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.Wir wissen, dass es im neunzehnten Jahrhundert weit verbreitet war.Viele Angehörige dieser Stämme kamen als Sklaven in die westliche Hemisphäre, und sie haben ihre Religion mitgebracht.«»Wo in der westlichen Hemisphäre?«»Kuba, fast ausschließlich sogar.Wenn ich auf der Suche nach jemandem wäre, der tief in Palo Mayombe verwurzelt ist, würde ich nach jemandem aus Kuba Ausschau halten – meinetwegen auch noch Miami, aus nahe liegenden Gründen.Spuren davon finden sich vielleicht noch in Mexiko, aber am häufigsten finden Sie dieses Gebräu tatsächlich in Kuba.«»Kuba.Und Sie sind sicher, dass das Ganze nichts mit kanadischen Ureinwohnern zu tun hat?«»Nicht das Geringste.«Es herrschte Schweigen.»Was ist?«, sagte Dr.Wasserstein nach einer Weile.»Das scheint Sie zu verblüffen.«»Sie haben gesagt, dieses Palo Mayombe sei geheimnisvoller als Voodoo.Vielleicht auch beängstigender.Wie haben Sie das gemeint?«»Nun ja, genau wie bei Voodoo gehören die üblichen Tieropfer dazu.Bei Palo Mayombe gibt es allerdings auch zahlreiche Hinweise auf Menschenopfer.Geschichten von Menschen, die vor ihrem Tod verstümmelt wurden.«»Einem unserer Mordopfer wurden Hände und Füße abgeschnitten.Und wir haben auch seinen Kopf nicht gefunden.«»Oh mein Gott.« Dr.Wasserstein legte eine Hand auf die Brust.»Wie entsetzlich.«»Allerdings.Wir möchten ihn daran hindern, das noch jemandem anzutun.«»Also, der Fairness halber sollten Sie wissen, dass in Bezug auf Palo Mayombe gegenwärtig viel diskutiert wird, wie es sich nun tatsächlich damit verhält.Die Verfechter von Palo Mayombe bringen einige Argumente vor: Erstens einmal stammen sämtliche Hinweise auf Menschenopfer von Missionaren.Von Leuten, die nur aus einem einzigen Grund nach Afrika gegangen sind, nämlich, die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren.Wir wissen aus der Geschichte, dass ihre Lieblingsmethode darin bestand, den Leuten Angst einzujagen – auf die Weise schafft man es, die alten Götter wie Teufel dastehen zu lassen, als Inbegriff des Bösen.Zweitens: Man kann Menschenopfer nicht an und für sich verdammen.Jesus Christus war ein Menschenopfer, von Gott selbst sanktioniert.Außerdem ehren wir Soldaten, die ihr Leben lassen, um ihr Vaterland zu verteidigen.Sind das etwa keine Menschenopfer? Drittens: Für den Fall tatsächlicher Menschenopfer, sagen sie, sei es ganz und gar freiwillig, wie in dem eben genannten Fall.«Delorme sah die Kuratorin an.Trotz des Bubikopfs und des hippen T-Shirts schien es, als habe sie das Gespräch über Gewalt ein wenig altern lassen.»Sie sind sehr blass«, sagte Delorme.»Fühlen Sie sich nicht gut?«»Doch, doch, alles bestens.Es ist nur – na ja, was Sie da erzählen …« Dr.Wasserstein schüttelte den Kopf, als könnte sie damit die brutalen Bilder weit von sich schleudern.»Was ich sagen wollte – mag ja sein, dass die Missionare, die so was bezeugt haben, Vorurteile oder auch ein Interesse daran hatten, sich so was auszudenken.Die Möglichkeit ist zumindest nicht von der Hand zu weisen.Aber es waren größtenteils Jesuiten, und die entsprechenden Aussagen stehen nicht in Traktaten oder Predigttexten.Sie finden sich in Erfahrungsberichten, die sie an ihre Ordensleitung daheim geschickt haben – mit anderen Worten, es gab keinen Anlass, irgendjemandem Angst einzujagen.Sie haben einfach nur der Zentrale berichtet, womit sie sich herumschlagen müssen.Ähnliche Berichte gibt es von ihnen außerdem in Nordamerika.Wir wissen, dass die Irokesen Pater Brébeuf entsetzlich gefoltert und ihm das Herz herausgeschnitten haben.Die Huronen haben an ihren Feinden ähnliche Grausamkeiten begangen.Und bei diesen Berichten wissen wir, dass sie nicht frei erfunden sind.«»Und die Verstümmelung?«»Gott, das ist grauenhaft.Zwei Dinge spielen dabei eine Rolle: zunächst einmal der Wunsch, so viel Schmerz wie möglich zuzufügen.Man erlangt nämlich, wenn das Opfer schreit und um sein Leben fleht, in der Anderwelt Kontrolle über seinen Geist.Man kann ihm befehlen, für einen hierhin und dorthin zu gehen, etwas in Erfahrung zu bringen, etwas zu erledigen.Diese Vorstellung findet sich in vielen heidnischen Religionen.Hier liegt der Grund für die Verstümmelung.Damit der Geist herumkommt und diese Dinge für einen tut, benötigt er Füße zur Fortbewegung, Finger zum Tasten und Greifen und vielleicht sogar ein Gehirn zum Verstehen.Also schneidet der Schamane sie ab und wirft sie in einen Hexenkessel.Bei Palo Mayombe wird mit einigen Stöcken oder palos im Kessel gerührt, um den Geist zu beherrschen.Wenn man sich erst einmal einen solchen dienstbaren Geist geschaffen hat, wird wiederum frisches Blut benötigt, um ihn unter Kontrolle zu behalten.«»Das klingt nicht gut«, sagte Delorme.»Heißt das, es wird wahrscheinlich weitere Opfer geben?«»Ich fürchte, ja.«»Und trotzdem gibt es so viele, die darin nichts weiter als eine harmlose Variante von Voodoo sehen?«»Ja.Ich persönlich denke, sie liegen falsch.In dieser Hinsicht glaube ich den Jesuiten.Und außerdem haben Sie diese verstümmelte Leiche, Sie haben die palos, und Sie haben die Kaurimuscheln.Somit haben Sie es entweder mit einem Palo-Mayombe-Priester zu tun, der den alten Glaubensvorstellungen anhängt, oder aber mit jemandem, der diese Vorstellungen grässlich entstellt hat – in beiden Fällen mit einem Monster.«42Das Büro ging Cardinal langsam, aber sicher auf den Geist.McLeod schnauzte am Telefon einen Rechtsanwalt an [ Pobierz całość w formacie PDF ]