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.An ihrer Spitze galoppierte ein schneeweißes Tier, vermutlich ein Hengst.Ich hielt ihn für das Leittier der Herde, die meiner Schätzung nach zwölf Pferde umfasste.Als die Wildpferde den Hügel hinunterstürmten, klang es wie Donnerhall, allerdings wurde der Lärm durch die weiche Grasdecke leicht gedämpft.Kathi und ich liefen gleichzeitig los und blieben kurz danach auch gleichzeitig stehen, weil wir beide zum selben Schluss gekommen waren: Bis zu diesem Hügel würden wir einige Minuten brauchen und das Kind auf keinen Fall mehr retten können.Es dauerte nur Sekunden, bis die Pferde das Kind mit donnernden Hufen und fliegenden Mähnen überrannt hatten.»Verdammter Mist!«, murmelte Kathi und machte damit dem hilflosen Zorn Luft, den auch ich empfand.Am Fuße des Hügels machten die Pferde einen Bogen, galoppierten an einer flachen, schmalen Schlucht entlang und verschwanden aus unserem Blickfeld.Wie wir sahen, hatten sie bei ihrem Sturm über den Hügel ganze Grassoden ausgerissen.Ich suchte ihre Route nach dem Körper der Kleinen ab…… und da stand sie und drehte sich fröhlich im Kreis.Völlig unversehrt.»Siehst du, was ich sehe?«, fragte Kathi ungläubig.»Keines der Pferde hat ihr ein Haar gekrümmt.Das ist wider alle Wahrscheinlichkeit.«Ich schüttelte fassungslos den Kopf.»Sie hat wirklich unwahrscheinliches Glück gehabt.Ich hätte meinen Jahreslohn darauf gewettet, dass sie keine Chance hat.«Mittlerweile waren Menschen auf der Hügelkuppe aufgetaucht, die jubelten und klatschten, wie wir selbst aus dieser Entfernung hören konnten.Alle umringten das Kind, als hätte es irgendein Wunder bewirkt.Und ihr Überleben war ja auch das reinste Wunder.Wie die Kleine trugen die Erwachsenen Festtagskleidung in allen möglichen Farben.Doch es war weder die Jahreszeit, in der man das Erntefest feierte, noch die für den Furchtbarkeitstanz im Frühling.Dennoch handelte es sich eindeutig um irgendeine Festlichkeit.Eine Frau nahm die Kleine in die Arme und küsste sie so innig, dass sie nur deren Mutter sein konnte.Immer noch jubelnd, verschwanden die Menschen nach und nach auf entgegengesetzten Seiten des Hügels, die Kleine stolz auf den Schultern ihrer Mutter.Niemand warf einen Blick in unsere Richtung.»Das war wirklich sehr sonderbar«, sagte ich, als der Lärm sich gelegt hatte.»Hast du mit so was gerechnet?«Kathi schüttelte den Kopf.»Im Lebtag nicht.Ich dachte, ich würde Epona Grau allein vorfinden.«»Na ja … Vielleicht haben die Leute hier auch gar nichts mit ihr zu tun.«Sie sah mich zweifelnd an.»Würdest du darauf wetten?«»Keineswegs.«Durch die Felsen bahnten wir uns den Weg bis zur Baumlinie und kamen irgendwann auf der Hügelkuppe heraus, über die die Menschenmenge verschwunden war.Und da sahen wir, wo sie hingegangen waren.Vor uns lag ein kleines Dorf, vor Blicken gut verborgen, bis man sich unmittelbar darüber befand.Rings um einen großen Brunnen in der Ortsmitte standen ein Dutzend Häuser und einige offenbar gemeinschaftlich genutzte Gebäude, allesamt in ähnlichem Stil errichtet und mit einem angrenzenden Pferch für Vieh oder einem Nutzgarten ausgestattet.Gepflasterte Wege, sorgfältig gepflegt, verbanden die Häuser miteinander.Alles an diesem Dorf wirkte überaus ordentlich, und trotzdem stellten sich mir die Nackenhaare auf, denn es war menschenleer.»Wo sind die alle?«, fragte Kathi.Hinter dem Dorf begann der Wald.Eine dunkle Öffnung deutete darauf hin, dass ein breiter Pfad hineinführte.Dort sah das Gras so aus, als hätten viele Menschen es niedergetrampelt.»Die müssen in den Wald gegangen sein.«»Alle?«»Kann sein.«»Dann können wir wenigstens hinuntergehen und uns dort umsehen.« Kathi wollte sofort los, aber ich hielt sie am Arm zurück.»Warte mal.Diese ganze Geschichte ist mir unheimlich.Die Leute sind uns zahlenmäßig überlegen, wir bewegen uns auf unbekanntem Terrain und wissen nicht mal genau, nach wem oder was wir suchen.Nicht gerade gute Bedingungen, falls man uns beim Schnüffeln ertappt.Ich finde, wir sollten uns hier einfach hinsetzen und abwarten, bis sie zu uns kommen.«Kathi funkelte mich an und blickte auf meine Hand, bis ich ihren Arm schließlich losließ.»Ich finde das alles ja auch sonderbar, deshalb will ich diese Sache möglichst schnell hinter mich bringen und dann von hier verschwinden.Aber du hast recht.« Mir war klar, dass ihr der letzte Satz nur schwer über die Lippen gegangen war.Und so blieben wir auf der Hügelkuppe sitzen, wo wir uns deutlich vor dem Himmel abzeichneten.Beide hielten wir nach den rasenden Wildpferden Ausschau, aber sie kehrten nicht zurück.Erst jetzt fiel mir auf, dass in den Pferchen keine Tiere gehalten wurden, die größer waren als Ziegen – dazu waren diese Pferche auch zu klein.Es kam mir ziemlich seltsam vor, dass es sich eine so abgeschiedene Siedlung leisten konnte, eine Herde überaus nützlicher Tiere frei und ungezähmt herumlaufen zu lassen.Allerdings waren diese Wildpferde wesentlicher Bestand des merkwürdigen Rituals gewesen, das wir soeben beobachtet hatten.Genau: Der Ansturm der Pferde, die das Kind leicht hätten tottrampeln können, war kein unglückseliger Zufall gewesen, sondern Bestandteil irgendeiner Zeremonie.Aber was steckte dahinter?Mittag war längst vorbei.Die Sonne, die den Zenit bereits überschritten hatte, wanderte jetzt so am Himmel entlang, dass sie uns blendete und wir das Dorf, das westlich von uns lag, kaum noch erkennen konnten.Kathi gähnte, streckte sich auf dem Boden aus und schirmte die Augen mit dem Arm ab.»Weck mich, wenn sich irgendwas tut«, murmelte sie und begann gleich darauf zu schnarchen.Irgendwann ließ sich ein großer Schmetterling auf ihrem Knie nieder, sonnte sich dort ein Weilchen und flog weiter.Kurz vor Sonnenuntergang tauchten die Dorfbewohner schließlich aus dem Wald auf.Wegen des blendenden Lichts konnte ich zwar keine Einzelheiten erkennen, doch sie kehrten offenbar von einem gemeinsamen Essen oder Fest zurück, denn viele von ihnen wirkten leicht betrunken.Die jungen Paare hatten sich untergehakt, und die müden Kinder hockten auf den Schultern ihrer Väter.Die meisten warfen auf dem Heimweg ins Dorf nicht einmal einen Blick in unsere Richtung, bis ein auffallend großer Mann zu uns hinaufdeutete.Sofort umringten ihn andere, und eine dunkelhaarige Frau trat hastig aus einem der Häuser und gesellte sich zu der Gruppe.Während sie zuhörte, was der hochgewachsene Mann zu sagen hatte, blickte sie mehrmals zu uns hinauf.Schließlich machten sich beide auf den Weg zu uns.Ich stupste Kathi an: »Es geht los.«Sofort war sie hellwach [ Pobierz całość w formacie PDF ]