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.Fast wäre Bremer errötet.Man hielt sich als Fremder besser heraus aus den Angelegenheiten anderer.»Aber die Katze«, sagte Crespin übergangslos.»Sie hätte niemals die Katze allein gelassen.Ich höre sie schon die ganze Zeit jammern.«Einige guckten verständnislos, andere mitleidig.Nicht jeder hier nahm Haustiere wichtig.»Und jetzt wissen wir auch, warum er sich immer aufgeregt hat, wenn Ada mit dem Fotoapparat kam.Warum er partout nicht fotografiert werden wollte.« M.Durand blickte so finster, wie es sein gutmütiges Gesicht erlaubte.»Und warum Ada sterben mußte.«»Genau!«»Du meinst, er hätte Ada…«Wieder redeten alle auf einmal.»Dann hätte der Lump jetzt wenigstens seine gerechte Strafe bekommen«, sagte Marius.Um ihn herum nickten die Köpfe.Marius war nicht der einzige, der viel von höherer Gerechtigkeit hielt.Bremer gab sich Mühe, nicht zu grinsen.Das war natürlich die perfekte Lösung: Philipp Persson alias Martin Schmid hatte Ada Silbermann umgebracht, weil sie ihm auf die Schliche gekommen war, und als Adas Leiche gefunden wurde, beging ihr Mörder aus Angst vor der Entdeckung Selbstmord.Im Dorf hatte sich niemand mehr unbequemen Fragen zu stellen.Das Böse machten die Fremden untereinander aus.Diese Erklärung schlug mehrere Fliegen mit einer Klappe und ließ nur eine Frage offen: Wo war Alexa Senger?Crespin packte ihn am Unterarm.»Sehen Sie dort: Ernest Silbermann!«Der Witwer fiel auf unter den Leuten vom Dorf.Der schwarze Anzug saß makellos, das Gesicht unter dem schwarzen Hut war nicht zu erkennen.Der Mann hielt sich abseits.Die anderen schienen zu spüren, daß ihr ehemaliger Nachbar allein sein wollte, niemand begrüßte ihn oder kondolierte.Als Crespin Anstalten machte, Paul mit in die Kirche zu ziehen, winkte er ab.Ihm war nicht nach Weihrauch und Gesängen.Statt dessen ging er die Hauptstraße hinunter, aus dem Dorf hinaus, abwärts ins Tal, der Hügelkette am Horizont entgegen.Beim Anblick eines Trupps älterer Herren, die mit aufgepumpten Waden zum Dorf hochradelten, spürte er eine heftige Sehnsucht nach seinem Rennrad.Hier durch die Gegend fahren, hoch auf die Pässe und dann lange Abfahrten hinunter, vor diesem Himmel, diesen Bergen, diesen Farben…Als ob sich jemand über seine Träume lustig machen wollte, führte die Straße nach einer Kurve auf einen einsamen Hof zu, an dessen Mauern sie lehnten, in jeder Farbe, Größe und Altersgruppe: Fahrräder, klein, groß, gelb, blau, rot oder silbern.Die meisten offenbar Veteranen weit vor der Zeit, als Tom Simpson bei der Tour de France kurz vor dem Mont Ventoux tot vom Rad fiel.Ein Peugeot-Damenrad.Ein Gitane für Kinder.Ein grünes Helium, ein weißes Manufranck, ein metallblaues Pinarello.Sorgfältig wieder hergerichtet, jedes mit einem handgemalten Preisschild versehen.Eine Mobylette, ein Motobecane.Und ganz vorne, wenn ihn nicht alles täuschte… Aber das konnte nicht sein.Das lindgrüne Rennrad sah haargenau so aus wie das Folgorissima von Bianchi, das man in »Paris Roubaix« umbenannte, nachdem Fausto Coppi die Tour 1949 gewonnen hatte.Paul Bremer setzte sich auf die Mauer gegenüber am Straßenrand, sah dem Mann zu, der das Hinterrad eines Kinderfahrrads aufpumpte, und ließ dann den Blick nach oben gleiten, zu den beiden Kondensstreifen am Himmel, die immer breiter und durchscheinender wurden, bis sie sich ins Blaue auflösten.Vor seinem inneren Auge trug Eddie Merckx das gelbe Trikot über den Col de la Madeleine.Für einen Moment fühlte sich Bremer, als sei er dabei.8Dorothea setzte die Sonnenbrille auf, mit der sie noch schlechter sah als ohne, und tastete sich nach unten.In der hintersten Ecke des Gastraums ließ sie sich nieder und bestellte bei Dutoit einen Kaffee.Auf dem Zeitschriftenstapel am Fenster lag unter alten Heften von Coté Sud und Maisons & Decors eine deutsche Klatschzeitschrift.Sie stürzte sich wie eine Süchtige auf das Heft.Es war das einzige, was ihre Mutter gelesen hatte, immer dann, wenn die Nachbarin einen Schwung aussortierter Blätter vorbeibrachte.Geld hätte sie für »so was« nicht ausgegeben, und »das ist nichts für dich, Dorle«, pflegte sie jedesmal zu sagen.Aber sie duldete es immerhin, daß ihre Tochter sich neben sie setzte und die »Praline« las und die »Neue Revue« und die »Bunte«.Und »Constanze«, »Das grüne Blatt« oder »Heim und Welt«.Es waren, dachte Dorothea manchmal, die einzigen friedlichen Zeiten, die sie jemals mit ihrer Mutter verbracht hatte.Alle diese Zeitschriften boten einem heranwachsenden Mädchen nützliche Informationen, über den weiblichen Orgasmus, das richtige Make-up und die beste Art, sich einen reichen Mann zu angeln.Dorothee Köppen hatte sich manchmal geniert für den Heißhunger, mit dem sie die bunten Blätter verschlang.Später hatte sie Wichtigeres zu lesen und im Hause v [ Pobierz całość w formacie PDF ]