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.Folgerichtig müßte ein Kaufhaus als erstes Fanal des ›bewaffneten Kampfes‹ in Deutschland herhalten.Die ›Massen‹ waren perplex.Es wollte ihnen partout nicht in den Kopf, daß die politische Avantgarde ihnen den verhängnisvollen Starmix ersparen wollte, das idiotische Rennsportrad mit Fünf-Gang-Kettenschaltung, die heimtückische Elektroheizdecke und das ekelhafte 27teilige Kaffeeservice.Dieser Mangel an Einsicht war aber leicht zu erklären.Die Leute waren eben durch jahrelange Manipulation verblödet, und es war nachgerade schwierig, um nicht zu sagen unmöglich geworden, die ruhmreiche Arbeiterklasse von einem Haufen unbelehrbarer Konsumidioten zu unterscheiden.«Die »Konsumidioten« ließen sich naturgemäß davon nicht beeindrucken und konsumierten eifrig weiter.Die linken Verzichtslehren, wie die Ästhetik des Verzichts überhaupt, paßten nicht in die »Überflußgesellschaft« – auch so ein Wort, das man seit den Schultagen, als es in Besinnungsaufsätzen abgefeiert werden mußte, nicht mehr gehört hat.Keiner (bis auf den Wagenbach Verlag und seine versprengten Anhänger) wollte mehr Pier Paolo Pasolinis Freibeuterschriften, seine glühenden Anklagen gegen den consumismo hören, und ein Klassiker der Konsumkritik, Wolfgang Schmidbauers Homo consumens aus dem Jahr 1972, ist irgendwie auch in Vergessenheit geraten.Man wird sich bei dieser Gelegenheit fragen müssen, ob nicht die geballte Konsumkritik, die seit der Apo-Zeit zum Gebetsmühlenritual der Aufklärung gehört, in Wirklichkeit eine Kritik der Verschwendung ist.Denn Konsum an sich ist noch keine Angelegenheit, die zu geißeln wäre.Der Münchner Kunsthistoriker Walter Grasskamp hat darauf hingewiesen, man möge sich gefälligst wieder auf den Wortsinn von Konsum – nämlich: Verbrauch – besinnen; dann sei sogleich einsehbar, daß die Rede vom »Konsumterror« ein geschickter Schachzug der Studentenbewegung gewesen sei.Leider ist mit der zeitgenössischen Art des Konsums aber unabdingbar eine Materialschlacht verbunden, deren Überreste in (weltweit) ständig wachsenden Müllmengen sichtbar wird.Die Wegwerfmentalität zelebriert sich selbst in die Sackgasse.Die Inszenierung des Kaufrausches war in den achtziger Jahren auf neue, einsame Höhen geklettert, indem sie den Konsumenten einflüsterte, nicht das Besitzen sei das Seligmachende, sondern der Akt des Kaufens als solcher.Wer kennt nicht den Moment, da er zu Hause der vornehm steif knisternden Riesentüte mit den Kordelträgern den Anzug, das Kostüm entnimmt – und sich sogleich auf eine existentielle Art ernüchtert findet.Augenblicklich setzen Rechtfertigungsstrategien ein: Es sei, trotz des hohen Preises, doch in gewisser Weise ein Schnäppchen gewesen, ja mehr noch, man habe es schließlich wirklich gebraucht, es lasse sich auch wunderbar mit der und der Hose/Bluse kombinieren und so fort.Verflogen ist der Taumel, der einen in der Boutique, in der HOB/DOB-Abteilung, erfaßt hatte; nicht zuletzt, weil der charmante, devote, diskrete Verkäufer gesagt hatte: Wenn überhaupt irgendwer das tragen könne, dann Sie.Und wieder war man diesem einlullenden Singsang aufgesessen, hatte das Wollen vor das Brauchen gesetzt.»Gedenkt unsrer/Mit Nachsicht.« Das hatte Brecht gefordert.Eine zeitlose Aufforderung, die auch für die Konsumschwelger gelten könnte, wenn nicht damals schon klar gewesen wäre, daß es auf Dauer so nicht gehen kann.Heute ist an die Stelle der Überheblichkeit, mit der die Nachgewachsenen darüber zu reden pflegten, ein neuer Hang zur Bescheidenheit getreten.Die Übersättigung der feisten achtziger Jahre hat ihre Kinder gefressen.Nachdem auch ‘noch die letzte Ethnie ihre Würstlbude in den Metropolen errichtet hatte (sogar Eritrea, das Armenhaus Ostafrikas, ist mit Läden und Speiselokalen vertreten), schied sich der Geist des Konsums wieder einmal in die Habenden und die Wollenden.Die Habenden fanden nichts dabei, beim Japaner eben mal ein paar »Hunnies« für rohen Fisch hinzublättern, während sich die Wollenden dann doch eher zum Griechen oder Türken um die Ecke verzogen.Schließlich gab es dort Puten-Döner, und das war immerhin politically correct – bis Bild am Sonntag in einem kaum Aufsehen erregenden Artikel enttarnte, Putenfleisch sei gar nicht so wahnsinnig gesund wegen der nachfragebedingten Turbozüchtung mit Wachstumsbeschleunigern.Apropos Türken.Es sollte nun hinlänglich entkräftet sein, daß es sich bei Aldi um einen Laden handle, der überwiegend von türkischen Mitbürgern aufgesucht wird.Es hängt von der Nachbarschaft ab [ Pobierz całość w formacie PDF ]