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.Er vernachlässigte keineswegs die Fliegerei und leistete die vorgeschriebenen vierzig Stunden pro Jahr ab, wobei er die meisten angegurtet in einer altertümlichen WB-57 verbrachte, die in großer Höhe Loopings flog, um Bilder von Keanu zu machen.Gewissenhaft besuchte er auch das wöchentliche Montagmorgen-Treffen der Piloten in 4-Süd, um sich die oftmals lärmenden, mitunter ernsthaften, gelegentlich langweiligen Präsentationen über die technischen Entwicklungen der Destiny und der Venture anzuhören … oder welche negativen politischen Konsequenzen Travis Buells sowohl populäre als auch umstrittene »Inbesitznahme« des Mondes nach sich zog, ein Streitpunkt, der umso spannender wurde, da Buell selbst anwesend war.Und um mitzubekommen, welche Crews für die neuen Missionen ausgewählt wurden; auf diese Weise erfuhr er auch, dass Tea Nowinski die Kommandantin der Destiny-7-Mission sein sollte.Doch die meiste Zeit verbrachte er in einem schlichten Büro im zweiten Stock des Gebäudes 24.Es passierte frühmorgens am neunten Juni; Rachel war auf einer Pyjama-Party bei den Meyers, deshalb saß Zack schon um sieben in seinem Büro, als Harley Drake – der ebenfalls gern früh mit seiner Arbeit begann – hereingerollt kam und hinter sich die Tür schloss.»Schon die Nachrichten gesehen?«»Grenz das ein bisschen für mich ein.Sprechen wir über Wirtschaft, Politik, Frauen oder Keanu?« Harley hatte den Verlust seiner Mobilität – und seiner Karrieren als Flieger und Astronaut – besser verkraftet, als es Zack an seiner Stelle möglich gewesen wäre, und sich mit Verve auf ein neues Betätigungsfeld als Weltraumwissenschaftler gestürzt.An der Rice University hatte er sich für ein Magisterprogramm eingeschrieben, und in der Gruppe, die Keanu erforschte, war er der eifrigste Mitarbeiter … all das, ohne seine derbe Schnoddrigkeit zu verlieren, mit der er manchmal die pedantischeren, akademischen Typen im Gebäude 24 schockierte.»Die Brahma fliegt zu Keanu.«Die Koalition plante, ihre erste Mission, die über den Erdorbit hinausging – nämlich zum Mond – in drei Monaten zu starten.Da die Brahma am Shackelton-Krater landen sollte, bestand die Möglichkeit – und die akute Besorgnis –, dass die Crew der Brahma mit der Besatzung der Destiny-7 zusammentreffen würde.»Shackleton und Keanu?«»Nein, du Pfeife.Unbegrenzte Treibstoffreserven und Versorgungsgüter stehen denen auch nicht zur Verfügung.Sie lassen den Mond sausen und landen auf Keanu, wenn er seinen erdnächsten Punkt erreicht hat.«»Das ist doch schon in zwei Monaten der Fall.Wie zum Teufel wollen die ein solches Projekt durchziehen?«»Offenbar sind sie schon seit einem Jahr damit zugange, aber wirklich, Kumpel, das Raumschiff braucht doch gar nicht verändert zu werden; bloß die Steuerung und die Trajektorie.«Zack fing sofort an, sich mit den operativen Herausforderungen einer Landung auf Keanu zu beschäftigen … geringe Schwerkraft, die Möglichkeit, dass die Triebwerksabgase Eis und Schnee in Dampf verwandelten …»Ich kapier das nicht«, wunderte sich Harley.»Die Nachricht, dass die Brahma zu Keanu fliegen wird, ist doch wirklich eine Sensation – und ich bin derjenige, der sie dir überbringt? Du bist nicht mehr der Zack Stewart, den ich mal kannte.«Obwohl ihn das Gefühl, wie betäubt zu sein, seit zwei Jahren nicht mehr losließ – Teufel noch mal, er litt an Depressionen, um die Dinge beim Namen zu nennen! –, war Zack ehrlich genug, um Harley recht zu geben.Überdies verriet er sich selbst, als er rot wurde.»Na schön.Was würdest du denn tun, wenn du Zack Stewart wärst?«»Du meinst, außer mich zu fragen, wieso ich zu dieser frühen Stunde nicht noch mit Nowinski im Bett liege?« Damit traf Harley Drake zum zweiten Mal ins Schwarze … in den vergangenen sechs Monaten hatte Zacks Beziehung zu Tea sich radikal gewandelt, als aus einer Freundin der Familie, die ihm Halt und Stütze bot, und Astronautenkollegin eine … na ja, Geliebte wurde.Da Tea zur Kommandantin der bevorstehenden Destiny-7-Mission ernannt wurde, Amerikas dritter Besuch der Shackleton-Station, hatten sie sich bemüht, ihre Affäre geheim zu halten.Offenbar war ihnen das nicht gelungen.»Ja«, erwiderte Zack, ohne auf die Bemerkung einzugehen.»Sag mir, was du außerdem noch machen würdest.«»Ich würde bei Shane Weldon anklopfen.«Noch ehe Harley den Satz beendet hatte, stand Zack schon auf den Füßen.Ein Jahr nachdem Shane Weldon die schmerzliche, aber notwendige Entscheidung getroffen hatte, Zack durch Travis Buell zu ersetzen, verlor er seinen Posten als Chef des Astronautenbüros.Buells Verhalten nach der ersten Landung hatte dazu beigetragen, dass man ihm einen anderen Job zuwies.Im NASA-Management war man geteilter Meinung über seinen damaligen Entschluss; die Hälfte der Leute nahm es Weldon übel, einen solchen Hitzkopf wie Buell in diese exponierte Position gesetzt zu haben, der Rest hielt ihn für eine geniale Führungskraft und einen Patrioten.Ihn in die Abteilung Mission Operations zu versetzen machte beide Seiten glücklich.Diese Beförderung brachte Weldon auf den richtigen Weg, sich eines Tages zum Direktor des Johnson Space Center aufzuschwingen, und gleichzeitig war er nicht mehr für die routinemäßigen Personalentscheidungen verantwortlich.Jedenfalls stand das in der Tätigkeitsbeschreibung.In Wahrheit gab Weldon, wie ein eingefleischter Bürokrat, zu dem er sich entwickelte, niemals die Zügel aus der Hand, die er irgendwann einmal gehalten hatte.Im Gebäude 4-Süd hieß es, keine Auswahl einer Crew, die der neue Chefastronaut traf, sei endgültig, bevor Shane Weldon sie nicht abgesegnet hatte.Egal, ob er nun über viel Einfluss verfügte oder nicht, Weldons Büro gehörte ausschließlich der Regierung.Mehrere Räume umgaben einen zentralen Empfangsbereich, in dem drei Assistentinnen arbeiteten.Eine von ihnen, eine ältere Frau namens Kerrie Kyle, bedeutete Zack mit einem Kopfnicken, er möge auf einer Couch Platz nehmen.»Normalerweise ist Shane um diese Zeit schon in seinem Büro.« Ein Arbeitstag im JSC begann morgens um acht – oder noch früher – und dauerte bis sechzehn Uhr.Weldons Abwesenheit war so ungewöhnlich, dass Zack, als er dann mit einer Viertelstunde Verspätung aufkreuzte, sticheln musste: »Kommst du neuerdings morgens nicht mehr aus dem Bett?«»Freut mich auch, dich zu sehen«, gab Weldon zurück.»Komm rein.«Zack folgte ihm in sein Büro, das vollgestopft war mit Bildern und Modellen von Flugzeugen und Raumschiffen, die Weldon geflogen hatte; eine riesige astronomische Abbildung von Keanu war noch so neu, dass sie auf einem Stuhl lag.»Nimm das ruhig weg«, sagte Weldon, damit sein Gast irgendwo Platz nehmen konnte.»Ist nicht nötig«, erwiderte Zack.Weldon war unterwegs zu seinem Sessel gewesen.Doch anstatt sich hinzusetzen, blieb er stehen, während er seinen Laptop aufklappte.»Schieß los.«Zack kam sich vor wie ein Zehnjähriger, der Schokoladenriegel für ein Schulprojekt verkauft.»Das liegt vielleicht außerhalb meiner Gehaltsklasse, aber wenn es stimmt, dass die Brahma auf Keanu landen soll, müssen wir meiner Meinung nach die Destiny-7 ebenfalls hinschicken.« Ihm fiel eine alte Redewendung aus Michigan ein.»Es wird Zeit für die Operation Welcome Wagon.«»Was kümmert es dich, ob wir vor ihnen da sind? Wenn ich mich recht erinnere, dann warst du von Buells kleiner Ansprache am Shackleton-Krater alles andere als begeistert.«»Wer als Erster seinen Fuß auf Keanu setzt, ist mir völlig egal.Aber wenn wir jetzt die Chance für eine Landung nicht nutzen, werden wir es später noch jahrelang bereuen [ Pobierz całość w formacie PDF ]