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.»Schluß damit!« schrie er wild.»Schluß damit.Sie ist deine Mutter.«Nweke fuhr sich mit der Hand über die Wange.Entsetzen malte sich auf ihren Zügen, Nichtbegreifen.Doro erinnerte sich, daß ihr Gesicht vor Isaaks Schlag völlig ausdruckslos gewesen war.Mit Augen, die zu Stein erstarrt schienen, hatte sie auf die blutende Anyanwu niedergeschaut.Ein Blick ohne Leben, der nicht das geringste wahrzunehmen vermochte.Vielleicht spürte sie den Schmerz von Isaaks Schlag.Vielleicht waren Isaaks wild hervorgerufene Worte in ihr Bewußtsein gedrungen – obwohl Doro bezweifelte, daß sie in der Lage war, noch irgendwelche Worte zu verstehen.Alles, was sie erreichte, waren Schmerz, Lärm und Chaos.Ihr kleines, hübsches, völlig leeres Gesicht verzerrte sich plötzlich, und ein Schrei kam über Isaaks Lippen.Es war geschehen, und Doro hatte gesehen, wie es geschah.Er wußte, daß sie den Übergang nicht geschafft hatte, er war oft genug Zeuge solcher Fehlschläge gewesen.Die Körper dieser Menschen standen den Übergang durch, jedoch ihr Geist zerbrach.Sie gelangten in den Besitz der Macht und gewannen auch die Kontrolle über sie.Gleichzeitig aber verloren sie alles, was diese Macht nützlich und sinnvoll machte.Weshalb nur hatte er nicht schnell genug begriffen? Warum war er so langsam gewesen? Was war, wenn der Schaden, den Isaak erlitten hatte, nicht mehr zu heilen war.Was, wenn sie beide, Isaak und Nweke, keine Chance mehr hatten?Doro setzte mit einem Sprung über Anyanwu hinweg, über Isaak, der jetzt, sich vor Schmerzen windend, am Boden lag, und stürzte sich auf das Mädchen.Er packte sie und schlug zu, wie es Isaak getan hatte.»Das ist genug!« sagte er, ohne die Stimme zu erheben.Wenn das, was er sagte, sie erreichte, würde sie am Leben bleiben.Wenn nicht, würde sie sterben.Ihr Götter, laßt sie leben.Nweke entwand sich Doros Griff und zog sich vor ihm zurück wie ein in die Enge getriebenes Tier.Was immer sie getan hatte, um Isaak zu verletzen und Anyanwu zu töten, bei Doro versuchte sie nichts dergleichen.Irgendwie mußte seine Stimme sie gefunden haben.Halb sprang, halb stürzte sie aus dem Bett, um sich seinem Zugriff zu entziehen.Sie stolperte über Isaaks Beine und fiel auf ihn.Anyanwu war nun etwas Weiter entfernt von ihr als vorher.Sie lag zwischen Bett und Tür.Sie war wahrscheinlich im Begriff gewesen, aus dem Zimmer zu laufen, als Nweke sie niederstreckte.Sie lebte noch, hatte jedoch das Bewußtsein verloren.Sie hätte es wohl nicht gemerkt, wenn das Mädchen auf sie gefallen wäre.Isaak jedoch spürte den Aufprall von Nwekes Körper und reagierte augenblicklich auf den neuen Schmerz, der ihn durchfuhr.Er packte Nweke und schleuderte sie hoch; fort von seinem gepeinigten Körper – er schleuderte sie mit der Kraft, die er so viele Male benutzt hatte, um die großen Segelschiffe so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone eines Seesturmes herauszuführen.Er wußte nicht, was er tat – genausowenig wie sie es wußte.Er sah nicht, daß das Mädchen gegen die Zimmerdecke prallte, sah nicht, daß ihr Kopf gegen einen der wuchtigen Deckenbalken schlug und sich in eine formlose, blutige Masse verwandelte.Ihr Körper fiel vor Doro zu Boden, leblos wie eine Puppe und blutend aus vielen Wunden.Das Mädchen war verloren.Auch dann, wenn sie zweimal die Heilerin gewesen wäre, die Doro sich erhofft hatte.Er nahm sie auf die Arme und trug sie hinüber zum Bett.Hastig legte er sie darauf nieder, dann war er bei Isaak und beugte sich über ihn, um zu sehen, ob auch er verloren war.Isaaks Gesicht war aschfahl – eine graue, häßliche Tönung.Er lag da, ohne sich zu rühren, dennoch war er bei Bewußtsein.Doro hörte seinen keuchenden Atem, mit dem er mühsam nach Luft rang.Schwierigkeiten mit dem Herzen, hatte er gesagt.Hatte Nweke seinen Zustand verschlimmert? Warum nicht? Wer schon war eher dazu imstande, die Krankheit und das Leiden eines Menschen zu verstärken, als derjenige, der die Macht hatte, sie zu heilen!Verzweifelt wandte Doro sich zu Anyanwu um.In dem Augenblick, da er ihr seine Aufmerksamkeit schenkte, erkannte er, daß sie noch lebte.Er spürte es.Er spürte sie, wie er eine Beute spürte, nicht wie einen nutzlosen Leichnam.Doro faßte nach ihrer Hand, ließ sie aber sofort wieder los.Sie fühlte sich schlaff und leblos an.Er berührte ihr Gesicht, beugte sich tief über sie und sagte: »Kannst du mich hören, Anyanwu?«Sie gab keine Antwort, kein Lebenszeichen.»Anyanwu, Isaak braucht dich! Er stirbt ohne deine Hilfe!«Ihre Augen öffneten sich.Sekundenlang sah sie zu ihm hoch, erkannte vielleicht die Verzweiflung auf seinem Gesicht.»Liege ich auf einem Teppich?« flüsterte sie schließlich.Verwundert runzelte er die Stirn.Hatte auch sie den Verstand verloren? Sie war Isaaks einzige Rettung.»Ja!« antwortete er.»Dann zieh mich darauf näher zu ihm heran.So nahe du kannst! Aber faß mich nicht an, hörst du!« Sie atmete tief.»Bitte, faß mich nicht an.«Doro richtete sich halb auf und zog den Teppich näher auf Isaak zu.»Der Wahnsinn packte sie plötzlich«, wisperte sie.»Ihr Geist war nicht stark genug.«»Ich weiß«, sagte Doro.»Sie versuchte, alles in mir zu zerstören.« Anyanwus Stimme war kaum zu vernehmen.»Sie wütete in mir wie eine Furie, zerstach mein Inneres wie mit einem Messer: Herz, Lungen, Adern, Magen, Leber … Sie war wie ich, wie Isaak, wie … vielleicht auch wie Thomas.Sie drang in meine Gedanken ein, blickte in das Innere meines Körpers.Sie muß es gekonnt haben!«Ja, Nweke war genauso gewesen, wie Doro es sich erhofft hatte – und sogar noch besser.Aber sie war tot.»Hilf Isaak, Anyanwu!«»Hol mir zu essen«, sagte sie.»Ist noch von dem Braten übriggeblieben?«»Kannst du an Isaak herankommen? Bist du nahe genug bei ihm?«»Ja.Aber geh jetzt!«Doro versuchte, seine Zweifel zu überwinden und verließ den Raum.Irgendwie gelang es Anyanwu, sich wenigstens so weit zu heilen, daß die inneren Blutungen nicht bei der kleinsten Bewegung, die sie machte, wieder einsetzten.Die Zerstörungen, die Nweke in Anyanwus Körper angerichtet hatte, waren groß.Alles war schnell und mit unerwarteter Wildheit geschehen.Wenn Anyanwu sonst ihre Gestalt wechselte, bildete sie Organe um, die bereits existierten, und sie schaffte die neuen, die notwendig waren, mit Unterstützung der alten.Und bei den meisten Verwandlungen besaß sie zum Teil noch ihre menschlichen Organe, während sie nach außen hin schon längst nicht mehr aussah wie ein Mensch.Doch Nweke hatte fast alles in ihr zerstört [ Pobierz całość w formacie PDF ]