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.Gori sah ihn zweifelnd an.»Gehen Sie auf die Beerdigungen aller Ihrer Opfer?«»Es sind nicht meine Opfer.« Carlyle lächelte höflich, um zu zeigen, dass er nicht verärgert war, weil ihm Fragen gestellt wurden.»Und nein, ich gehe nicht immer auf die Beerdigungen, ganz und gar nicht.«»Aber in diesem Fall schon.«»Nun ja, Agatha Mills war eine bemerkenswerte Frau.«Gori nahm die Zigarette aus dem Mund und betrachtete sie gründlich.»Hab ich auch gehört.«Carlyle wartete darauf, dass Gori näher auf diese Bemerkung einging, aber als klar war, dass nichts mehr kam, änderte er seine Taktik.»Ich dachte, Sie wären in Santiago.«Gori betrachtete seine Umgebung, zehntausend Kilometer von seiner Heimat entfernt, und seufzte.»Das war ich auch, aber es war nur ein kurzer Besuch von drei Tagen.«»Das ist ein langer Weg für eine derart kurze Zeit.«»Ich weiß.« Gori zuckte mit den Achseln.»Es ist eine Schande, aber das gehört zum Beruf.«»Was ist denn Ihr Beruf?«, fragte Carlyle.»Was treiben Sie so?«Gori lachte.»Der Botschafter hat mir gesagt, dass Sie beide sich darüber unterhalten haben.« Er brach ab und drohte ihm freundlich mit dem Finger.»Keine Sorge, Inspector, ich bin in nichts Illegales oder Brisantes verwickelt, vielleicht von dem einen oder anderen unbezahlten Strafzettel abgesehen.Und die haben alle Botschaften.«»So ist es wohl.«»In Wirklichkeit ist das alles ziemlich langweilig.«Traue nie einem Mann, der nicht erklären kann – oder will –, womit er seinen Lebensunterhalt verdient, überlegte Carlyle.»Kannten Sie Agatha Mills?«, fragte er.»Nein.« Gori biss sich auf die Unterlippe.»Warum?«»Sie wissen von ihrer Verbindung nach Chile?«»Soweit ich gehört habe, hatte sie einen chilenischen Vater.«»Und einen Bruder, der dort Priester war.«Gori sagte nichts, aber in seinen Augen flackerte eindeutig Interesse auf, während er darauf wartete, dass der enervierende Polizist seine Karten aufdeckte.»Er ist 1973 während des Staatsstreichs gestorben.« Carlyle zeigte auf das Mausoleum.»Sein Name war William Pettigrew.Dort drinnen wartet noch eine Nische auf ihn.Sie suchen immer noch nach der Leiche.Oder haben es getan.«Goris Augen verengten sich ein wenig.»Dank Ihrer Gespräche mit dem Botschafter wissen wir von den langjährigen Beziehungen der Familie zu unserem Land.«»Was halten Sie von der ganzen Geschichte?«, wollte Carlyle wissen.»Wovon?« Gori machte sich langsam wieder auf den Weg zum Ausgang.»Davon, was mit ihrem Bruder geschehen ist?«»Ihrem Bruder!« Gori schnaubte.»Ist das nicht, worum es gerade geht, Inspector? Niemand weiß, was mit ihm geschehen ist.«»Aber es wird einen Prozess geben«, erwiderte Carlyle fast beiläufig.»Vielleicht.« Gori absolvierte einen kleinen Quickstepp auf dem Asphalt und gestikulierte mit den Händen vor seinem Gesicht.»Aber wie kann jemand nach all dieser Zeit die Hoffnung haben, die Wahrheit herauszubekommen?«»Also halten Sie es für Zeitverschwendung?«Gori begriff, dass er dabei war, zu viel preiszugeben, und brachte seine Körpersprache schnell wieder unter Kontrolle.»Es hat nichts mit mir zu tun, Inspector.Das juristische Prozedere wird seine Zeit in Anspruch nehmen.«»Aber Sie müssen sich doch eine Meinung gebildet haben?«Gori seufzte theatralisch.»Ich persönlich bin der Ansicht, dass man immer nach vorn schauen sollte – und nicht zurück.«Wie äußerst praktisch, dachte Carlyle.»Waren Sie denn darin verwickelt, was damals passiert ist?«»1973?« Gori runzelte die Stirn.»Ich war kaum zwei Jahre alt.«»Aber Ihre Familie?«, insistierte Carlyle.»Eigentlich nicht.«Eigentlich nicht? Es war eine Ja-oder-Nein-Frage, dachte Carlyle wütend.»Nicht mehr als jeder andere«, fügte Gori hinzu.»Jedenfalls sind wir, wie ich schon sagte, Menschen von der Art, die in die Zukunft schauen, Inspector.Wir schwelgen nicht in den Wechselfällen einer Vergangenheit, an die wir uns kaum erinnern.«Sie erreichten das Friedhofstor.Es hatte wieder zu regnen begonnen, und Carlyle hatte einen langen Marsch die Cedar Road hinunter bis zur nächsten Bushaltestelle vor sich.Gori zog etwas aus seiner Tasche und zielte damit auf den glänzenden grauen Mercedes-Sportwagen, der auf einer gelben Doppellinie mitten auf der Straße geparkt war.Der Wagen gab laute Piepgeräusche von sich, während die Türschlösser aufsprangen.»Ich würde ja anbieten, Sie mitzunehmen, Inspector«, sagte er mit einem flüchtigen Blick auf den bleifarbenen Himmel, »aber ich fahre in die entgegengesetzte Richtung.«»Kein Problem«, erwiderte Carlyle mit zusammengebissenen Zähnen, als er fühlte, wie ein dicker Regentropfen mitten auf seinem Kopf landete.Er zwang sich zu einem, wie er hoffte, zumindest ansatzweise unverkrampften Grinsen.»Eine letzte Frage noch?«»Ja?«, sagte Gori, der schnell hinüber zu seinem Wagen ging.»Kannten Sie eine Frau namens Sandra Groves?«In einer fließenden Bewegung zog Gori die Fahrertür auf und schlüpfte hinein [ Pobierz całość w formacie PDF ]