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.So kam er unter dem Spitznamen Bashō zu Ruhm.Auf der Straße drehte man sich schon nach ihm um.Dafür erinnerte sich nicht einmal sein Verleger, dass es einen Vanoski gegeben hatte.So erkannte er schließlich, dass Ruhm nicht durch Arbeit errungen, sondern gratis erlangt wird.Den Bart und die schulterlangen Haare wollte er beibehalten, als die leichteste Methode, seine Vergangenheit zu überwinden.Es ging aufwärts mit ihm: ein überraschender schöpferischer Höhenflug, überraschender Erfolg bei den Frauen, eine überraschende Passion fürs Umherschweifen … Halt machte er erst in Neuseeland, wohin er aus Wladiwostok seinem einstigen russischen Kneipenfreund Anton hinterhergezogen war, der seinerzeit der Expedition von Robert Scott zum Südpol hinterhergezogen war.Ihnen weiter auf die »Pinguininsel« zu folgen, versagte er sich entschieden, ihn verlangte es nach etwas Wärmerem und weniger Bewohntem.In einer geschlossenen Heilanstalt, wo er versuchte, die ihn verfolgenden »Todesgerüche« loszuwerden, händigte ihm eine Baronesse, zugleich Psychiater, einen Empfehlungsbrief für eine »praktisch unbewohnte« Insel aus.»Dort wird es Ihnen gefallen«, sagte sie, »bloß sollten Sie sich über nichts wundern.«So mochte Ris wieder zu Urbino werden.In Taunus, quasi einem Fischerstädtchen an der Küste, traf er, wie ihm vorgezeichnet, den Midshipman Happenen, einen geradezu hollywoodesken Skandinavier mit Narbe quer über Stirn und Wange, das lange weißblonde Haar von einem Piratentüchlein zusammengehalten; er zimmerte unweit des Piers an einer Jacht und gefiel Urbino gleich in seiner strengen Ungesprächigkeit und Schönheit.Mit Zimmermannsblick maß er Urbino, als wäre er Baumaterial.»Sechs Fuß weniger einem Zoll«, sagte er.»Aha, Sie zimmern hier auch Särge?« Urbino versuchte zu scherzen und seinerseits die Größe des Midshipman abzuschätzen, der ihn in jeder Hinsicht überragte (gewiss war er einen Zoll größer als sechs Fuß, von den Pfunden ganz zu schweigen).»Wieso, das ist keine Kunst …« Der Midshipman ließ die Muskeln an den steilen Wangenknochen spielen und nahm ihn mit zu seinem Boot.»Wer sonst sollte diese Arbeit hier machen? Übrigens sterben sie hier auch selten.Ertrinken höchstens.«Schweigend ruderte er über den Sund.Und legte an einer Sandbank an.Ein Hund stürzte ihnen freudig entgegen, bespritzte sie von Kopf bis Fuß.Sein Verhalten passte nicht zu seinem Aussehen: von unmäßiger Größe und Farbmischung, irgendwas zwischen Wolf und Schaf, ein Hund der Baskervilles, winselnd wie ein Welpe.»Na, na, beruhige dich, Marleen!« befahl der Midshipman, und die Hündin gehorchte sofort, sie jaulte nur.»Begrüße den Gast.«›Er ist hier wie zu Hause‹, konnte Urbino noch denken, da hatte ihn der Skandinavier samt Rucksack gepackt, trug ihn leicht wie eine Feder, wie man so sagt, durchs Wasser und stellte ihn ans Ufer.»Zeig ihm hier alles«, befahl er der Hündin, und bevor Urbino gekränkt sein oder bezahlen konnte, ruderte er schon zurück.So war Urbino an einem Ufer gelandet, wo er erblickte, was er gewollt hatte.Das Ufer war abschüssig, doppelt mannshoch und verdeckte zunächst die Aussicht.Marleen führte ihn einen im Sand festgetretenen Einsturz entlang, der mit angenehmen, fleischigen Sandpflanzen überwachsen war (Steinbrech nannten sich die wohl zu Kinderzeiten); oben öffnete sich der Blick auf das Inselchen, gleichsam eine riesige Sicheldüne, die ringsum mit niederen Krüppelbäumchen bewachsen war, und auf dem Gipfel stand, bis zur Wasserlinie im Sand steckend, eine riesige Segelfregatte.Urbino war entzückt.›Kein Wunder, dass das Kamel Wüstenschiff genannt wird!‹Das war die Hazienda.Sie erinnerte auch an ein Kamel, hieß aber »Bermuda«.Was Marleen ihm nicht vorbellen konnte, sondern die Gastgeberin ihm kundtat.2.Lili»Das hat uns der letzte Tsunami geschenkt.«»Das beste Denkmal für das Element, welches man sich überhaupt vorstellen kann«, säuselte Urbino.»Ein Denkmal für das Meer.So etwas sehe ich zum ersten Mal.«Den Empfehlungsbrief steckte sie achtlos in die Schürzentasche.»Ich weiß ohnehin, was drinsteht.Die Baronesse hat mir schon alles erzählt.«»Wie hat sie es geschafft, mir zuvorzukommen?« wunderte sich Urbino.»Ich habe fast drei Tage bis hierher gebraucht, und wie ich annehme, haben Sie hier keinerlei Verbindung.«»Sind Sie jeder Verbindung derart überdrüssig?« spöttelte die Gastgeberin.»Darum bin ich ja hergekommen«, erwiderte Urbino reserviert.»Gehen wir in die Offiziersmesse.Ich mache Ihnen was zu essen, zeige und erzähle alles.Marleen, Platz!«Urbino war verdutzt über den veränderten Tonfall, den Wechsel von Konversation zu Befehl.Die Hündin war nicht verdutzt, sondern beleidigt; sie mochte absolut nicht, fügte sich aber sofort.In der Offiziersmesse war es sehr gemütlich.Alles noch wie auf einem Schiff, zugleich spürte man die weibliche Hand: Töpfe und Pfannen gewienert wie die Haltestangen an Deck, Bunde einheimischer Kräuter.Plötzlich ein Tierbalg, etwas zwischen Biber und Hase, mit Gänsefüßen und mit Hörnern wie die eines Zickleins.»Was ist das für ein Teufel?«»Ein gewöhnlicher Hase mit Hörnern.«»Wie – kommen solche hier vor?«Die Gastgeberin lächelte.»Jetzt nicht mehr, sie sind ausgestorben.«»Amüsant …«»Das stammt nicht von mir, das ist Marleen, meine Schwester.Das ist ihr Kalauer.Ihr Teufel.«»Sehr kajütlich hier bei Ihnen«, kalauerte seinerseits Urbino.»Alles dank Happenen, er hat umfassend renoviert.«Unter ihnen polterte es, als wäre etwas umgefallen.Urbino zuckte zusammen.›Was kümmert mich die blonde Bestie!‹ dachte er gereizt und fragte:»Hören Sie, ich bin bereits verwirrt.Wo ist Ihre Marleen? Wer ist Happenen?«»Gut, der Reihe nach.Marleen ist unten.Das muss so sein.Sie musste isoliert werden.Hat Ihnen die Baronesse das nicht erzählt? Sie ist doch der behandelnde Arzt.Wir sind Zwillinge.Nein, nicht die Baronesse und ich.Eineiige, aber verschieden.Vielleicht, weil wir unterschiedlich aufgezogen wurden [ Pobierz całość w formacie PDF ]