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.Beide sind im Frontalhirn (Stirnlappen) lokalisiert.Die fluide Intelligenz ist die Fähigkeit zum logischen Denken und Problemlösen.Die dafür zuständigen neuronalen Strukturen befinden sich im dorsolateralen präfrontalen Kortex, das ist ein Teil des Stirnlappens direkt hinter dem Stirnknochen.Personen mit Verletzungen in diesem Bereich zeigen verstärkt unflexible und rigide Verhaltensmuster, selbst wenn sich die Situation stark geändert hat.Auch Patienten, die an einer Demenz erkranken, verändern oft ihr Wesen in diese Richtung.Unter Umständen kommt es dabei zu Stereotypien, das heißt zu sinnlosen, sich immer wiederholenden Handlungen.Der zweite Teil der Vernunft, die exekutiven Funktionen, betrifft das Abschätzen von Handlungsfolgen, das Aufstellen von Handlungszielen und die Kontrolle störender Verhaltensimpulse des Bauches.Die entsprechenden Strukturen sind vor allem im orbitofrontalen Kortex lokalisiert, das ist ein Teil des Stirnlappens über den Augen.Wenn dieser Hirnteil nicht mehr funktioniert, zeigen die betroffenen Patienten vermehrt »unvernünftiges« Verhalten, gehen etwa wider besseres Wissen große Risiken ein.130 Stundenkilometer auf dem Wiener Gürtel zu fahren, wie es einer meiner manischen Patienten kurz vor seiner Einlieferung in die Psychiatrie tat, ist ausgesprochen unvernünftig.Man nennt das in der Fachsprache »frontale Enthemmung«.Hier stimmt der Satz: »Wer alles sagt, was er sich denkt, ist nicht ganz dicht.«Demenzpatienten greifen den jungen Krankenschwestern manchmal unverschämt ins Dekolleté, weil sie die innere Bremse des Frontalhirns verloren haben, die das aus der Erkenntnis der Würde der anderen Person bisher verhindert hat.Die bremsenden Hirnteile kann man übrigens auch durch eine größere Menge Alkohol ganz gut ausschalten.Neuroanatomisch ist der »Bauch« – also die Emotion – im Inneren des Großhirns, im limbischen System, einem entwicklungsbiologisch alten Hirnanteil unter und hinter dem Stirnlappen, anzusiedeln.Dieser Bereich ist dem Stirnlappen direkt benachbart und hat viele Verbindungen zur Hirnstruktur der Vernunft, aber auch zum Hormonsystem.Die Amygdala (Mandelkern) spielt für das Lernen, das Gedächtnis und die Verarbeitung von Gefühlen eine wichtige Rolle.Der Mandelkern koordiniert zudem die Antwort des Körpers auf Angst und Aggression.Der Parahippocampus (direkt neben dem Hippocampus) ist aktiv, wenn wir Orte oder Landschaften betrachten.Der Hypothalamus (unter dem Thalamus) ist die Hauptverbindung zwischen dem Nervensystem und dem Hormonsystem.Der Riechkolben besteht aus einem Bündel von sensorischen Nervenfasern, die von der Nasenhöhle aus ins Innere des Gehirns führen.Sie verarbeiten die Geruchsinformationen teilweise, bevor sie bewusst werden.Der Mamillarkörper ist eine Ansammlung von Nervenzellen, die Signale an den Thalamus weiterleiten und an der Aufmerksamkeit sowie an der Erinnerungsbildung beteiligt sind.Der Gyrus cinguli (die Gürtelwindung) ist Teil des limbischen Kortex.Das Herz schließlich ist neuroanatomisch am schwersten auf eine spezifische Hirnstruktur begrenzbar.Nach Kornhuber und Deeke (2009) ist selbst der Wille, ein Teil des Herzens, »eine komplexe, umfassende Hirnfunktion; ein enger Begriff verfehlt große Teile«.Einerseits sind die Areale für die Willkürbewegung (»motorischer und prämotorischer Kortex«, Sprache usw.) weitgehend klar.Der motorische Kortex zum Beispiel liegt direkt hinter dem Stirnlappen.Bei essenzielleren Willensentscheidungen, die über die Bewegungen des rechten Zeigefingers hinausgehen, dürfte andererseits eine Gesamtfunktion des frontalen, temporalen und parietalen Neokortex aktiviert werden.Das sind übrigens genau die Strukturen, die nach Cloninger für den Charakter zuständig sind.Der exakte anatomische Sitz des menschlichen Willens ist allerdings bis heute neurowissenschaftlich ungeklärt.Und wird es wahrscheinlich immer bleiben.Der Wille ist keine Automatik der Hirnphysiologie, sondern entwickelt sich durch Lernen, eigene Initiative und Besinnung auf sich selbst.Im Willen und in seiner Wirkung auf das Denken und Handeln sind Kreativität und Freiheit begründet.Weil das Herz – und mit ihm der Wille – am freiesten ist, kann man es naturwissenschaftlich am schwersten fassen.Neuroanatomisch liegen jedenfalls alle diese Strukturen relativ nahe beieinander.Im Zusammenspiel mit dem in den Vorkapiteln Dargestellten ist der Bauch die Sammelstelle des Determinierten (siehe Kapitel 4).Nichts ist so unfrei wie der Bauch.Der Kopf wiederum wird inhaltlich durch die Umwelt gespeist und verarbeitet die Informationen mit der Intelligenz, die teilweise genetisch determiniert ist.Trotzdem hat die vernunftmäßige Informationsaufarbeitung eine gewisse Freiheit (Bildung).Das Herz schließlich ist die Freiheit, die der Neokortex ermöglicht, und macht den Charakter aus (siehe Herzensbildung, Kapitel 5).FALL 34: Susanne K., 43 Jahre alt, kommt mit dem Problem der chronischen Selbstverletzung in die psychiatrische Praxis.Sie arbeite als Rezeptionistin in einem Hotel, verbringe aber ihre Urlaube seit fünfzehn Jahren jeweils in einer Borderline-Klinik.Nach neun Monaten ohne Selbstverletzung kommt es zu einem dramatischen Rückfall, in dem sie sich eine Woche lang die Unterarme am Türstock blau und blutig schlägt.Nachdem ihr bisheriges »Notfallmedikament« – ein Antipsychotikum – nicht mehr hilft, greift sie zu einem Beruhigungsmittel mit dem Namen Praxiten®, das sie sich vom Hausarzt verschreiben lässt.Der Psychiater ist davon nicht begeistert und will das Mittel nach zwei Wochen wieder ausschleichen, um einen Gewöhnungseffekt zu verhindern.Erbitterter Widerstand der Susanne K.ist die Folge.Sie droht ihm mit Suizid, wenn er kein Rezept ausstellt (das war die Bedingung des Hausarztes).Dabei vermeidet sie den Augenkontakt.Erst später kann sie ihre Ambivalenz beschreiben: Eine innere Stimme in ihr schreie gierig »Praxiten«, eine andere sage »der Doc hat recht«.Die zweite Stimme spürt sie aber nur, wenn sie dem Psychiater in die Augen schaut.Dann erzählt sie folgende Vorgeschichte: »Ich war vor 4 Jahren Xanor-abhängig (eine ähnliche süchtigmachende Substanz).Habe damals immer mehr geschluckt, bis ich drei Tage lang durchgehend nur diese Tabletten geschluckt habe bis zur Bewusstosigkeit.Ich bin aufgewacht und habe weitergeschluckt, bis ich wieder bewusstlos war.« Die Kollegen im Studentenhaus hätten sie damals schließlich gefunden und ins Spital gebracht.Dort habe sie dann einen schrecklichen Entzug durchgemacht: »Da ist es mir verdammt dreckig gegangen.« So etwas wolle sie nie mehr wieder erleben.Insofern habe sie immer gewusst, dass der Psychiater recht habe, habe das aber nicht wahrhaben wollen, weil das Tablettenschlucken für ein paar Stunden ein so angenehmes und entspannendes Gefühl hervorgerufen habe.ANALYSE: Der Bauch will die kurzfristige Befriedigung, auch wenn sie langfristig in einem schrecklichen und schmerzhaften Entzug mündet.Aber der ist subjektiv in weiter Ferne, die Entspannung ist gleich da.Interessanterweise kann das Herz dem Arzt nur dann recht geben, wenn die Patientin ihm in die Augen schaut – dann ist der Selbstbetrug offensichtlich nicht mehr möglich.Erst einige Zeit später kann sie dem Arzt die Vorgeschichte erzählen, die ihn in seiner Sorge bestätigt und die sie genau deswegen vor ihm verborgen hatte.Sympathie und AntipathieMenschen wie der Leutnant Anton Hofmiller sind kein Einzelfall: Eine entscheidende Frage im Leben jedes Menschen ist, wie man mit unpraktischen Gefühlen umgeht.Ob man die überhaupt steuern und irgendwie beherrschen kann oder ob man ihnen schutzlos ausgeliefert ist.Nehmen wir einmal Sympathie und Antipathie [ Pobierz całość w formacie PDF ]