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.«»Wenn du mich fragst, Reed, habe ich nach der Versammlung eben das Gefühl, wir haben mehr erreicht, als wir hoffen konnten.Vielleicht waren wir Maulwürfe im besten Sinne le Carréscher Tradition.Die Schuyler hat sich bestimmt nie träumen lassen, was sie sich einhandelte, als sie uns beide anheuerte.Na, wenigstens haben wir ein bißchen Leben in diesen Laden gebracht, der schon im Sterben lag.«»Und daß ich für Betty Osborne die Haftprüfung durchgesetzt 139habe, darüber werde ich immer froh sein«, ergänzte Reed.»Das ganze Projekt war ein Gewinn für die Schuyler, die Studenten und für einige Menschen, die im Gefängnis sind.Häftlinge brauchen gute Anwälte, die Studenten lernen eine Menge, und jetzt, wo wir Clarence Thomas am Obersten Bundesgericht haben, der es gutheißt, daß Häftlinge geschlagen werden, müssen wir ein paar Gegenmaßnahmen ergreifen, auch wenn es noch so wenige sind.Aber das Wichtigste ist, daß ich dich wiederhabe.Das habe ich doch, Kate?«»Du hattest mich nie verloren – nicht wirklich.Wie ein Tiger hät-te ich gegen Bobby um meinen Mann gekämpft.Glaubst du, sie ist über ihre Verliebtheit hinweg? Nicht, daß du je mit einem Wort erwähnt hättest, daß sie in dich verliebt war.«»Wer von uns kommt schon ganz über etwas hinweg? Wir erreichen vielleicht den Punkt, an dem wir meinen, es mit einem gewissen Recht behaupten zu können, und mehr darf man wohl nicht verlangen.«»Also wirklich.Wie vorsichtig du dich neuerdings ausdrückst.Ich dachte immer, vorbei ist vorbei.«»Und wie steht’s mit dir – ist es für dich vorbei? Was hältst du davon, wenn wir mit der Fähre fahren? Wir gehen wieder hoch aufs oberste Deck.«»Wir können ja nur so tun, als täten wir’s«, antwortete Kate, der diese Lieblingsantwort aus ihrer Kindheit einfiel.Was wieder einmal bewies, dachte sie, daß sogar die intellektuellsten Paare stinkalbern werden können, wenn sie den richtigen Grund dafür haben.Am nächsten Tag war eine Nachricht von Charles Rosenbusch auf ihrem Anrufbeantworter.Er hatte seine Nummer hinterlassen, und Kate rief ihn zurück.»Ich bin noch nie in meinem Leben so empört gewesen«, schnaubte er.»Nicht mal, als ein berühmter Kritiker schrieb, Robert Frost sei ein besserer Dichter als Wallace Stevens.«»Mögen Sie Frost nicht?«»Natürlich mag ich Frost, aber es ist völlig idiotisch zu behaupten, er schreibe bessere Gedichte als Wallace Stevens.Aber wieso um Himmels willen rede ich darüber! Haben Sie auf alle Leute diese Wirkung?«»Ich habe doch kein Wort gesagt«, erinnerte ihn Kate.»Sie können mir nicht die Schuld geben, wenn Sie nach einem Vergleich für das Verhalten der Schuyler suchen müssen.«»Da haben Sie natürlich recht.Entschuldigung.Aber mein Gott, 140ich werde ein Höllenspektakel um diesen Preis machen.Sie haben Nellie nicht umgebracht, das stimmt schon, haben sie nicht vor den Laster gestoßen.Aber sie haben ihr Möglichstes getan, sie zu zerstö-ren.Ich hätte gern Ihren Rat, wie ich die größtmögliche Öffentlichkeit erreiche.«»Nach der gestrigen Versammlung« – Kate berichtete ihm kurz davon – »brauchen Sie vielleicht gar nichts zu unternehmen.Ich vermute, die Schuyler wird all ihre Beschlüsse zurücknehmen müssen, außer dem, daß man Reed und mir für das kommende Semester keine neuen Verträge gibt.Aber wir hatten sowieso nicht die geringste Absicht, unseren Auftritt dort zu verlängern.Blair – Sie haben ja mit ihm gesprochen – hat mit den Studenten vereinbart, der Schuyler eine Woche Zeit zu lassen, in Würde klein beizugeben.Wenn nicht, drohen ihr schreckliche Dinge.Warum warten Sie nicht ab, was in dieser Woche geschieht?«»Einverstanden«, stimmte Rosie zu.»Kate, ich möchte Ihnen danken.Nein, widersprechen Sie nicht, ich bestehe darauf.Durch Ihren Besuch, der Ihnen damals wahrscheinlich etwas irrwitzig vorkam, hat sich vieles für mich verändert.Ich bin plötzlich aufgewacht.Nicht durch Sie oder was Sie sagten, allein durch die Tatsache, daß Sie kamen, mir die Möglichkeit gaben, über Nellie zu sprechen und mir bewußt zu werden, daß ich in einen Sumpf von Selbstmitleid versunken war.«»Mit all dem hatte ich überhaupt nichts zu tun«, versicherte ihm Kate, als er kurz Luft holte.»Nur weil ich mit mir selbst nicht im reinen war und irgend etwas tun mußte, bin ich wie eine Idiotin los-gerast, um einen Mord nachzuweisen, obwohl alle Fakten dagegen sprachen.Wenn ich Ihnen damit zufällig geholfen habe, so haben Sie mir noch viel mehr geholfen.Obendrein«, fügte sie hinzu, entschlossen, die Dankesreden zum Abschluß zu bringen, »wurde ich noch mit einem Buch mitsamt Widmung des Autors beschenkt.Ich warte voller Spannung auf den nächsten Band, in den Sie mir, das hoffe ich doch, wieder was hineinschreiben werden.«»Schon versprochen«, sagte Rosie.14111Nichts war zu hören als der selbstsichere Fluß von Smileys Stimme und gelegentlich lebhaftes Gelächter, wenn er unvermutet eine selbstironi-sche Bemerkung machte oder einen Fehler eingestand.Man ist nur einmal alt, dachte ich, und teilte ihre Begeisterung, als ich mit ihnen lauschte.John le Carré, ›Der heimliche Gefährte‹Einige Tage später zitierte Kate Harriet in ihre Wohnung.Harriet, inzwischen ganz die wohlerzogene Besucherin, gestattete dem Pförtner, hochzutelefonieren und sie anzumelden.»Ich habe mich schon gefragt, wann Sie endlich damit herausrü-cken.« Den angebotenen Drink lehnte sie entschieden ab: ihre Stunde für Alkoholisches sei noch längst nicht gekommen.»In solchen Dingen muß man sich an Regeln halten«, erklärte sie.»Irgendwie hatte ich den Eindruck, Sie halten nichts von Regeln.« Kate bot ihr statt dessen Kaffee an.Auch den lehnte Harriet ab.»Ja, viele Regeln unserer Gesellschaft ignoriere ich, denn was diese Gesellschaft anbelangt, so bin ich für sie gestorben und im Himmel.Aber ich habe mein eigenes Moral- und Regelsystem, und das ist mindestens genauso gut, wenn nicht besser.«Hier hielt sie inne und sah Kate mit einem erwartungsvollen, ge-spannten Blick an.»Gute Nachrichten von Betty Osborne.« Kate erzählte ihr, was Reed berichtet hatte.»Das freut mich wirklich.Wissen Sie, ich habe eine Zeitlang mit geschlagenen Frauen gearbeitet.Es war fürchterlich entmutigend.Schließlich gab ich es auf.«»Warum?«»Sie gehen alle zurück.Sie wissen nicht, wo sie sonst hinsollen.Wahrscheinlich wurden sie schon als Kinder verprügelt oder sahen, wie ihre Mütter geschlagen wurden.Keins der Programme, in denen ich arbeitete, und ich wette, auch sonst keins, hatte genug Geld, sie länger als dreißig Tage dazubehalten.Danach kehrten die Frauen zurück, und es ging weiter wie gehabt.Sie geben die verschiedensten 142Gründe an – er würde sich bessern, die Kinder brauchten ihren Vater, es sei schließlich ihr Zuhause und eine Reihe noch albernerer Vorwände.Aber das eigentliche Problem war, daß sie nicht genü-gend Unterstützung bekamen, sich unabhängig zu machen, weder durch Ausbildungs- noch Beratungsprogramme.Unsere herrliche Gesellschaft meint, sie hat nicht das Geld dafür.Schon nach kurzer Zeit war ich wie ausgebrannt, dabei arbeitete ich ja nur als Freiwilli-ge bei diesen Programmen mit.«»Wollen Sie damit sagen, Betty Osborne habe keine Chance?«»Keineswegs, meine Liebe.Mrs.Osborne erschoß das Schwein.Zu ihm kann sie nicht mehr zurück.In gewisser Weise nahm sie also ihr Leben selbst in die Hand [ Pobierz całość w formacie PDF ]