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.Er trank einen weiteren Schluck auf diese unerfüllbare Liebe.Eleonora hatte den Vorsteher der Seidenhändlerzunft dazu gebracht, ihr Azzones Manufaktur anzuvertrauen, die sie sonst hätte verkaufen müssen, indem sie sich verpflichtete, die Schulden ihres Ehemannes innerhalb von zwei Jahren zu begleichen.Eine Frau an der Spitze eines handwerklichen Betriebes war ziemlich ungewöhnlich, und die Versammlung der Zunft hatte sich lange beraten, hatte sie ihm bei ihrem Besuch erzählt.Doch schließlich hatte Eleonora erreicht, was sie wollte.Mondino hatte sie dazu beglückwünscht, doch als er ihr Gespräch gerade mit einer höflichen Bemerkung beenden wollte, hatte er sich plötzlich, ohne zu wissen, warum, ganz nah bei ihrem Gesicht wiedergefunden.Eleonoras grüne Augen hatten ihn mit beinahe schmerzhafter Eindringlichkeit angestarrt.Er wusste nicht mehr, wer sich wem zuerst in die Arme geworfen hatte, aber er erinnerte sich genau an den leidenschaftlichen Kuss, den sie im Stehen in dem großen Raum neben dem Tisch ausgetauscht hatten, auf dem der Zimmermann gestorben war.Als sie sich voneinander lösten, lag keine Freude in ihren Augen.Wehmut vielleicht und ein wenig Trauer über das, was hätte sein können.»Ich werde Euch wohl nicht wiedersehen«, hatte Mondino gesagt.»Nein.Ich hoffe, dass Ihr mich versteht.«Mondino konnte es gut nachvollziehen.Selbst wenn ihr Gemahl ein Scheusal gewesen war, war es ihr unmöglich, die Geliebte des Mannes zu werden, der ihn getötet hatte.Der tote Azzone hätte immer zwischen ihnen gestanden.Von da an hatte er diesen Druck in der Brust immer stärker gespürt, der seit Tagen nicht von ihm abließ.Er hatte versucht, ihn nicht zu beachten, dann ihm zu widerstehen.Doch an diesem Nachmittag hatte sein Herz über seinen Verstand gesiegt und ihn befeuert vom Wein dazu gebracht, das Haus zu verlassen und jene Blumen zu kaufen.Er ließ den Becher zur Hälfte geleert auf dem Tisch stehen und legte eine Münze daneben.Dann nahm er seine Schneeglöckchen und verließ die Schenke.Kurz darauf bog er hinter der Kirche der Heiligen San Vitale und Agricola in Arena ab und betrat den kleinen Friedhof durch ein Holztörchen.Sechs oder sieben Menschen hatten sich im Gebet vor einer Kapelle versammelt.Mondino erkannte Gandone de’ Gandoni mit Kindern und Verwandten.Sie waren bestimmt gekommen, um das Grab des Erstgeborenen zu besuchen, der bei dem Brand umgekommen war.Er war nicht in der Stimmung, um stehen zu bleiben und sie zu begrüßen, deshalb ging er gesenkten Kopfes weiter zum Familiengrab.Dort ruhte sein Vater Rainerio, der in diesem Frühjahr gestorben war, und dort würden auch er und sein Onkel Liuzzo begraben werden, wenn ihre Stunde gekommen war.Er blieb vor dem Sarkophag aus grauem Sandstein stehen, in dem die Gebeine seiner Frau Giovanna ruhten.Er legte die Blumen auf den Deckel, und endlich ließ er den Tränen, die er nach ihrem Tod und dem seines Vaters so lange zurückgehalten hatte, freien Lauf.Mondino weinte, bis er feststellte, dass diese Last nicht mehr auf seine Brust drückte.Dann erst erzählte er Giovanna leise alles, was von ihrem Tode an geschehen war.Er schilderte ihr die Wagnisse, die er eingegangen war, die Gefahren, denen er sich selbst und ihre Söhne ausgesetzt hatte, und wie allein er sich fühlte und wie unfähig, seine Aufgabe als Vater und Familienoberhaupt zu erfüllen.Giovanna hatte es gewusst.Deshalb hatte sie ihm vor ihrem Tod das Versprechen abgenommen, sich bald wieder zu verheiraten.Sie kannte ihn besser als er selbst.»Ich wollte die Erinnerung an dich nicht verraten, indem ich mir eine neue Frau nehme«, sagte Mondino leise, und wieder brannten Tränen in seinen Augen.»Aber allein schaffe ich es nicht.Ich brauche eine Frau an meiner Seite, und unsere Söhne brauchen jemanden, den sie Mutter nennen können, auch wenn niemand je deinen Platz in unseren Herzen einnehmen kann.« Seufzend legte er die Hände auf den Sargdeckel und fügte hinzu: »Wenn du wirklich einverstanden bist, gib mir bitte ein Zeichen.«Sofort schämte er sich seiner Worte.Damit stellte er sich auf eine Stufe mit den Frauen aus dem einfachen Volk.Die Toten schickten keine Botschaften, das war haltloser Aberglauben.Jetzt würde er gleich einen Vogel von einem Zweig auffliegen sehen oder eine tote Ratte im Kanal und würde sich einreden, dies sei ein gutes oder schlimmes Vorzeichen.Doch in Wirklichkeit taten Vögel ja nichts anderes, als von Zweigen aufzufliegen, und tote Ratten waren ein ziemlich alltäglicher Anblick.Erst das menschliche Hirn verwandelte sie in Bestätigungen oder Ablehnungen von irgendetwas.Diese logische Überlegung brachte ihn wieder zu sich.Er war froh darüber, dass er sein Herz ausgeschüttet hatte, und fühlte sich viel besser, aber jetzt war der Moment, sich seinen Gefühlen hinzugeben, vorbei.Er trocknete sich mit einem Ärmel seines Gewandes die Tränen, atmete tief durch und wollte sich gerade von seiner Frau verabschieden.»Messer de’ Liuzzi«, sagte da eine Frauenstimme hinter ihm.Mondino drehte sich ruckartig um.Vor ihm stand eine schöne junge Frau in Trauer.Etwa zwanzig Jahre alt, blonde Haare und blaue Augen.»Verzeiht, falls ich Euch erschreckt habe«, fuhr sie fort.»Erinnert Ihr Euch an mich? Ich bin Mina, die Tochter von Gandone.«Mondino hatte sie zum letzten Mal vor sechs oder sieben Jahren gesehen, als er sie von einem Hautausschlag geheilt hatte.Damals war sie kaum mehr als ein kleines Mädchen gewesen.Er erinnerte sich, dass sie häufig zu ernste Dinge für ihr Alter sagte und damit die Erwachsenen in Verlegenheit brachte.Während der Behandlung hatte sie ihn ins Herz geschlossen und einmal sogar alle zum Lachen gebracht, als sie erklärte, wenn sie groß wäre, würde sie ihn heiraten.»Ich habe Euch nicht wiedererkannt, Madonna«, stammelte Mondino, der es nicht wagte, den vertraulichen Ton von früher anzuschlagen, als sie ein kleines Mädchen war.»Ihr habt Euch sehr verändert.«»Hoffentlich nur zum Besten«, sagte sie.»Ich bin zu Euch gekommen, um Euch zu fragen, ob Ihr heute Abend bei uns speisen wollt.«»Aber ich bin Eurem Vater doch seit Jahren nicht mehr begegnet«, erwiderte Mondino widerstrebend.»Wie kommt es …«»Ich habe ihn darum gebeten«, gestand sie und sah ihn eindringlich an.»Ich habe Euch vorhin vorüberlaufen sehen und mir gedacht, es könnte schön sein, einmal wieder mit Euch zu sprechen.«»Ich möchte Euch nicht durch ein Nein beleidigen, Madonna, aber ich bin in diesen Tagen nicht gerade heiterer Laune.Ich bin nicht in der Stimmung zu lächeln und über Nichtigkeiten zu plaudern, wie es auf Festen üblich ist.Ich würde Euch nur den Abend verderben.«»Ein Fest? Wir sind gekommen, um das frische Grab meines Bruders zu besuchen.Bei uns zu Hause steht niemandem der Sinn nach Festen.«Mondino betrachtete sie [ Pobierz całość w formacie PDF ]