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.Nie ist es die- sen Kirchenmännern in den Sinn gekommen, die weni-162gen gut gepflasterten Straßen zu verlassen und in die rauhen Bergge-meinden der einfachen Sweben vorzudringen.Für Columbanus aberist ein Mann, der keinen Schritt aus der Sicherheit und Annehmlichkeit seines elitären Zirkels herausgehen will, um das Evangelium zu verbreiten, ein armseliger Bischof.Im Jahre 603 riefen die Bischöfe den Heiligen vor die Synode in Chalon-sur-Saône.Columbanus, der fürein solch lächerliches Schauspiel nichts übrig hat, schickt statt selbst zu erscheinen, einen Brief – einen Brief, der die Bischöfe ihre fein getünchten Wände hochjagen soll:An die heiligen Herren und Väter – oder eher Brüder – in Christus, die Bischöfe, Priester und sonstigen Beamten der heiligen Kirche, übermittle ich, Columban, der Sünder, meine christlichen Grüße:Ich danke meinem Gott, daß sich um meinetwillen so viele heiligeMänner versammelt haben, um über die Wahrheit des Glaubensund der guten Werke zu verhandeln und, wie es sich ziemt, zu ei-nem gerechten Urteil über die fraglichen Angelegenheiten zu kom-men – mit Sinnen, die geschärft sind für die Unterscheidung vonGut und Böse.Oh, daß Ihr dies öfter tätet!Im folgenden zieht der Ire die Bischöfe für ihre weltliche Laxheit, ihren Mangel an Fleiß und ihre Einmischung in seine Mission zurRechenschaft.Auch ohne ihre ehrwürdigen Nasen in seine Angele-genheiten zu stecken, hätten sie genug zu tun, wenn sie ihre eigene Verantwortung etwas ernster nähmen.Er verbirgt seine Kritik hinter einer respektvollen Ausdrucksweise (»wenn Ihr gewillt seid, unsJünglinge Euch Väter lehren zu lassen«), doch die Bedeutung istunmißverständlich.Er empfiehlt ihnen seine Lebensart (»wenn wiralle um Christi willen bescheiden und arm wären«) und drängt sie, wie es »das Bibelwort sagt«, wie die Kinder zu werden: »Denn einKind ist demütig, hortet nicht die Erinnerung an Unrecht, verlangt nicht nach einer Frau, wenn es sie sieht, sagt nicht das eine und meint etwas anderes.« Es klingt beinahe so, als kenne der Heilige jede heim-liche Sünde der Bischöfe und wolle sie damit konfrontieren.163Erwartungsgemäß schafft er sich keine Freunde in der Synode, undals Columbanus die Feindschaft von Brunhilda auf sich zieht, dergottlosen westgotischen Prinzessin von Burgund, konspirieren dieBischöfe mit ihr, um Columbanus zu vertreiben.Columbanus undseine irischen Mönche müssen ihren blühenden Gemeinden, die nunvon einheimischen germanischen Mönchen bevölkert sind, Lebewohlsagen und reisen unter königlicher Eskorte nach Nantes.Dort sollen sie an Bord eines Schiffes nach Irland gehen.Auf dem Weg nachNantes kann der alte Deicola nicht mehr schritthalten.Er bleibt zu-rück und baut sich eine Hütte in der Wildnis von Luxe, wo allmählich ein weiteres historisch bedeutsames Kloster entsteht.Als Columbanus’ Truppe schließlich an Bord des Schiffes ist, geht es unter, doch Columbanus und vier Kameraden können sich retten.Nun doppeltvertrieben (aus dem burgundischen Gallien wie aus Irland), willColumbanus nach Norditalien gehen, um die Lombarden zu bekeh-ren.Doch den Zug über die Alpen muß er in Arbon, in der Nähe von Bregenz am Bodensee, unterbrechen, denn Gallus, sein Experte fürgermanische Sprachen, bekommt Fieber und lehnt es ab, weiter zu gehen.Nach einer hitzigen Auseinandersetzung läßt ColumbanusGallus, wo er ist, und zieht mit seinen restlichen Begleitern in die Ebene der Lombardei, wo sie in Bobbio das erste italo-irische Kloster errichten.Mit seinen siebzig Jahren immer noch äußerst vital, hilft Columbanus bei den Bauarbeiten und lädt sich freudig Holzstämme auf die Schultern.Im Jahr 612 ist Columbanus in der Lombardei angelangt.Im darauf-folgenden Jahr wird seine alte Feindin Brunhilda ge- stürzt und vom fränkischen Adel brutal hingerichtet.Clothar von Neustrien, derimmer ein Freund von Columbanus war, herrscht nun über die Fran-ken von Burgund.Er schickt seine Gesandten über die Alpen – mitKisten voller Gold, um beim Bau von Bobbio zu helfen, und einerEinladung an Columbanus, nach Luxeuil zurückzukehren.Doch deralte Abt lehnt ab.Er wird in Bobbio sterben – allerdings erst, nachdem er noch einige Briefe abgeschickt hat, unter anderem einen langen an Papst Bonifatius IV., dem er ankreidet, an der Beilegung der nestoria-nischen Kontroverse (wie Columbanus es sieht) gescheitert zu sein.Es 164handelte sich um einen vielschichtigen griechischen Disput über die»Natur« Christi, den Columbanus vielleicht nicht verstand.Er spielt sogar mit dem Namen eines von Bonfatius’ Vorgängern, Papst Vigilius: »Vi gila, atque quaeso, papa, vigila, et iterum dico, vigila; quia forte non bene vigilavit Vigilius.« (»Seid also wachsam, ich beschwöre euch, Papst, seid wachsam, und noch einmal sage ich, seid wachsam; denn der, welcher der Wachsame genannt wurde, war es vielleicht nicht.«) Dies war nicht der erste Brief von Columbanus an einen Papst – es war noch nicht einmal das erste Mal, daß er sich über einen päpstli-chen Namen lustig machte! In einem Brief an Papst Gregor den Gro-ßen zur Zeit seiner Streitigkeiten mit den Bischöfen hatte Columbanus in ziemlich vertraulichem Ton geschrieben – als wäre er ein alter Freund – und mit dem Namen von Gregors Vorgänger, Leo demGroßen, gespielt, indem er Gregor an den Bibeltext erinnerte: »Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe« (lateinisch Leo).Als Antwort auf all diese Briefe erhielt Columbanus nur kaltes pontifika-les Schweigen [ Pobierz całość w formacie PDF ]