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.Ein dicker Goldfisch, drei blaue Schmetterlinge, die Umrisse einer Kinderhand, aus der man einen Truthahn gemalt hatte, etwas, das vielleicht die Arche Noah sein sollte, und jedes Bild war mit krakeligen Buchstaben unterzeichnet, die zusammen »M-E-G-A-N« ergaben.»Es ist schwer für dich, hm?« Ihre Stimme war sanft.»Ja«, antwortete er, ohne sie anzusehen.Er hatte gewusst, dass es ein merkwürdiges Gefühl sein würde, Megans Kindheit zu betrachten.Er hatte nur nicht erwartet, dass die Erfahrung so viele Erinnerungen heraufbeschwören würde, so viele vergessen geglaubte Gefühle, so viel Negatives.Er hätte gerne jemanden angeschrien, etwas zerschmettert, sich irgendwie abreagiert.»Sie liebt dich.«Marc wusste nicht, was er dazu sagen sollte, also sagte er nichts.»Ich habe mir meine Notizen durchgesehen, bevor ich zu dir ins Gefängnis kam, und festgestellt, dass sie dich bei jedem unserer Gespräche erwähnt hat.Sie hat mir erzählt, wie du ihr geholfen hast, wieder clean zu werden, dass du regelmäßig Geld auf ein Treuhandkonto überweist und wie du ihr immer wieder Mut gemacht hast, als sie auf Entzug war.«»Klar.Ich bin ein verdammter Held.«»Sie sieht dich so.«»Aber wir beide wissen ja, dass Megan nicht unbedingt klarsieht, nicht wahr?« Marc legte die Bilder auf den Tisch, stand auf und ging in die Küche, vorgeblich, um sich ein Glas Wasser zu holen.Tatsächlich aber brauchte er Abstand – oder am besten gleich eine Chance, sein Leben noch einmal neu zu beginnen.Was nur leider nicht geschehen wird, du Depp.Er beugte sich über die Spüle, drehte den Hahn auf, füllte sein Glas und trank.»Weißt du, was ich so großartig bei euch beiden finde? Obwohl ihr als Kinder getrennt worden seid und fast fünfzehn Jahre keinen Kontakt hattet, seid ihr euch trotzdem so wichtig.Megan war erst vier.Ich finde es erstaunlich, dass sie sich überhaupt an dich …«Marc rammte sein Glas auf die Theke.»Hör auf! Hör auf damit!«Er wandte sich zu ihr um und fühlte sich augenblicklich wie ein unsensibler Vollidiot.Sie starrte ihn verdattert an, in den Händen den Stapel mit den Zeichnungen.Verdammt noch mal.»Tut mir leid, Sophie.Das hast du nicht verdient.«»Willst du mir erzählen, worum es geht?«Eigentlich nicht.Er ging zum Tisch zurück, zog den Stuhl neben ihr hervor und setzte sich.Er holte tief Luft und rieb sich das Gesicht mit beiden Händen.»Hat Megan dir erzählt, wie das Sozialamt sie damals abholte?«Sophie schüttelte den Kopf.»Ich weiß nur, dass es passierte, als ihre Mutter, eure Mutter, verhaftet wurde, weil sie zum zweiten Mal unter Drogen- und Alkoholeinfluss Auto gefahren war.«Marc erinnerte sich nur allzu gut an den Tag.»Ich kam von der Schule nach Hause.Als ich eintrat, saß Megan, noch im Schlafanzug, vor dem Fernseher, während meine Mutter schon ungeduldig auf mich wartete, sie sehnte sich nach dem nächsten Schluck.Sobald ich zu Hause war, kratzte sie zusammen, was sie an Kleingeld fand, und verschwand.Das hatte sie schön öfter getan.Sie kam lange Zeit nicht wieder.Megan bekam Hunger und fing an zu weinen.Ich machte uns eine Fertigpackung Makkaroni mit Käse und Brote mit Marmelade, das konnte ich damals am besten.Es wurde noch später.Ich versuchte, Megan ins Bett zu bringen, weil sie ja noch so klein war und Mom sie in meiner Obhut gelassen hatte, aber Megan wollte Zeichentrickfilme sehen.Ich wurde böse, sie auch.Dann bekam sie einen kleinen Anfall.Irgendwann klingelte es an der Tür.«Er konnte kaum glauben, dass er das Sophie erzählte.Er hatte noch nie darüber gesprochen, nicht einmal mit dem dämlichen Seelenklempner, den das Gericht damit beauftragt hatte, ihn auf kriegsbedingten posttraumatischen Stress zu untersuchen.Aber nun, da er einmal begonnen hatte, schien er nicht mehr aufhören zu können.Seit er die Kiste mit ihren Sachen geöffnet hatte, wurden die Erinnerungen in seinem Kopf hintereinander abgespult wie ein schlechtgemachter Film.»Ich wäre besser nicht an die Tür gegangen, aber als ich draußen zwei Polizisten sah …«»Du hast ihnen vertraut.«Er nickte.»Außerdem war eine Sozialarbeiterin dabei, eine ältere Frau.Sie sagte, dass Mom etwas falsch gemacht habe und nun im Gefängnis sei und wir mit den netten Polizisten mitgehen sollten.Aber ich hatte Angst, dass Mom aus dem Gefängnis herauskäme und nicht wüsste, wo sie nach uns suchen sollte, also sagte ich, dass wir warten müssten, bis Mom wiederkäme.Gott, was für ein Idiot ich war.«»Nein, du warst ein Kind.« Sophies Stimme war leise und mitfühlend.»Die Sozialarbeiterin sagte, es würde lange dauern, bis unsere Mutter wiederkäme.Sie sei gekommen, um sich um uns zu kümmern.Dann nahm einer der Polizisten Megan auf den Arm und wollte mit ihr das Haus verlassen.Megan bekam Angst und fing an, zu schreien und nach mir zu rufen.Ich versuchte, sie dem Mann wieder wegzunehmen.«Lass sie los.Lass sie in Ruhe.Sie ist meine kleine Schwester!Er konnte noch heute sein eigenes jämmerliches Gebrüll und Megans verängstigte Schreie hören.»Aber er legte mir Handschellen an.«»Handschellen? Einem Zehnjährigen? Oh, Hunt!«»Ich war ein Satansbraten.Ich trat und schlug auf den Officer ein, der Megan festhielt, muss ihn sogar gebissen haben.Irgendwann setzten sie mich auf den Rücksitz des einen Streifenwagens und Megan, die noch immer den Schlafanzug anhatte, in den anderen.Das war das letzte Mal, dass ich meine Schwester sah, bis ich der Armee den Rücken kehrte.«Sophie wusste, dass er mit seinen Emotionen kämpfte.Seine Miene war ausdruckslos, während er sprach, aber sie spürte die Gefühle, die darunter lagen – Zorn, Verzweiflung, Einsamkeit, die Schuld.Sie sah das Kind vor sich, dem man so viel Verantwortung aufgeladen und das gekämpft hatte, um seine Schwester zu verteidigen.Wie hilflos er sich gefühlt haben musste, als man Megan in den Wagen gesteckt und sie fortgebracht hatte! Und dann die Trauer darüber, seine Familie verloren zu haben, seine Mutter im Gefängnis und Megan weiß Gott wo …Ihre Kehle verengte sich.»Das muss entsetzlich gewesen sein.«»Ja, das war’s.Ich habe mich im Streifenwagen übergeben.« Er stand auf, wandte sich von ihr ab und starrte auf die zugezogenen Vorhänge, als ob er durchs Fenster blickte.»Ich erfuhr, dass meine Mutter ihren Drink so nötig gehabt hatte, dass sie schon auf dem Parkplatz eine Flasche Pfefferminzschnaps runterkippte.Auf dem Heimweg hat sie jemanden überfahren und beinahe umgebracht.«Sophie stand ebenfalls auf, trat hinter ihn, schlang ihre Arme um seine Hüften und legte den Kopf an seinen Rücken.»Also kam Megan hierher – zu den Rawlings.«»Ja.« Seine Stimme war flach, leer.»Innerhalb eines Jahres hatten die Gerichte meiner Mutter das Sorgerecht entzogen, zumindest was Megan betraf.Sie wurde Megan Rawlings.Ich wurde von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht, denn ich war zu alt, zu wütend und zu anstrengend, um für eine Adoption in Frage zu kommen [ Pobierz całość w formacie PDF ]