dass sie nichts vor dem König zu verbergen hatte.Selbst Sir Edmund wurde dazugebeten.Am zweiten Tag waren nur zwei von uns dabei.«»Worüber haben sie gesprochen?« Der Bischof war sehr neugierig.»Über ihre Tochter Maria.Sie war in großer Angst um die Prinzessin, machte sich die größten Sorgen, wie der König es sie büßen lassen würde, dass sie sich weigerte, die Scheidung zu akzeptieren.Der Botschafter versicherte hoch und heilig, er werde alles tun, was in seiner Macht stehe, um sie zu schützen [ Pobierz całość w formacie PDF ]