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.»Äh, ja.« Allmählich fühle ich mich etwas unwohl.»Ich bin nur froh, dass du nicht den Geschmack deiner Mutter geerbt hast – oder besser gesagt: den Mangel daran«, redet er weiter.»Du siehst heute Abend toll aus.«Irgendwie hat das Kompliment nicht mehr die gleiche Wirkung wie die vorherigen.»Ist ja gut, Seb«, höre ich mich leicht erregt sagen.»Mag ja sein, dass meine Mutter ein bisschen unkonventionell aussieht.Aber genau so mag ich sie.«»Hilfe.« Er hält die Hände hoch.»Ich hab ja nur einen kleinen Scherz gemacht.Tut mir leid.Ich wollte dir nicht zu nahetreten.«Er sieht aus, als wäre es ihm ernst.Also lockere ich meine Schultern und komme mir plötzlich ein bisschen albern vor.»Nein, mir tut es leid.Ich wollte dich nicht anfahren.«»Kein Problem.« Er zwinkert mir zu.»Ich verzeihe dir.«Ich rutsche unbehaglich hin und her, ermahne mich aber, dass ich den Abend mit Seb bisher sehr genossen habe.Noch denke ich darüber nach, als er sich vorbeugt und mich ohne jede Vorwarnung auf die Lippen küsst.Ich sage küssen, aber Sebs Manöver erinnert mich eher an einen riesigen Kraken, der sich auf seine Beute stürzt.Von null auf hundert in zwei Sekunden, mit vollem Zungeneinsatz und wenig Rücksicht auf die kleine Nebensächlichkeit des Atmens.Ich entwinde mich, ringe nach Luft und lehne mich zurück.So reagiere ich nur deshalb, weil ich mich seit Jacks und meiner Trennung so schlecht gefühlt habe, das weiß ich.Aber ich kann trotzdem nicht anders.»Was ist denn los?«, fragt er.»Ach, nichts.« Dann sehe ich auf und bemerke Beth am anderen Ende des Raums.»Ich meine, keine Ahnung«, füge ich hinzu.Doch als Beth den Blick abwendet, wird mir klar, dass das nicht stimmt.Natürlich weiß ich es.103Meine Wohnung, Donnerstag, 28.Juni, 17:15ICH MUSS ZUGEBEN, dass ich schon nicht mehr an Bennos Story über Pete Gibson geglaubt habe, den braven Popstar mit der heimlichen Schwäche für Koks und Orgien.Nachdem ich Benno innerhalb der vergangenen zwei Monate dreimal angerufen habe, um nachzufragen, ob die Sache mit dem zwielichtigen Polizisten geklärt ist, damit ich endlich meinen Artikel schreiben kann, habe ich schon langsam befürchtet, dass sich die ganze Angelegenheit in Luft auflöst.Nicht zuletzt, weil ich nicht glauben konnte, dass die überregionalen Zeitungen nicht längst Wind davon bekommen haben.Und wenn ich mal ganz ehrlich bin, hatte ich in der letzten Zeit anderes im Kopf, so scharf ich auch auf die Story war.Heute aber komme ich von einer Frühschicht nach Hause und lasse mich mit einer Schüssel kaum für den menschlichen Verzehr geeignet wirkenden Fertignudeln vor den Fernseher plumpsen, als das Telefon klingelt.Sofort erkenne ich Bennos Stimme.»Was machen Sie gerade?«, will er wissen.»Blödsinn essen und schlechte Talkshows anschauen«, gebe ich zurück.»Dann werden Sie sich wohl von beidem losreißen und schleunigst hierher kommen müssen«, verkündet er.»Sie kriegen Ihre Story.«»Was? Wirklich?« In meiner Aufregung werfe ich meine Nudelschüssel neben mich auf die Couch.»Aber zuerst möchte ich Sie um einen Gefallen bitten.«Ich sacke wieder zusammen.»Sie wissen, dass wir kein großes Budget haben«, sage ich.»Ts, ts, das weiß ich doch, Schätzchen«, erwidert er.»Ich habe doch Ihr Auto gesehen.Nein, kennen Sie meine Tochter?«»Ja.Wie geht es Torremolinos?«Benno und seine Frau haben David und Victoria Beckham gegenüber zehn Jahre Vorsprung darin, ihr Kind nach seinem Zeugungsort zu benennen.»Ausgezeichnet«, sagt er.»Folgendes – sie möchte Journalistin werden.Deshalb habe ich überlegt, ob Sie ihr nicht ein Praktikum besorgen könnten oder so was.«Bei solchen Gelegenheiten muss ich normalerweise erklären, dass es eine lange Warteliste gibt und sie sich schriftlich beim Herausgeber bewerben muss.Aber diese Story ist einfach zu gut und trotz des Risikos, von Simon einen Anschiss zu kassieren, treffe ich eine geschäftsführende Entscheidung.»Benno«, erkläre ich, »ich sorge persönlich dafür, dass sie ein Praktikum bekommt.Mehr noch, ich werde nicht eher ruhen, bis sie nicht die Sunday Times herausgibt.«104Green’s Fitnessstudio, Liverpool, Donnerstag, 28.Juni, 20:20DIE STORY über Pete Gibson wird in der morgigen Ausgabe abgedruckt.Wie sich herausstellte, ging der Polizist auf die Bestechungsversuche nicht ein und erwies sich trotz allem als einer von den Guten.Was für mich völlig in Ordnung ist; denn allein die Tatsache, dass dieser brave Super-Sauber-Popstar nebenbei ein Kokaindealer ist, der auf regelmäßiger Basis Promi-Orgien veranstaltet, dürfte schon einer der größten Knüller des Jahres sein.Das Blöde ist nur, dass mich die ganze Sache irrsinnig nervös macht.Mir ist ungefähr so schlecht wie einmal auf einer neunstündigen Fährfahrt bei hohem Seegang.Bei der Zeitung nennen sie das Die Angst – dieses schreckliche Gefühl, das Journalisten haben, unmittelbar bevor eine wirklich große Story veröffentlicht wird.Es ist eine seltsame Mischung aus Adrenalinüberdosis, weil man weiß, dass etwas Aufsehenerregendes gedruckt wird, und sich vor Panik fast in die Hose Machen, falls man etwas geschrieben haben sollte, wofür der Herausgeber vor Gericht muss.Was sich nie besonders positiv auf die persönliche Karriere auswirkt.Ich habe inzwischen – wie auch die Anwälte der Zeitung – jedes Detail dreimal überprüft, aber letzten Endes sind das schwere Anschuldigungen, und morgen wird zweifellos eine ordentliche Portion braune Substanz am Dampfen sein.Und jetzt bin ich also mit Charlotte im Fitnessstudio, um mich ein bisschen abzulenken.Leider habe ich seit Wochen überhaupt keinen Sport mehr gemacht und wünsche mir langsam, ich hätte mir von meiner Mutter eine Entschuldigung schreiben lassen.Wir fangen auf dem Laufband an und optimistisch – und sehr dumm – wähle ich ein Programm namens »Ausdauerchampion«.Mein Plan ist, ganz langsam anzufangen, aber irgendwo unterwegs verheddere ich mich mitten in einem K2-Anstieg mit einer Neigung, die man eigentlich nicht ohne Steigeisen in Angriff nehmen sollte.Hektisch marschiere ich bergauf, wobei ich an Basil Fawltys Deutschen-Parodie denken muss.Gleichzeitig panisch und vollkommen erschöpft schlage ich auf den Knöpfen herum wie eine hyperaktive Siebenjährige an einem Spielautomaten.»Mist, verdammter!«, quängele ich, dann saust meine Hand auf den Notbremsenknopf herab.Das Gerät kommt knirschend zum Stillstand, und ich beuge mich seitlich vornüber.Meine Lungen fühlen sich an, als wollten sie zerspringen.Charlotte kichert, und als ich wieder Luft bekomme, kichere ich auch.Jetzt lachen wir beide so hysterisch, dass die Leute sich die Köpfe nach uns verdrehen, als hätten wir halluzinogene Drogen genommen.»Wie geht es dir denn im Moment, Evie?«, fragt sie, als ich endlich ein geruhsameres Programm auf dem Laufband gefunden habe.»Du meinst abgesehen davon, dass ich mich beinahe auf einem Fitnessgerät umgebracht hätte?«, grinse ich.»Du weißt schon, was ich meine.«»Ach, ganz gut.Alles in Ordnung.Bisschen nervös wegen der Story, aber sonst alles gut.«Ich weiß ganz genau, dass sie nicht von dem Artikel spricht [ Pobierz całość w formacie PDF ]