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.»Schauen Sie, Howard, Wissen ist Macht.Ich achte darauf, alles über die Leute in meiner Umgebung in Erfahrung zu bringen, besonders über solche, die hinderlich sein könnten.Die Nachforschungen bezüglich Ihrer Herkunft haben mich eine Menge Geld und kostbare Zeit gekostet.Trotzdem muss ich gestehen, dass das Ergebnis meine kühnsten Hoffnungen übertraf.Ich habe Ihrer Mutter in dem Altersheim, wo Sie sie abgeschottet haben, einen Besuch abgestattet.Mit ein bisschen Nachhelfen hat sie mir ihr schandbares Geheimnis gebeichtet, das eine Krankenpflegerin gegen ein kleines Entgelt wortwörtlich aufgeschrieben hat.Ihre Mutter hat es unterschrieben.Sehen Sie, erkennen Sie ihre Unterschrift dort auf der letzten Seite wieder? In dem Moment war sie so schwach, sie konnte kaum den Füller halten.Offengestanden hat es mich nicht überrascht, als sie nur wenige Tage danach verstarb.Ihnen Ist diese Geschichte ja wohl bekannt, Howard, aber ich war fasziniert.Dreiundzwanzig war sie, als man sie aus ihrem Vaterhaus in Polen verschleppt hat.Die restliche Familie – Brüder, Schwestern, Eltern – wurde an die Wand gestellt und erschossen.Zu ihrem Glück wurde sie in ein Konzentrationslager verfrachtet.Damals war man in der Alten Welt mit dreiundzwanzig an der Grenze zur alten Jungfer.Ihre Mutter hatte die Heirat ihrer jüngeren Schwester mit einem glühenden Verehrer verhindert, weil nicht sie zuerst geheiratet hatte.Sie hatte keinen Mann für sich zu begeistern vermocht und damit die Familie ziemlich gespalten.Im Lager schenkten ihr die Männer allerdings viel Aufmerksamkeit.Die von der Wachmannschaft.Sehen Sie, Howard, Ihre Mutter hat ihre Möse gegen ihr Leben getauscht.Regelmäßig.Im Laufe der nächsten fünf Jahre.Allmählich fand sie an den Vergünstigungen Gefallen und prahlte damit.Sie hätte sich im Gefolge der übrigen weiblichen Gefangenen abschinden, sich den Kopf scheren lassen, bei Wasser und Brot darben und täglich um ihr Leben fürchten können.Aber nein, sie hat sich in bequeme Quartiere gevögelt.Hat gut gespeist, Wein getrunken und sich bei den Nazis lieb Kind gemacht.Sie war die Lagerhure.Und dafür hat man sie verachtet.Wundert es einen da, dass sie nach ihrer Emigration nach Amerika ihren Namen geändert und sich eine neue Biografie ausgedacht hat?Die Geschichte vom jüdischen Widerstandskämpfer, der für sie und sein ungeborenes Kind sein Leben geopfert hat, klang ja reizend, war aber ganz und gar erlogen.Wie Sie ja selbst herausgefunden haben.Wie alt waren Sie damals? Sieben? Acht? Jedenfalls alt genug, um den Sinn der Vorwürfe zu verstehen, die man ihr an den Kopf warf.Eines Tages kamen Sie von der Schule heim und wollten von Ihrer Mutter wissen, warum Ihnen alle hässliche Namen gaben und Sie anspuckten.Damals beschloss sie umzuziehen.«Als Howard Bancroft diesmal seine Brille abnahm, zitterten seine Hände so heftig, dass er sie auf den Schreibtisch fallen ließ.Mit einem dumpfen Stöhnen bedeckte er seine Augen.»Sie konnte nicht mit Sicherheit sagen, welcher der Lagerwärter Ihr Vater war.Sie hatte für so viele die Beine breit gemacht.Verstehen Sie? Allerdings hatte sie einen Offizier im Verdacht, der sich wenige Stunden vor der Befreiung des Lagers durch die Truppen der Alliierten eine Kugel in den Kopf schoss.Vier Monate später wurden Sie geboren.Für eine Abtreibung war es vermutlich zu spät.Vielleicht hatte sie aber auch für besagten Offizier etwas übrig.Ich habe gehört, selbst Huren hätten Gefühle.Howard, Howard, was für ein hässliches Geheimnis haben Sie da gehütet.Meiner Ansicht nach würde die Jüdische Gemeinde Sie nicht allzu freundlich behandeln, wenn bekannt würde, dass Ihre Mutter mit Freuden jenen Männern zu Diensten war, die sie in die Gaskammern haben marschieren lassen, und dass Tausende ihres Volkes auf Befehl Ihres Vaters gefoltert und ausgelöscht wurden.Oder?Sie haben Holocaust-Überlebende vor Gericht vertreten; diesen Kreuzzug könnte man scheinheilig nennen.Ihre Freunde in Israel – und das sind meines Wissens viele – würden Sie schmähen.Ihr Blut ist unrein, entstanden aus dem einer kollaborierenden Hure und eines arischen Mörders.Nun könnten Sie ja zu mir sagen: Dafür haben Sie keinen Beweis.Allerdings ist Ihre Reaktion Beweis genug, nicht wahr? Außerdem muss ich nichts beweisen.Allein das Gerücht würde Ihren guten Ruf als mustergültiger Jude wirksam zerstören.Schon die leiseste Andeutung einer derartigen Schande würde irreparablen Schaden anrichten.Ihre Familie würde daran zerbrechen.Denn sogar Ihre Frau und Ihre Kinder glauben an das von Ihnen und Ihrer Mutter ersonnene Lügengespinst.Schon beim Gedanken daran, mit welcher Wucht sie das träfe, schüttelt es mich.Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten Ihren Enkeln erklären, dass der liebe Opapa als Nazi-Ejakulat begann.Niemand würde je wieder etwas von Ihnen halten oder Ihnen vertrauen.In Schmach und Schande müssten Sie leben, ein Lügner und Verräter an Ihrer Religion und Ihrer Rasse – genau wie Ihre Mutter.«Howard Bancroft weinte in seine Hände.Sein ganzer Körper bebte unkontrolliert, als hätte ihn der Schlag getroffen.»Selbstverständlich muss das nie jemand erfahren«, sagte Noah und wechselte in eine fröhliche Tonlage.Er stand auf und nahm beide Dokumente an sich, seinen Ordner und die Generalvollmacht.»Ich kann ein Geheimnis bewahren.Ehrenwort.« Er legte die Hand aufs Herz.»Trotzdem bin ich überzeugt, dass Sie Verständnis für meine Vorsichtsmaßnahme haben«, sagte er mit süffisanter Anspielung auf die Aussage des Anwalts von zuvor.»In meinem Banksafe liegt eine Kopie der Beichte Ihrer Mutter.Eine weitere befindet sich bei einem Anwalt, den ich einzig und allein für diesen Zweck verpflichtet habe.Er ist ein schmieriger skrupelloser prozesssüchtiger Typ mit einem starken Hang zum Antisemitismus.Sollte mir irgendetwas Unvorhergesehenes zustoßen, hat er strikte Anweisung, an sämtliche Synagogen innerhalb der fünf Stadtbezirke die unterschriebene Aussage Ihrer Mutter zu verteilen.Damit wäre für höchst interessanten Lesestoff gesorgt, meinen Sie nicht auch? Besonders die Beschreibungen, wie sie die SS-Offiziere gelutscht hat.Für Geschlechtsverkehr mit einer Jüdin waren einige zu pingelig, aber Fellatio zählte offensichtlich nicht.«Noah ging zur Tür hinüber.Obwohl der Anwalt keinerlei Anstalten gemacht hatte, sich zu bewegen, sondern weiter in seine Hände schluchzte, sagte er: »Nein, nein Howard, bemühen Sie sich nicht, mich hinauszubegleiten.Noch einen schönen Tag.«Kapitel 15»Fährst du morgen?«»Ganz früh«, erwiderte Maris.Nervös wanderte ihr Blick durch den Wintergarten, ohne je bei Parker hängen zu bleiben.»Mike hat ein Boot organisiert, das mich abholt.Mein Flug geht um neun Uhr dreißig ab Savannah und anschließend von Atlanta nach La Guardia.«»Gute Reise.« Seine missmutige Miene sprach Bände, denn er wünschte ihr genau das Gegenteil.Für heute sah sie Parker zum ersten Mal.Am Morgen hatte sie sich zu einem schnellen Frühstück mit kalten Cornflakes in die Küche gestohlen.Das Mittagessen hatte sie ganz ausfallen lassen und dann Mike gebeten, ihr zum Abendessen ein Sandwich ins Cottage zu bringen.Als Entschuldigung für ihr Alleinsein schob sie Arbeit vor.Sie wolle unbedingt das Manuskript noch einmal konzentriert und ohne Ablenkung lesen.Diese Erklärung hatte Mike akzeptiert, zumindest hatte er so getan.Sollte Parkers finstere Miene ihr gelten, war sie gut beraten gewesen, den ganzen Tag Abstand zu halten.Er wirkte schlecht gelaunt und streitsüchtig.Je schneller sie sagte, was sie sagen musste, und dann ging, umso besser.»Vor meiner Abreise«, hob sie an, »sollten wir meiner Ansicht nach noch mal über das Manuskript sprechen [ Pobierz całość w formacie PDF ]