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.Diese traditionelle Einordnung basiert auf einigen weitverbreiteten alltagspsychologischen Anschauungen.Demzufolge sind unsere moralischen Entscheidungen das Ergebnis eines Machtkampfes.Auf der einen Seite stehen die egoistischen und primitiven Leidenschaften und auf der anderen steht die erleuchtete Kraft der Vernunft.Die Vernunft bewertet Situationen anhand logischer Maßstäbe, sie stützt sich auf moralische Grundsätze, löst moralische Dilemmata und leitet aus all dem eine angemessene Handlungsweise ab.Mit Hilfe der Willenskraft versucht die Vernunft dann die Leidenschaften zu kontrollieren.Wenn wir moralisch mustergültig handeln, bändigt die Vernunft die Leidenschaften und kontrolliert den Willen.»Sie sagt einfach nein«, wie es Nancy Reagan einmal formulierte.Wenn wir egoistisch und kurzsichtig handeln, haben wir entweder die Vernunft außen vor gelassen, oder aber die Leidenschaft hat die Vernunft schlichtweg übermannt.Nach dieser Auffassung ist das rationale Bewusstsein der Held, und die aus dem Unbewussten aufsteigende Triebregungen sind die Missetäter.Das Bewusstsein steht auf der Seite von Vernunft und Sittlichkeit, das Unbewusste auf der Seite der Leidenschaft, der Sünde und der Selbstsucht.Aber diese alltagspsychologische Metapher entsprach nicht dem, wie Erica ihre Eskapade mit Mister Schöner Schein erlebte.Als Erica in den Sex mit ihm hineinschlitterte und anschließend deshalb schlimmste Gewissenqualen litt, geschah das nicht, weil sie einer leidenschaftlichen Aufwallung erlegen wäre, sich danach besonnen und erkannt hätte, dass sie gegen einen ihrer Grundsätze verstoßen hatte.Genau genommen war sie in der Nacht danach, als sie sich vor Kummer in ihrem Bett hin und her warf, weit leidenschaftlicher gewesen als während der Verführung und der Sünde.Und es war auch sicher nicht deshalb, weil sie später die ungute Situation, in die sie sich gebracht hatte, noch einmal gründlich durchdacht und ihre Entscheidung bereut hätte.So fühlte es sich überhaupt nicht an.Die Reue war auf genauso rätselhafte Weise über sie gekommen wie die eigentliche Handlung.Erica erlebte den Vorfall nicht wie ein Drama zwischen Vernunft und Leidenschaft.Es war eher so, dass Erica die Situation mit Mister Schöner Schein, während er vor ihr stand, auf eine Art wahrgenommen hatte, während sich dann im weiteren Verlauf des Abends eine andere Wahrnehmung der Situation bei ihr durchsetzte.Irgendwie war eine Erlebnisweise durch eine andere ersetzt worden.Sie hatte beinah das Gefühl, zwei verschiedene Personen zu sein: Die eine hatte das Prickeln der Verführung genossen, die andere hatte sich dafür geschämt, der Verführung nicht widerstanden zu haben.Es war, wie es im Buch Genesis beschrieben wird, nachdem Adam und Eva aus dem Garten Eden vertrieben wurden.Ihnen wurden die Augen geöffnet, und sie sahen, dass sie nackt waren.Später prüfte sie ihr Gewissen und konnte sich ihr Verhalten nicht erklären.»Was in Gottes Namen habe ich mir nur dabei gedacht?«Überdies hatte der Fehltritt mit Mister Schöner Schein eine Art seelische Narbe zurückgelassen.Wenn sich in den folgenden Jahren ähnliche Situationen ergaben, musste Erica nicht ein einziges Mal über ihre Reaktion nachdenken.Es gab keine Verlockung, der sie hätte widerstehen können, weil schon der bloße Gedanke, abermals Ehebruch zu begehen, sofort ein Gefühl des Schmerzes und der Abscheu auslöste – so wie eine Katze den Herd meidet, an dem sie sich verbrannt hat.Sie fühlte sich durch das, was sie über sich selbst erfahren hatte, nicht tugendhafter, doch sie reagierte anders auf Situationen dieser Art.Ericas Erfahrung veranschaulicht mehrere der Probleme, die mit der rationalistischen, alltagspsychologischen Theorie moralischer Willensbildung verbunden sind.Zunächst einmal sind die meisten unserer moralischen Urteile keine nüchternen, wohlüberlegten Entscheidungen, sondern instinktive und oftmals spontane Reaktionen.Im Alltag beurteilen wir Verhaltensweisen aus dem Bauch heraus, ohne lange darüber nachzudenken.Wir sehen ungerechtes Verhalten und sind aufgebracht.Wir sehen einen Akt der Nächstenliebe und sind gerührt.Jonathan Haidt von der University of Virginia lieferte eine Vielzahl von Beispielen für solche spontanen, intuitiven moralischen Urteile.1 Stellen Sie sich einen Mann vor, der im Supermarkt ein Hähnchen kauft, es auftaut, sich dadurch zum Orgasmus bringt, dass er es penetriert, und anschließend das Hähnchen brät und verspeist.Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihren toten Hund aufessen [ Pobierz całość w formacie PDF ]