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.Es dauerte keine fünf Minuten, dann saßen sie auf ihren Pferden und galoppierten zurück ins Feldlager.Sie schauten sich kaum um.Sie glaubten nicht daran, dass sie verfolgt wurden.Als sie die Pferde zügelten, sah Rheinberg Theodosius fragend an.»Wer um Gottes willen war dieser Diener?«, fragte er den blass wirkenden Spanier.Der Kaiser hatte die Ereignisse erkennbar noch nicht verarbeitet.Die Frage des Heermeisters riss ihn aus Gedanken, er fasste sich schnell, sichtlich dankbar dafür, sich sachlich mit dem auseinandersetzen zu können, was gerade vorgefallen war.»Das … das war Elevius, der ehemalige Leibdiener des Gratian.«Rheinberg schlug sich mit der Hand gegen die Stirn.»Wer war denn so dumm, ihn für dieses Treffen einzuteilen?«, stieß er hervor.Ehe Theodosius etwas erwidern konnte, erreichten sie das Zelt des Kaisers und stiegen ab.Es war ohnehin nur eine rhetorische Frage, da sie das Geschehene nicht mehr ungeschehen machen würde.Sie standen vor dem Zelt.Aufregung herrschte im Lager.Männer kehrten zurück.Gerüchte verbreiteten sich.In Minuten würde jeder Legionär wissen, was vorgefallen war.In Minuten würde allen klar sein, dass jede Hoffnung auf Frieden zerstoben war.Und als der Kaiser schließlich doch den Mund öffnete, um ein Wort zu sagen, trat jemand aus dem Zelt heraus, eine abgemagerte, heruntergekommene Gestalt, die Rheinberg gar nicht richtig erkannte, bis er die Augen aufriss und den Mann ins Licht einer Fackel zog.Es bestand kein Zweifel, auch wenn er sich an den stark veränderten Anblick einen Moment gewöhnen musste.Viel musste geschehen sein, und wenig davon angenehm.»Godegisel!«, rief er aus.»Was für ein Abend!«Mit dem Auftauchen dieses Mannes hatte niemand gerechnet.Und ein Blick ins Gesicht des Goten ließ erahnen, dass dieses Wiedersehen keine frohe Kunde mit sich brachte.Der Mann lächelte schwach.»Ich habe schlechte Nachrichten, Heermeister.«Rheinberg lachte auf, und es klang nicht amüsiert, sondern verzweifelt.Er setzte den Helm ab, raufte die Haare.»Godegisel, wir haben gerade eine Katastrophe erlebt.«Der Gote wollte etwas sagen, dann aber trat Theodosius an ihn heran.»Die schlechten Nachrichten haben wir auch, junger Mann.Du siehst furchtbar aus.«Godegisel nickte und ließ sich hineinführen.Sie versammelten sich am Feuer und nahmen dankbar Kelche mit Wein entgegen.Rheinberg wählte den schweren Rotwein, dem er normalerweise entsagte, und goss den Inhalt des Kelches mit schwer gezähmter Wildheit in sich hinein.Es dauerte eine Weile, bis sie die Ruhe fanden, die anstehenden Probleme zu diskutieren.Ihrer aller Aufregung war ansteckend und immer wieder kehrte ihr Gespräch zu den Geschehnissen zurück, mit denen sie gerade konfrontiert worden waren.Keiner verstand es so recht, und erst nach und nach sackte die Erkenntnis in ihnen, dass hier eine einmalige, grandiose historische Chance vertan worden war und dass sie nun vor einer Schlacht standen, die sie beinahe vermieden hätten.Der Schmerz, der mit dieser Erkenntnis verbunden war, ging tief und wühlte auf, und auch der Wein mochte die Nerven nicht zu beruhigen.Es dauerte fast eine halbe Stunde des ratlosen Diskutierens, bis man sich wieder des Goten erinnerte, der geduldig und ruhig darauf gewartet hatte, dass man ihm das Wort erteilte.Rheinberg nahm einen tiefen Schluck Wein und wünschte sich, für das Lager kein Branntweinverbot ausgesprochen zu haben.Ein Schluck des harten Stoffs käme ihm jetzt gerade recht.Als ob dieser Gedanke seinen Körper beeinflusste, verschluckte er sich sofort an dem dünnen Wein.»Schenkt nach!«, hustete er und hielt den Kelch hin.Er sah Godegisel an.»Du solltest auch trinken, Gote.Du bist nicht mehr du selbst.«Der Gote schüttelte den Kopf.Er hatte bisher jedes dieser Angebote abgelehnt, sondern nach seiner Ankunft allein Nahrung und Wasser zu sich genommen.Es war schon ein Wunder gewesen, dass man ihn wiedererkannt und nicht als Landstreicher aus dem Lager gescheut hatte.Das hätte noch gefehlt.»Ich habe Furchtbares erlebt.Und Furchtbares wird geschehen.«»Viel schlimmer kann es nicht werden«, meinte Rheinberg.Godegisel maß ihn mit einem langen Blick.»Sagt das besser nicht.«31Es gab keine eindeutigere Reaktion als diese.Wenn jemand noch eine Hoffnung gehegt hätte, dass die Ereignisse des Vortages sich nicht als Endpunkt der ohnehin nur sehr kurzen Verhandlungen zwischen den beiden Kaisern erweisen würden, dann wurde spätestens jetzt klar, dass diese Hoffnungen vergeblich waren.Die Truppen des Maximus gingen in Stellung, der Gegner bot die Schlacht an.Und Theodosius blieb nichts anderes übrig, als das Angebot anzunehmen.Nicht alle waren lebend entkommen.Einige Soldaten sowie fast alle Diener waren hingemetzelt worden.Maximus selbst schien nichts abbekommen zu haben.Aber die Tür zu weiteren Verhandlungen war ohne Zweifel verschlossen worden.Rheinberg beobachtete, wie die Generäle ihre Befehle gaben.Für ihn gab es derzeit nicht viel zu tun.Der Schlachtplan war so oft besprochen worden, jeder wusste genau, was zu tun war.Die Truppen, die aus Italien übergesetzt worden waren, standen in der Mitte, ein mächtiger Block, der sich anfangs möglichst wenig bewegen sollte, wie ein Amboss, auf dem der Gegner weich geschlagen wurde.An den Flügeln die Hilfstruppen sowie die Einheiten der afrikanischen Präfekten, beweglicher, bereit, jederzeit eine Schwäche des Gegners auszubeuten.Von Geerens Infanterie würde sich am rechten Flügel positionieren und versuchen, die Feinde von dort mürbe zu schießen.Es ging darum, zumindest einen Teil der Männer des Maximus zum Zurückweichen zu bringen.Bewegung in die Formation zu bringen, war hier von großer Bedeutung.Kavallerie stand bereit, um einen Angriff auf von Klasewitz’ Artilleriestellungen zu beginnen – schnell und stürmisch, wie befohlen worden war.Jedes verfügbare Pferd war dafür aufgeboten worden.Die Reiterei blieb derzeit weitab, sodass sie sich nicht im unmittelbaren Sichtfeld ihrer Gegner befand.Rheinberg hoffte, dass ihrer aller Definition vom »richtigen Zeitpunkt«, zu dem diese Attacke geritten werden sollte, sich als zutreffend erwies.Immerhin gab es auch gute Nachrichten.Rheinberg konnte ein leichtes Lächeln nicht verkneifen, als er an die Reaktion dachte, die Godegisel am Abend zuvor geerntet hatte.Mit ernstem Gesicht hatte er ihnen vom Verrat der afrikanischen Truppen erzählt, und Theodosius hatte nur gegrinst.Rheinberg hatte dem verblüfften – und angesichts der Strapazen, die er auf sich genommen hatte, um die Nachricht zu überbringen, vielleicht auch ein wenig gekränkten – Godegisel dann erklärt, dass damit ihr eigener Plan aufgegangen sei.Maximus sollte glauben, dass er die afrikanischen Truppen unter Kontrolle habe, wurde der Gote belehrt, um sich dann doch sehr zu wundern, wenn diese im entscheidenden Moment eben nicht die Seiten wechselten, sondern weiter für Theodosius stritten.Damit würde der taktische Plan des Maximus sich in Luft auflösen und er möglicherweise – idealerweise – zu dem Schluss kommen, dass sich eine Fortsetzung der Schlacht nicht lohnte.Daran wiederum glaubte Rheinberg nicht.Hier ging es um zu viel.Wenn der Usurpator auch nur eine kleine Chance sah, vor allem mithilfe der Kanonen des Freiherrn, dieses Treffen für sich zu entscheiden, dann würde er beharrlich bleiben, egal wie sehr der Rückschlag ihn auch bewegen mochte.Es würde eine lange, eine blutige Schlacht werden.Und eine unnötige, wenn man sich die bitteren Ereignisse des Vortages noch einmal vor Augen führte.Godegisel hatte seine Erklärung mit ständig größer werdenden Augen vernommen und mehrmals ungläubig den Kopf geschüttelt [ Pobierz całość w formacie PDF ]