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.Das Problem war nur, er gefiel ihr nicht, und sie hatte aus ihren letzten Beziehungen gelernt.»Einmal«, sagte Isabel, »kam der Texaner zu mir nach Hause und wollte mich zu einer Larry-Rivers-Ausstellung in San Antonio einladen.Ich schaute ihn mir an und dachte: Der Typ will mit dir ins Bett und findet nicht die passenden Worte, es dir zu sagen.Ich weiß nicht, warum ich seine Einladung annahm.Ich hatte nicht die Absicht, mit ihm ins Bett zu gehen, zumindest wollte ich es ihm nicht so leicht machen, und auch der Gedanke an eine Autofahrt nach San Antonio reizte mich nicht, aber plötzlich bekam ich doch Lust hinzufahren, bekam Lust, die Bilder von Larry Rivers zu sehen, so dass mir sogar die Autostunden, das Essen in Raststätten, das Motel, in dem wir in San Antonio zu übernachten gedachten, die sterbenslangweilige Landschaft und die Strapazen der Fahrt in angenehmem Licht erschienen.Ich packte also etwas zum Anziehen, ein Buch von Nietzsche und meine Zahnbürste in eine Tasche, und wir fuhren los.Bevor wir die Grenze überquerten, wurde mir klar, dass der Texaner mich nicht ins Bett locken, sondern nur reden wollte, nur jemand suchte, mit dem er reden konnte (erstaunlicherweise fand er mich sympathisch).Mit einem Wort: Mir wurde klar, dass er ein ziemlich einsamer Typ war, und dass ihn das manchmal fertigmachte.Die Reise war angenehm, ohne besondere Vorkommnisse, die Dinge waren zum Glück von Anfang an klar.Als wir in San Antonio ankamen, mieteten wir uns in einem Motel in den Außenbezirken ein, in getrennten Zimmern, aßen in einem chinesischen Restaurant recht gut zu Mittag und gingen dann in die Ausstellung.Nun: Es stellte sich heraus, dass es der Tag der Eröffnung war, mit Presse, einigen Fernsehkameras, Scheinwerfern, Getränken, lokalen Berühmtheiten und, in einer Ecke, umgeben von Leuten, Larry Rivers persönlich.Ich erkannte ihn nicht, aber der Texaner sagte: Der da ist Larry Rivers, sagen wir ihm Guten Tag.Wir gingen zu ihm, und dann reichten wir ihm die Hand.Es ist mir eine Ehre, Mister Rivers, sagte der Texaner, für mich sind Sie ein Genie.Und dann stellte er mich ihm vor.Señorita Isabel Aguilar, Professorin für Philosophie an der Universität von Santa Teresa.Larry Rivers sah ihn von oben bis unten an, vom Stetson bis zu den Stiefeln, und sagte zunächst nichts, fragte dann aber, wo Santa Teresa liege, in Texas oder in Kalifornien?, und ich reichte ihm die Hand, wortlos, ziemlich befangen, und sagte dann, in Mexiko, im Bundesstaat Sonora.Larry Rivers sah mich an und sagte, großartig, Sonora, großartig.Das war alles, wir verabschiedeten uns höflich und gingen ans andere Ende der Galerie, der Texaner wollte über die Bilder von Larry Rivers reden, ich hatte Durst, wollte aber auch über die Bilder reden, und so tranken wir eine Weile Wein und aßen Kanapees mit Kaviar und geräuchertem Lachs und tranken Wein, und unsere Begeisterung über die Ausstellung nahm immer mehr zu, als ich mich plötzlich, von jetzt auf gleich, allein an einem Tisch voller leerer Gläser wiederfand, schwitzend wie eine Stute, der man einen Parforceritt abverlangt hatte.Ich habe es nicht am Herzen, aber in diesem Moment fürchtete ich einen Anfall, einen Infarkt oder dergleichen.So gut ich konnte, schleppte ich mich auf die Toilette und schlug mir eine Weile Wasser ins Gesicht.Es war ein seltsames Gefühl, das kalte Wasser drang nicht bis an meine Haut vor, der Schweißfilm war so dick, zäh, könnte man sagen, dass er es verhinderte.Meine Brust brannte, als hätte man mir ein rotglühendes Eisen zwischen die Brüste gelegt.Einen Moment lang war ich überzeugt, dass mir jemand eine Droge ins Getränk getan hatte, aber welche Art Droge, war mir nicht klar.Ich weiß nicht mehr, wie lange ich auf der Toilette zubrachte.Als ich sie verließ, waren kaum noch Leute in der Galerie.Eine wunderschöne, skandinavisch blonde, etwa achtunddreißigjährige Frau stand neben Larry Rivers und sprach ununterbrochen.Es kam mir vor wie ein Wunder, dass Larry Rivers und einige seiner Freunde noch da waren.Die Skandinavierin spielte die erste Geige, sprach und gestikulierte, aber das Merkwürdige daran war, dass es so aussah, als würde sie etwas vortragen, ein langes Gedicht, das sie mit dem Fuchteln ihrer Hände untermalte, Hände, die zart und elegant zu sein versprachen.Larry Rivers betrachtete sie aufmerksam aus halb geschlossenen Augen, als sähe er die Geschichte der Blonden, eine Geschichte von winzigen, unablässig tätigen Leuten.Scheiße, dachte ich, wie schön.Liebend gern hätte ich mich zu ihnen gesellt, aber vermutlich hinderten mich meine Schüchternheit oder meine Diskretion daran.Der Texaner war nirgends zu sehen.Bevor ich ging, lächelte die Gruppe um Larry Rivers mir zu.Am Ausgang kaufte ich den Katalog und fuhr im Taxi zurück ins Motel.Ich ging zum Zimmer des Texaners, aber er war nicht da.Am nächsten Tag sagte man mir an der Rezeption, er sei in der vorigen Nacht abgereist und habe vorher noch alles bezahlt, einschließlich meines Zimmers und eines Frühstücks für mich in der Cafeteria des Hotels.Ich nahm mir vor, alles aufzuessen, sogar die Eier mit Speck, die ich hasse, aber ich bekam nur einen Kaffee herunter.Was ist dem Texaner widerfahren, dass er sich auf so unhöfliche Art aus dem Staub gemacht hat? Ich habe es nie erfahren.Zum Glück hatte ich meine Kreditkarten dabei.Um zwei Uhr nachmittags nahm ich ein Flugzeug nach Hermosillo, und von dort fuhr ich im Taxi nach Santa Teresa.16Der nächste Brief von Padilla berichtete von einem Mädchen, das er im Krankenhaus kennengelernt hatte, und enthielt eine lange, ziemlich finstere Abschweifung.Ich hatte versprochen, schrieb er, dir zu erzählen, wie ich die Auseinandersetzung mit meinen Zimmergenossen beigelegt habe.Diese Bürschchen, Söhne schicksalsloser Proletarier (auch Lumpenproletariat genannt, dachte Amalfitano, der im Grunde Marxist geblieben war), benahmen sich mir gegenüber wie 1948 die Araber gegenüber den Juden, weshalb ich beschloss, aktiv zu werden, eine Demonstration der Stärke zu geben, Angst einzuflößen.Eines Nachts wartete ich, bis der ganze Trakt in Morpheus’ Armen lag, und stand dann auf.Mit lautlosen Schritten (auf Samtpfötchen, sagte Padilla), schlich er, den Tropfständer hinter sich herziehend, zum nächstgelegenen Bett (in dem der aggressivste, aber auch hübscheste der Burschen lag), zog die Vorhänge auseinander und begann, ihn zu würgen.Mit einer Hand hielt er ihm den Mund zu, mit der anderen, in der der Katheter steckte, drückte er die Kehle zu, bis er keine Luft mehr bekam.Als der Schläfer erwachte, die Augen öffnete und sich befreien wollte, war es zu spät.Der Kranke war ihm ausgeliefert, und Padilla quälte ihn noch ein bisschen, dann ließ er ihn schwören, dass ab jetzt Schluss sei mit den Witzen.Die anderen beiden wachten auf und betrachteten durch den Vorhang Padillas über ihren Freund gebeugten Schatten [ Pobierz całość w formacie PDF ]