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.Ohnehin hatte kaum jemand in der Hauptstadt des Ostens bleiben wollen.Alle hatten beteuert, dass es ihre Aufgabe sei, den rechtmäßigen Kaiser bei der Sicherung seines Herrschaftsanspruches zu helfen, aber Rheinberg wusste sehr wohl, dass bei den meisten die Angst vor der Pest der treibende Grund war.Und wer wollte es ihnen verübeln?Die Arbeit auf der Brücke des Kreuzers verlief leise und gewissenhaft, eine beruhigende Routine.Der Kurs war gesetzt, das Wetter war ordentlich und niemand würde ernsthaft einen Angriff auf das Schiff wagen, zumindest bis auf Weiteres nicht.Joergensen und Langenhagen hatten die Brücke ihrem Vorgesetzten überlassen und zu einem Planspiel in die Offiziersmesse geladen.Sie hatten mit Dahms ein nicht uninteressantes Szenario ausgearbeitet: Was würde geschehen, wenn es einem Gegner gelingen würde, eine Flotte von 20 Schiffen einer verbesserten Dampfsegler-Klasse gegen die Saarbrücken ins Feld zu führen, ausgestattet mit den gleichen Kanonen, wie sie von Klasewitz in der Schlacht gegen Gratian eingesetzt hatte, und unterstützt von einer Flotte von traditionellen Kriegsgaleeren.Wie würde sich der Kreuzer am besten wehren – und wie viele Hasen würden des Jägers Tod bedeuten? Rheinberg war sich sicher, dass diese Frage eines Tages von großer Bedeutung sein könnte.Die Seemacht, die allein auf der Stärke der Saarbrücken basierte, war zerbrechlich.Der Technologietransfer in das Römische Reich würde dafür sorgen, dass der Abstand zwischen den hier konstruierten Einheiten und dem Kreuzer langsam schrumpfte.Und selbst, wenn er auf lange Zeit signifikant blieb, so würde doch eines Tages die schiere Masse an Angreifern ausreichen, um der erschöpften alten Lady den Garaus zu machen.Rheinberg zollte den Männern Respekt.Sie machten sich frühzeitig über diese Dinge Gedanken und entwarfen Abwehrpläne.Er wollte, dass die Schiffsoffiziere vorbereitet waren.Doch er war sich keinesfalls sicher, wie weit sie überhaupt vorbereitet sein konnten.Der Verschleiß des Schiffes war im Verbund mit der Ressourcengewalt eines feindlich gesinnten Kaisers ihr größtes Problem.Sie konnten wegrennen, sie konnten Bedrohungen ausschalten, langfristig gesehen jedoch musste sie eigene, zusätzliche militärische Mittel aufbieten, wie die drei Dampfsegler, die derzeit so etwas wie den Geleitschutz darstellten.Andernfalls würde die Saarbrücken irgendwann scheitern und untergehen, und das im wahrsten Sinne des Wortes.Rheinberg starrte auf den Bug, an dem sich Julia und ihr Vater unterhielten.Die Tochter des Senators hatte sich das Kind fest an den Brustkorb gewickelt.»Neidisch?«Rheinberg blickte zur Seite und erkannte Aurelia, die sich zu ihm gesellt hatte.Ihre katzenhaft leisen Bewegungen waren immer wieder gut dazu geeignet, für Überraschungen zu sorgen.Er lächelte sie an.»Neidisch? Worauf?«Aurelia nickte in Richtung der Julia.»Vaterfreuden.«Rheinberg dachte einen Moment nach.»Ich bin mir nicht sicher, ob dies eine gute Gelegenheit ist, Vater zu werden.Es ist Krieg.Wir sind Getriebene.Es wütet die Pest.Wer weiß, wie lange ich noch leben werde – als Soldat? Ich kann mich nicht aus allem heraushalten.Es gibt da draußen irgendwo einen Pfeil oder eine Klinge, auf dem oder der mein Name steht.Das ist kein schöner Gedanke.«Aurelia schaute sinnierend auf das Wasser.»Das stimmt schon.Andererseits, wann ist die Zeit, Jan? Wann ist Friede? Wann ist man sicher und behütet? Wann wütet keine Krankheit, werden keine Schwerter geschwungen? Ich habe Geschichtswerke gelesen und die Zeiten des Traianus sind lange vorbei, als im Kern des Imperiums Friede und Stabilität herrschte, weil die Grenzen und ihre Gefahren so weit weg lagen.Wie lange sollen Paare warten, bis sie Kinder zeugen? Irgendwann ist es zu spät und dann ist niemand da, der eine bessere Zeit gestalten kann.«Rheinberg ließ diese Worte für einen Moment auf sich wirken.Er wusste, dass Aurelia recht hatte.Kinder wurden zu allen Zeiten geboren, in Kriegen, Krisen, in brennenden Ruinen, auf der Flucht.Äußere Sicherheit allein konnte dafür kein ausschlaggebender Grund sein.Es geschah.Aber Rheinberg, der Heermeister des Reiches, Zeitreisender, Revolutionär einer Epoche, fühlte sich seltsam unsicher, als er daran dachte, Vater zu werden.Das war dann doch … etwas anderes.»Wir sollten das Thema ein andermal diskutieren«, versuchte Rheinberg die Ausweichtaktik, die in der Vergangenheit schon immer glorios gescheitert war.Aurelia warf ihm einen scharfen Blick zu.»Wann denn genau, mein Liebster?«, flötete sie.Rheinberg merkte, wie der Signalmaat, der Steuermann und der anwesende diensthabende Fähnrich sich angestrengt um absolute Selbstherrschung bemühten und ihre Blicke auf spannende Flecken auf dem Stahl der Brückenkonstruktion oder den sanften Wellengang vor dem Bug des Schiffes richteten.»Nun … vielleicht heute Abend … wenn wir …«»Ja, Jan? Du meinst, wenn du nach einer weiteren endlosen Besprechung todmüde in die Kajüte gestolpert kommst und dich, ohne zu waschen, ins Bett haust? Das Einzige, was du dann noch zustande bringst, ist eine Art Grunzlaut!«Rheinberg verkrampfte seine Hände ineinander.»Aurelia …«»Oder vielleicht, wenn wir Italien erreicht haben? Nein, warte, dann müssen wir ja helfen, die Soldaten nach Afrika überzusetzen.Also, wenn wir in Afrika sind? Oh, Moment, dann müssen wir ja die Armee neu aufbauen und Pläne für die Invasion nach Norden machen [ Pobierz całość w formacie PDF ]