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.Sie zog die Beine an und setzte sich im Schneidersitz auf die Bank.»Ich mag den Garten«, sagte sie.»Und im Speisesaal ist es mir zu laut.«»Laut?« Reeve warf ihr einen scharfen Blick zu.Alissa war verlegen ob dieser vielen Aufmerksamkeit und zuckte nur mit den Schultern.Reeve schwieg und starrte sie an, als versuche er, ein Rätsel zu lösen.Seine Musterung war ihr unangenehm, und sie streckte die Beine wieder aus und stellte die Füße auf das Moos, wo sie schließlich hingehörten.Reeve gab ein kehliges Brummen von sich.»Nun, wenn Earan Euch nicht im Speisesaal der Bewahrer essen lassen will, dürft Ihr dafür in meinem Hain spazieren gehen.« Seine braunen Augen blitzten schelmisch.»Sei es Werktag oder Ruhetag, bei Sonnenlicht oder Mondschein.Ihr seid hier willkommen.«Lodesh blieb der Mund offen stehen.»Vater!«, würgte er schließlich erstickt hervor.»Sei still, Junge«, sagte Reeve und grinste Alissa an.»Dies ist mein Hain.Ich kann hierher einladen, wen ich will.«»Aber Vater!«»Ich sagte, sei still!« Er nahm Alissas Hände und zog sie von der Bank.»Es ist ja nicht so, als hätte ich ihr die Bürgerschaft der Stadt verliehen.«»Aber beinahe!«Alissa schenkte dem gedrungenen Mann ein Lächeln und nahm seinen Arm.»Ich danke Euch«, sagte sie und freute sich über seine Einladung in den Hain – nicht nur um der Einladung selbst willen, sondern auch, weil sie Lodesh in solche Bestürzung versetzt hatte.»Ach, dieser Junge«, sagte Reeve wehmütig, als Lodesh dramatisch die Arme in die Luft warf und ihnen den Rücken zukehrte.»Macht aus jeder Angelegenheit immer viel mehr, als dran ist.Und was Earan angeht … Solche Dinge nehmen oft eine gute Wendung – wenn man sie genau im Auge behält und springt, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.«Alissa hatte keine Ahnung, wovon er sprach, doch er roch nach Erde und wachsenden, grünen Dingen, deshalb ging sie bereitwillig mit, als er sie zwischen die hohen Bäume führte.»Ein wunderschönes Fleckchen habt Ihr da zu pflegen, Reeve«, sagte sie und blickte zu den fernen Zweigen auf.»Es muss atemberaubend gewesen sein, als sie im Frühjahr geblüht haben.«»Blühen?«, erwiderte Reeve.»Na, dieses Jahr haben sie das jedenfalls noch nicht getan.«»Ja«, war Lodeshs seufzende Stimme hinter ihnen zu hören, denn er hatte das Schmollen aufgegeben und war ihnen gefolgt.»Schon seit fünf langen Jahren nicht mehr.«Verwirrt wandte Alissa sich von Lodesh zu Reeve um.»Ich dachte, Euthymien blühen im Frühling, noch ehe sich die Blätter entrollen.«Reeve warf wieder einen Blick in die schwankenden Zweige.»Frühling oder Herbst, manchmal auch dazwischen – wenn sie sich denn entschließen, überhaupt zu blühen.« Er zögerte und warf einen Blick in die Schatten unter den Bäumen.»Alissa«, sagte er, und sein Tonfall wurde förmlich.»Ich muss Lodesh etwas fragen – es geht um einen Pilz, der mir in letzter Zeit Ärger macht.Hättet Ihr etwas dagegen, wenn ich ihn Euch einen Augenblick entführe?« Seine Augenbrauen hoben sich und sagten deutlicher als Worte, dass es kein Pilz war, worüber er mit Lodesh sprechen wollte, und sie nickte.»Sehr freundlich von Euch«, sagte Reeve.Lodesh öffnete den Mund, um zu protestieren, und Reeve versetzte ihm einen Stoß in die Rippen.Mit einem leisen Brummen schloss Lodesh hastig den Mund und zog die Schultern hoch.Der untersetzte Mann führte seinen Sohn, groß, gut aussehend und manchmal ein wenig schwer von Begriff, außer Hörweite und erklärte dabei laut, der Pilz befinde sich »dort drüben, hinter dem Baum da«.Alissa kicherte über das Spektakel, dass Lodesh von jemandem herumgeschubst wurde, und wandte sich dem Hain zu.Die Bäume kamen ihr nicht kleiner vor, als sie sie in Erinnerung hatte.In der Mitte des Hains befand sich eine kreisförmige Lichtung, umgeben von kleinen, moosbewachsenen Erdhügeln, die sich wie Wellen in immer weiteren und höheren Kreisen ausbreiteten.Als sie näher kam, stellte sie fest, dass dies eine Art Theater sein musste: Der offene Kreis war die Bühne, und die Erhebungen waren Sitzplätze für das Publikum.Abgesehen von diesem Theater sah der Hain genauso aus, wie sie ihn zuletzt gesehen hatte.»Bis auf …« Alissa raffte die Röcke und trat vor den größten Baum.»Dich«, sagte sie, deutete vorwurfsvoll mit dem Finger auf ihn und entdeckte eine weitere Veränderung.»Und dich.« Stirnrunzelnd betrachtete sie einen zweiten Baum.»Und dich, glaube ich«, brummte sie einem dritten zu.Diese drei waren umgestürzt, ehe sie den Hain zum ersten Mal erblickt hatte.»Was denkst du dir nur dabei, höher zu wachsen, als deine Wurzeln es erlauben?«, schalt Alissa und strich mit einer Hand über die Rinde des größten Baums.»Reeve widmet dir so viel Zeit, und du dankst es ihm, indem du umfällst.Schäm dich!« Sie ging zu dem zweiten hinüber, der ein Stück weiter weg stand.Ein wenig atemlos versetzte sie ihm einen scharfen Klaps.»Höher hinauszuwollen als alle anderen ist ja schön und gut«, sagte sie und blickte zu den Bäumen auf, die ihr gewiss nicht zuhörten, »aber du darfst dabei nicht vergessen, dass es deine Wurzeln sind, die dich aufrecht halten.« Nun war der dritte an der Reihe, und sie ging darum herum und wunderte sich, wie ein so kräftig aussehender Baum überhaupt umfallen konnte.»Was du der Welt nicht zeigst«, sagte sie sanft zu ihm, »ist das, was dir erst gestattet, solch spektakuläre Größe zu erreichen.Vernachlässige niemals dein Wurzelwerk.Nähre es besser als das hübsche Gesicht aus Blättern und Ästen, das du allen zeigst.Denn selbst wenn diese zerstört werden, kannst du aus deinen unberührten, ungesehenen, von anderen nie beachteten Wurzeln wiedergeboren werden.«Alissa ließ die Hand von der glatten grauen Rinde sinken und fragte sich, ob sie nicht lieber auf ihre eigenen Worte hören sollte, statt sie hilflosen Bäumen zu predigen.»Wachst«, seufzte sie und blickte auf ihre Stiefelspitzen hinab.»Und blüht vielleicht auch? Nur ein bisschen? Lodesh würde sich so sehr darüber freuen.«Sie wusste nicht recht, warum sie auf einmal so traurig war, und wandte sich ab.Der böige Wind aus dem Westen frischte auf, ließ wieder nach, fegte dann unter die Bäume und löste ein vages, ungutes Gefühl in ihr aus.– 13 –Reeve zog Lodesh fast durch den halben Hain mit sich, bis Lodesh sich weigerte weiterzugehen und die beiden stehen blieben.»Du hast mich nicht von Alissa weggelockt, um meine Meinung zu einem Pilz einzuholen«, sagte er vorwurfsvoll.Der Mann nahm wieder seinen Ellbogen.»Stell dich nicht so dumm an, Junge«, brummte er mit finsterer Miene.Lodesh entriss ihm seinen Arm.»Warum also?«Einen Moment lang sah Reeve ihm direkt ins Gesicht.Ein Hauch von Verzweiflung lag in diesem Blick, doch als Lodesh ihn bemerkte, schlug Reeve die Augen nieder.Mit gebeugten Schultern ging Reeve allein weiter.»Dein Vater hat mich heute Morgen aufgesucht«, sagte er über die Schulter.»Mein Vater!« Lodesh warf einen Blick hinter sich, um sich zu vergewissern, dass Alissa nichts gehört hatte, und rannte Reeve dann nach.»Was …« Er hielt den anderen Mann an.»Was wollte er?«Reeve zögerte.»Er wollte wissen, ob du mit dem Status zufrieden wärst, den ich dir vererben kann.«»Ja! Den Hain zu hegen ist alles, was ich will.«»Bist du sicher?«, fragte der andere leise, aber beharrlich.»Du könntest die Fähigkeiten, die ich dich gelehrt habe, leicht zu einer feineren Berufung nutzen als der eines Gärtners.«Lodesh schnappte beinahe verängstigt nach Luft.»Das hier bin ich«, sagte er ein wenig zu laut.»Ich habe herausgefunden, was ich gut kann und was mir Freude macht, und ich habe das Glück, dass beides ein und dasselbe ist, und es hat mich nicht mein halbes Leben gekostet, das zu entdecken.«Reeve lächelte ihn mit stillem Stolz an.»Wann bist du so weise geworden, Lodesh?« Der Mann wandte den Blick ab, und Lodesh wusste sogleich, warum [ Pobierz całość w formacie PDF ]