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.Niemand hatte es gewagt, sich zu verabschieden, ehe der alte Mann nicht selbst erklärt hatte, sich zurückziehen zu wollen.Neumann und die anderen waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage gewesen, auch nur einen weiteren Bissen zu sich zu nehmen.Erschöpft und in der Erwartung von Verdauungsproblemen waren sie nach Mitternacht auf ihre Liegestätten gefallen.Entsprechend taumelten sie hoch, als wütendes Geschrei, das Aufreißen von Türen und der Griff harter Fäuste sie aus ihrem Schlummer rissen.Doch es waren Soldaten, allesamt.Selbst mit wenig Schlaf blitzschnell wach und einsatzbereit zu sein, war ihnen mit eiserner Disziplin antrainiert worden.Als sie mit Waffen bedroht und in einer Reihe, noch im Nachthemd, auf den Hof gezerrt wurden, war ein jeder von ihnen hellwach.Und außerordentlich verwirrt.Zahlreiche Soldaten hatten sich im Innenhof des Gästehauses versammelt.Sie wirkten bedrohlich, ja feindselig.Aus ihrer Mitte trat Ouazebas hervor, der Thronfolger.Er wirkte gelassen, von dieser gefährlichen Ruhe wie ein Vulkan vor seinem Ausbruch.Neumann wechselte einen Blick mit Africanus.Der Trierarch nickte in stummer Verständigung, hob beide Arme und trat einen Schritt vor.»Was ist geschehen?«, war seine simple Frage, nicht herausfordernd betont, sondern ernsthaft interessiert.»Mein Bruder ist tot«, erklärte der Aksumite mit leiser Stimme.»Mein vier Jahre jüngerer Bruder, der Stolz meines Vaters und einer der besten Offiziere der aksumitischen Streitkräfte, ist heute Nacht gestorben.Er starb einen grausamen Tod, wälzte sich minutenlang in seinem eigenen Kot, mit Schaum vor dem Mund und aufgerissenen Augen.Seine Schmerzen müssen unerträglich gewesen sein.Dann war er tot.Aus dem Leben gerissen.«Africanus sah Ouazebas an, erkannte in der mühsamen Selbstbeherrschung des Mannes mehr als nur Wut und Empörung, vor allem eine tiefe, brennende Trauer, ein ehrliches Gefühl, nichts Gespieltes, keine Scharade.Der Schmerz saß tief im Thronfolger Aksums.Africanus tat das einzig Richtige.Er senkte den Kopf und kniete sich nieder.Auf Neumanns Zeichen folgten alle anderen seinem Beispiel, ohne ein Wort zu sagen.Dann erst sprach der Trierarch.»Königliche Hoheit.Die Nachricht vom grausamen Tod Eures Bruders betrübt mich.Doch Ihr seht uns ratlos.Warum werden wir so offensichtlich mit diesem Vorfall in Verbindung gebracht?«Etwas schlug vor Africanus auf dem Boden auf.Es war die Schatulle, in der das Geschenk des Statthalters von Adulis für Ouazebas gewesen war.Jetzt war sie leer.»Die Brosche, Römer, Euer Geschenk.Sie war vergiftet.Das Gift, so nehme ich an, war für mich gedacht.«»Das nehme ich auch an«, erwiderte Africanus und hob den Kopf.»Aber wir haben es dort nicht platziert.Dieses Geschenk wurde wie viele andere von Berhan, dem Statthalter von Adulis, ausgesucht und bereitgestellt.Wir haben es im guten Glauben angenommen, dass es ernsthafter Ausdruck von Wertschätzung sein würde.«Ouazebas’ Augen verengten sich.»Berhan hat Euch dieses Geschenk überlassen?«»Das hat er.«»Und welche Gaben stammen noch eigentlich von ihm, anstatt aus römischer Hand – vorausgesetzt, ich will Euch Glauben schenken.«Africanus wurde heiß und kalt.Wenn das spezielle Geschenk für den Thronfolger vergiftet gewesen war …»Auch das für den Kaiser.Eine ähnliche Schatulle.«Ouazebas wurde aschfahl im Gesicht.Er riss Africanus am Arm auf die Beine.»Folgt mir! Der Rest wartet hier.Lasst sie nirgendwo hingehen, bis ich zurück bin!«Africanus taumelte auf die Beine.Zwei Wachsoldaten nahmen ihn in die Mitte und zerrten ihn halb heraus.Die restlichen Männer blieben zurück.Eine große Abteilung Soldaten stand mit regungslosen Gesichtern vor ihnen, die Schwerter gezogen, Speere auf sie gerichtet.Doch es schien niemanden zu stören, wenn sie sich unterhielten.»Wohin werden sie Africanus bringen?«, fragte Behrens.»Zum Kaiser.Ouazebas vermutet, dass auch das Geschenk für ihn präpariert worden ist.«»Ein Putsch, vorbereitet durch uns?«, murmelte Köhler und zeigte damit, dass er schnell geschaltet hatte.»Davon gehe ich auch aus«, erwiderte Neumann.»Berhan hat unser Vertrauen missbraucht, um Rechnungen am Kaiserhof zu begleichen – und es uns in die Schuhe zu schieben.Er denkt wahrscheinlich, dass man unseren Unschuldsbeteuerungen nicht wird glauben wollen.Schließlich sind wir Ausländer – und ziemlich seltsame noch dazu.«»Was wird geschehen?«Neumann hob die Schultern.»Das hängt davon ab, wie sehr die Familie von Ouazebas auf Rache drängt und ob dem Kaiser etwas zugestoßen ist.Bei Letzterem möchte ich auf unser Leben keine großen Wetten mehr abschließen [ Pobierz całość w formacie PDF ]