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.«Möglicherweise hätte er ihr lieber eine Ohrfeige gegeben, weil sie kurz vor einem hysterischen Anfall war, aber er ließ es sich nicht anmerken, hielt sie mit seinen großen, nassen Händen einfach an den Schultern fest und sagte ganz langsam und ganz ruhig: »Ich hatte zwar eine Ahnung, dass da ein Paar Scheinwerfer waren, aber sicher war ich mir nicht.Aber ich musste unbedingt zu dir.Es ist alles in Ordnung.Das alte Haus wird schon nicht einstürzen.Es gibt nichts, wovor du dich fürchten müsstest.Komm jetzt mit zu mir.Ich habe Sam allein gelassen.Er schläft, aber darauf kann ich mich nicht verlassen.Ich möchte nicht, dass er aufwacht und dann Angst bekommt.«Sie riss sich zusammen, schließlich war sie keineswegs hilflos, im Gegensatz zu Sam.Der Wind zerrte an ihren Kleidern, und der Regen peitschte so hart auf sie ein, dass jeder Tropfen wehtat.Ihre Jeans fühlten sich steif und hart und schwer an.Aber das machte ihr nichts aus.Sie war nicht mehr allein.Tyler war nicht der Wahnsinnige aus New York.Sie holte tief Luft, und im Schneckentempo fuhren sie zu seinem Haus in der Gum Shoe Lane zurück.Sie brauchten noch einmal zehn Minuten, bis sie bei dem kleinen Holzschindelhäuschen angelangt waren.Es stand ein Stück von der Straße entfernt mitten in einer hübschen Wiese, die mit zahlreichen Fichten und Schierlingstannen bepflanzt war.Sie sprang aus dem Wagen, und während sie zur Haustür lief, schrie sie: »Gum Shoe, was für ein herrlicher Name!« Sie begann zu lachen.»Gum Shoe Lane!«»Alles in Ordnung, Becca, wir sind jetzt zu Hause.Wir haben es geschafft.Mein Gott, das ist einer der schlimmsten Stürme, die ich je mitgemacht habe.Bestimmt so schlimm wie damals ’78, hieß es im Radio.Ich kann mich noch daran erinnern.Damals war ich ein kleiner Junge und hab mir fast in die Hosen gemacht vor lauter Angst.Du hast vielleicht ein Glück bei deiner Terminplanung, Becca.Kommst hier nach Riptide, kurz bevor uns diese Mutter aller Stürme erwischt.« Er schaute sie noch einmal an und fügte dann mit weicher, sanfter Stimme hinzu: »Das erinnert mich ein bisschen an den Mancini-Virus, den wir letztes Jahr hatten.Er hat alle Computer in einer kleinen Software-Firma zum Absturz gebracht.Sie haben mich angerufen, um zu retten, was zu retten war.Das war vielleicht ein Job, ich kann dir sagen …«Becca stand triefend in dem kleinen Hausflur und starrte ihn an.Er versuchte, sie abzulenken und zu beruhigen, und das machte er gut.»Computerhumor«, sagte sie und lachte, während er ein paar Handtücher aus dem Badezimmer holte.Vor dem Fenster zuckte ein Blitz auf und beleuchtete den Zeitungsstapel, der neben dem Sofa auf dem Boden lag.»Es geht mir gut«, sagte sie, als Tyler sanft begann, ihren Rücken zu streicheln.Er nahm die Hand weg und lächelte zu ihr hinab.»Ich weiß.Du kannst was aushalten.«Sam schlief noch immer, auf der Seite zusammengerollt, die linke Hand unter die Backe geschoben.Keine drei Meter entfernt riss es die Welt in Fetzen, und Sam träumte wahrscheinlich von seinen Frühstücksflocken.Sie deckte ihn sorgfältig zu, hielt einen Augenblick lang inne und sagte dann leise zu Tyler, der direkt hinter ihr stand: »Er ist etwas ganz Besonderes.«»Ja«, antwortete er.Sie hätte ihn gerne gefragt, wieso Sam so wenig redete und so misstrauisch war, aber in seiner Stimme schwang etwas mit, was sie veranlasste, zu schweigen und ihre Frage für sich zu behalten.Sie spürte so etwas wie Wut, Bitterkeit.Weil seine Frau ihn verlassen hatte? Ohne ein Wort gegangen war? Ohne jedes Bedauern? Das leuchtete ihr ein.Ihre eigene Mutter hatte sie auch verlassen, und sie war selbst krank vor Zorn, weil sie allein gelassen worden war.Das war natürlich nicht die Schuld ihrer Mutter, aber der Schmerz war kaum zu ertragen.Sie blickte noch ein letztes Mal auf Sam hinab, dann drehte sie sich um und verließ das kleine Kinderzimmer.Tyler folgte ihr.Er gab ihr einen Morgenmantel seiner Frau, rosa, flauschig und schon ziemlich abgenutzt, viel getragen, und sie fragte sich, was Ann McBride wohl für eine Frau gewesen war.Wieso hatte sie ihren Morgenmantel nicht mitgenommen? Aber das war eine Frage, die sie Tyler jetzt nicht stellen konnte.Der Mantel passte ihr ganz ausgezeichnet, und er war warm und kuschelig.Sie hatte dieselbe Größe wie Ann McBride.Tyler hatte einen Campingkocher aus dem Keller geholt, mit dem sie Kaffee kochten.Es war der beste Kaffee, den sie je getrunken hatte, und das sagte sie ihm auch.Dann schlief sie, in Decken gehüllt, auf dem alten Chintz-Sofa ein.Die Sonne schien strahlend hell, viel zu hell, als hätte der Sturm all die Bäume, Straßen und Häuser von einer dicken Staubschicht befreit und sogar dem Himmel eine gründliche Dusche verabreicht.Tyler hatte Beccas Jeans aus dem Trockner geholt und ihr zugeworfen.Sie waren flauschig weich und heiß und so eng, dass sie den Reißverschluss kaum zubekam.»Hast du Kekse mitgebracht, Becca?« Sams dünnes Stimmchen erklang so unerwartet, dass sie zusammenzuckte.Ein ganzer Satz! Vielleicht war er einfach nur sehr verängstigt und Fremden gegenüber misstrauisch.Vielleicht hielt er sie jetzt nicht mehr für eine Fremde.Das hoffte sie zumindest.Sie lächelte ihn an.»Tut mir Leid, Kleiner, dieses Mal gibt’s keine Kekse.« Sie war ängstlich und nervös aus dem Schlaf hochgeschreckt.Sam stand direkt neben dem Sofa, hatte eine Decke an sich gepresst, den Daumen in den Mund gesteckt und schaute sie wortlos an.Jetzt sagte er: »Geisterhaus.«Tyler schüttete gerade das Frühstücksmüsli für seinen Sohn in eine kleine Schale.Er schaute zu Becca hinüber.Sie antwortete: »Da könntest du Recht haben, Sam.Es war ein schlimmer Sturm, und das alte Haus hat geächzt und gezittert.Ich habe schreckliche Angst gehabt.«Sam begann, die Knusperflocken zu essen, die ihm sein Vater vorgesetzt hatte.Tyler sagte: »Sam ist zu jung, um Angst zu haben.«Sam wandte den Blick nicht von seiner Schale.Es war fast elf Uhr, als Becca schließlich zu Jacob Marleys Haus zurückfuhr.Jetzt sah es nicht mehr Furcht erregend und bedrohlich aus, sondern triefnass und sehr sauber.Und die Schierlingstanne, deren Ast durch das Fenster im ersten Stock ragte, wirkte nun nicht mehr wie eine geisterhafte Erscheinung, sondern nur noch wie ein toter Baum.Sie lächelte, während sie das Haus umrundete und die Schäden begutachtete.Es war eigentlich nicht viel passiert, nur der Ast im Fenster.Der Baum musste weggeschafft werden.Von einer funktionierenden Telefonzelle vor dem Food Fort rief sie Mrs.Ryan an, die Immobilienmaklerin.Sie meinte, sie würde die Versicherung informieren und den Baum abtransportieren lassen.Becca solle sich keine Sorgen machen, alle Schäden seien abgedeckt.Becca ging ins Haus zurück und machte einen zwanzigminütigen Rundgang, ohne irgendwelche Beschädigungen zu entdecken [ Pobierz całość w formacie PDF ]