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.Überrascht öffnete er die Augen wieder; er beugte sich über die Schlafende und sagte ruhig und sehr leise, wie man zu einem Kind spricht: « Liebst du mich, sag, o ja, liebst du mich?» Aber sie schien ihm verstörend, geheimnisvoll, rätselhaft; Zweifel erwachten in Otto: Vielleicht betrog sie ihn! Und ein Gewirr von Verdächtigungen und quälenden Überlegungen raubte ihm den Schlaf.Er ging im Geist selbst die unbedeutendsten Bemerkungen der Belcredi durch; er redete sich ein, dass keine einzige Frau treu sei, und erwog, ob er nicht auf der Stelle ihren Sekretär durchwühlen solle.Doch sobald sie dann aufgewacht war, beschwichtigte Giulia sein Herz mit ihren wollüstigen Blicken, und in diesem endlosen Kampf machte der Verliebte von einem Tag auf den anderen kein Stück Boden gut.Was ihn vor allem zur Verzweiflung brachte, waren die langen und tiefen Seufzer, die die Belcredi manchmal ausstieß.Im Übrigen war sein tief gekränktes Herz darauf aus, selbst zu leiden, um die Geliebte anklagen zu können.«Nein, nein! Es gibt ja Schönere als dich …», sagte Otto ein ums andere Mal bitter, wenn er sich ihr näherte, um sie zu küssen, wobei er an ihren Satz über die Ondédei dachte.Und der Gedanke an die Schlosser, der ihn auch nicht mehr losließ, diente ihm nur dazu, Giulias Betragen mit dem der Tänzerin zu vergleichen.Die Augen auf seine Geliebte gerichtet, ganz als läge er beständig auf der Lauer, verlangte er von der Belcredi beständige Sanftheit, Fröhlichkeit, Liebenswürdigkeit; und bei allem, was er von ihr forderte, wunderte sich der egoistische junge Mann, dass sie es auch von ihm wollte.Sie machten sich heftige Szenen, und diese wurden schnell zur Gewohnheit.Bei jeder Gelegenheit warf er ihr schroffe Wahrheiten an den Kopf; und wenn der Streit dann hitziger wurde, kannte Otto in seinem Groll, seinem Gebrüll, seinen Wutanfällen keine Grenzen mehr.Herrschte einmal Stille, hörte man bisweilen Laury in ihrem Zimmer auf Tiroler Art Zither spielen, und die Töne verharrten mit einem kristallklaren Vibrieren in der Luft …Völlig erschöpft verließ er das Haus, mit fahlem Teint, wild blickenden Augen und raschem Schritt, als ob er überall ein Gegenmittel suchte und sich erkundigen wollte, wo der Tod warte.Der Abend brach an; Otto lief durch die verlassenen Straßen, in denen die Gaslichter auf dem Schnee tanzten.Er kochte vor Wut, er benannte sie mit beleidigenden Ausdrücken, bis er sich dann plötzlich beruhigte und sich sagte, dass sie weit mehr als nur ihn verlöre, wenn er sie verließe.Eines Nachts, als er nach solch einer heftigen Szene geflüchtet war, schlug er unvermittelt den Weg zum Palais am Triumphbogen ein, und er schwor sich lauthals, dass er zum Herzog zurückkehren, Giulia nicht wiedersehen werde.Das Haus lag in tiefem Schlummer, auf dem Platz war es ganz still.Otto, die Stirn gegen den schmiedeeisernen Zaun gelehnt, betrachtete die trübseligen Statuen mit ihren flackernden Gaslampen am Ende des Hofs.«Ach! Diesmal kann sie lang auf mich warten!», dachte er und empfand bei der Vorstellung von Giulias Angst ein bittersüßes Rachegefühl, das er auskostete.In der Ferne schlug es drei Uhr; nichts rührte sich, die Luft war schneidend kalt.Ein Räderrollen riss Otto aus seinen Gedanken; und wie groß war seine Überraschung, als er sah, dass der Fiaker vor dem Zaun des Palais anhielt! Ein Mann stieg aus und läutete; sein Bruder, Graf Franz, kam heraus.«Psst! Psst!», und an einer der Wagentüren erschien ein gebräuntes Gesicht mit großem schwarzem Backenbart.«Vergesst nicht, dass wir morgen im Klub die große Partie spielen, mit von Poix und Caussade …»«Sieh an», dachte der Junge erstaunt, «mein Bruder ist zum Spieler geworden.»Auch aufs Beste ausgeheckte Intrigen haben, selbst wenn sie mit größtmöglicher Kunst und Erfahrung gesponnen wurden, bisweilen unerfreuliche Folgen; so war es, wie die Ereignisse verdeutlicht hatten, auch bei Franz und Emilia.Trotz all seiner Trägheit hatte der junge Mann sehr lebhaft das Abstoßende seiner Heirat empfunden.Und auch wenn er sich danach dank seines umgänglichen Naturells wieder mit der Italienerin vertragen hatte, zeigten die von lediglich vorübergehenden Versöhnungen gefolgten Streitereien doch bald, dass in Franz nicht aller Groll erloschen war.Bei ihrem Aufbruch aus Rom allerdings war Emilia schwanger und setzte tausend Hoffnungen der Eintracht und Annäherung in dieses Kind.Doch unglücklicherweise wollte es der Teufel, dass sie in Monte Carlo den berühmten Spieler Romero trafen.Nie hat man erfahren, durch welche Winkelzüge dieser Abenteurer, der hässlich, finster, klein und kühn war, aber viel Esprit und Grandezza besaß, Franz so vollständig in seine Gewalt brachte und ihn mit seinem Laster ansteckte [ Pobierz całość w formacie PDF ]