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.»Sie hat gesagt, sie kann noch nicht!«, brüllte Tibby.Schwester Lauren sah gekränkt aus, als ob Tibby ihr eine gescheuert hätte.Dann legte Schwester Lauren zu Tibbys totalem Erstaunen ihr Gesicht an Tibbys Kopf und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe.Dieser Tag konnte nicht mehr verrückter werden.»Jawohl, mein Mädchen«, raunte Schwester Lauren.»Kämpf für sie.Sie braucht dich.«Tibby zog Christina an den Händen hoch.Sie sah ihr in die Augen.»Christina, ich bin bei dir.Schau mich an, ja? Halt dich fest an mir.Drück meine Hände so fest, wie es dir wehtut.«Das hatte ihre Mutter immer zu ihr gesagt, wenn sie eine Spritze bekam.Christina erholte sich von der letzten Wehe.Sie sah verwirrt aus, aber langsam konzentrierte sich ihr Blick auf Tibby.Tibby kniete neben ihr.»Ich bin hier.Dir geht es gut.Zeig mir, wie sehr es wehtut.«In Christinas Gesicht breitete sich wieder der Schmerz aus.Sie presste Tibbys Hände so fest, dass sie weiß wurden.Tibby musste sich alle Mühe geben, um nicht zurückzuzucken.Der Druck wuchs, und Tibby dachte schon, gleich würden zehn abgetrennte Finger auf der Matratze liegen.»Das ist gut!«, schrie Tibby.»Ich kann es fühlen! Das ist so toll!«Christinas Blick suchte ihren.Irgendwie spürte Tibby, dass es jetzt richtig lief.»Ich muss sie untersuchen.Ich glaube, es ist gleich so weit«, sagte Schwester Lauren ganz leise zu Tibby.»Du hilfst mir, ja?«Tibby wusste nicht, was »gleich so weit« bedeutete.Sie spreizte Christinas Beine, bis sie fast schon auf ihr draufsaß, aber trotzdem trug sie immer noch ihr eigenes Gewicht.»Tina, Schwester Lauren muss jetzt nachschauen.Du bleibst bei mir, klar? Schau mich an.Jetzt, ja?«Christina nickte.»Drück meine Hände.Schaffst du das?«Christina duldete, dass Schwester Lauren den Muttermund untersuchte, obwohl ihr das offensichtlich sehr unangenehm war.Tibbys Hände waren weiß mit lila Flecken.»Du meine Güte!« Schwester Lauren schnappte nach Luft.»Das ging aber schnell.Das sind ja schon zehn Zentimeter.Gleich ist es so weit.«Tibby glotzte Schwester Lauren verdutzt an.War das hier denn nicht Schwester Laurens täglich Brot? Warum war sie dann so überrascht? Sie hatte gesagt, es würde noch Stunden dauern.Mehrere Stunden.Nicht nur eine einzige.Wusste Schwester Lauren überhaupt, was sie da tat?Tibby hatte noch nicht mal Carmen erreicht.Sie hatte sie nicht erschrecken wollen.Sie hatte gedacht, es lägen noch Stunden vor ihr und dass Carmen noch Zeit genug hatte zurückzukommen.Und jetzt? Was sollten sie jetzt tun?Christina fing wieder an zu weinen.Unter ihren Beinen breitete sich eine Blutlache auf dem Laken aus.Tibby wollte ihre plötzlich aufsteigende Angst nicht zeigen.Wenn sie jetzt Panik bekam, was wurde dann aus Christina? Sie musste sich wieder auf das Nächstliegende konzentrieren.Christina litt jetzt andere Schmerzen, sie stöhnte lauter als vorher.Tibby kämpfte mit ihrer Angst.Die Angst würde nicht weiterhelfen.»Sie müssen jetzt mitpressen«, sagte Schwester Lauren.»Wenn die Presswehe kommt, müssen Sie ordentlich mitpressen.Sie haben es fast geschafft!«»Nein!« Plötzlich war Christina außer sich.»Ich bin noch nicht so weit! Ich schaff das nicht! David ist noch nicht da! Wo ist er? Wo ist Carmen? Wir haben geübt! Das Baby sollte erst in vier Wochen kommen!«In ihrem Zorn hatte Christina sich wieder in ihre Passivität zurückfallen lassen.Sie ließ Tibbys Hände los und rollte sich seitlich zu einer Kugel zusammen.Tibby konnte sehen, dass Christina einen heftigen Drang bekämpfte.»Sie muss mitpressen.Ich kann es schon sehen«, sagte Schwester Lauren.»Nicht dagegen ankämpfen! Das Baby will jetzt raus! Sie müssen ihm helfen!«Doch Christina weigerte sich und reagierte nicht.Tibby versuchte, sie wieder hochzuziehen, aber Christina weigerte sich auch da.»Tina, sieh mich an! Siehst du mich? Du schaffst das! Ich weiß es!«Christina schaute sie nicht an.»Ich kann nicht.«Wir werden geboren und glauben.Ein Mensch trägt seinen Glaubenwie der Apfelbaum Äpfel.Ralph Waldo EmersonUngefähr zwanzig Minuten Fahrzeit von Downingtown entfernt, wurde Carmen klar, dass es da noch ein anderes wichtiges Thema gab, das sie und Win noch nicht berührt hatten.»Gehst du nächstes Jahr auf die Uni?«, fragte er, ohne sie anzuschauen.Er fuhr auf der Überholspur dicht hinter einem Nissan her.»Ähm.« Sie leckte sich über die Lippen.»Ja.«Jetzt war der richtige Zeitpunkt, um ihm zu sagen, wohin sie gehen würde.Plötzlich fiel ihr auf, wie gern sie gesagt hätte, dass sie aufs Williams-College gehen würde.Win sollte sie für klug halten.Sie tappte mit den nackten Zehen gegen das Armaturenbrett.Aber sie ging ja nicht aufs Williams-College.Sie ging auf die Uni von Maryland und sie wollte ihn nicht mehr anlügen.Dafür hatte sie ihn zu gern.»Ich geh auf die Uni Maryland«, sagte sie.Sie unterdrückte den Drang, mit ihren fast perfekten Zensuren anzugeben und mit den Preisen, die sie für besondere Leistungen erhalten hatte.Sie blieb in Sachen Uni bei der Wahrheit.Wenn er die Wahrheit nicht aushalten konnte.dann war das ja auch etwas, was man wissen musste.»Ach.«War er von ihr enttäuscht?»Und was ist mit dir?«, fragte sie.Seltsam, dass sie das nicht wusste.Carmen war immer eine Spitzenschülerin gewesen.Solche Dinge waren ihr wichtig.Die meisten Jungen taxierte sie, als wären sie Markenzeichen, danach ein, auf welches College sie gingen, und das wurde dann zu deren Punktezahl addiert oder davon subtrahiert.Win war anders.Anscheinend hatte sie zuerst seinen Charakter kennen gelernt.»Ich gehe auf die Tufts-Uni in Boston.« Er lächelte ein bisschen und neigte den Kopf in ihre Richtung.»Ich hatte gehofft, du würdest irgendwo da in der Gegend studieren.«Wollte ich auch!, hätte sie am liebsten gebrüllt.Das hatte ich schon in der Tasche! Ich wäre fast dorthin gegangen!Aber sie schwieg und das war auch gut so, denn als ihr Handy klingelte, hörte sie es sofort und klappte es auf.Es war Tibby, die sich große Mühe gab, ruhig zu bleiben.»Oh nein! Das darf doch nicht wahr sein! Ist das ein schlechter Witz?«, brüllte Carmen ins Handy.Aber Tibby machte keine Witze.»Wir kommen, so schnell wir können«, sagte Carmen hilflos.»Was ist passiert?«»Sie hat Presswehen«, sagte Carmen mit einem kleinen Schluchzer.»Es ging ganz schnell.Sie will David und mich bei sich haben.«»Oh Mann«, knurrte Win.Er nahm den Fuß vom Gashebel.»Was willst du jetzt tun? Weiterfahren oder umdrehen?«»Umdrehen«, antwortete sie.Doch als er den Blinker setzte, änderte sie ihre Meinung.»Nein, fahr weiter.Es ist ja auch Davids Baby.Wenn er es nicht erfährt, bricht es ihm das Herz.«Win schien mit dieser Antwort sehr einverstanden [ Pobierz całość w formacie PDF ]