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.Das erste Zeichen, daß der Orkan nachgelassen hatte, erhielt Alec, als das Kamel seinen schweren Körper bewegte und Anstalten machte, sich zu erheben.Alec versuchte ebenfalls auf die Beine zu kommen; der Sand rann an ihm herab.Er riß den Schal vom Kopf und sah sich um.Der Himmel war blau und wolkenlos, die Sonne strahlte wie früher.Nur eine nach Norden abziehende dunkle Wolkenwand und das den Sand abschüttelnde Kamel neben ihm legten von dem vorübergezogenen Unwetter Zeugnis ab.Die drei Sandhügel an seiner Seite regten sich jetzt auch, und nacheinander tauchten Raj, Volence und Henry auf, emsig bemüht, den Sand wieder loszuwerden.Die beiden Beduinen und die andern Kamele waren nirgends zu erblicken.„Wo können sie bloß geblieben sein?“ fragte Volence beunruhigt.„Vielleicht im Sand begraben?“ vermutete Henry.„Nein“, sagte Raj.„Kamele lassen sich nicht vom Sand begraben.Die Beduinen sind weggeritten.Sie haben uns verlassen.“„Das ist doch nicht möglich!“ rief Volence.„Sie können uns doch in dieser gefährlichen Situation nicht einfach verlassen haben.Der Sand hat sie sicher irgendwo verschüttet.Schnell, laßt uns nachsuchen, ehe es zu spät ist!“Sie rannten alle zu der Stelle, an der sie die Beduinen zum letzten Mal gesehen hatten.Raj, der neben Alec lief, schüttelte den Kopf: „Herr Volence ist im Irrtum.Sie haben sich davongemacht, weil sie befürchteten, es könne sie dasselbe Schicksal treffen wie unsern Führer.Ihre Angst davor war größer als die vor dem Sandsturm.Sie sind geflohen und haben die Kamele und alle unsere Vorräte mitgenommen.“Tatsächlich blieb ihr Suchen ohne Erfolg, Raj hatte recht.Sie waren treulos verlassen worden.Nun standen sie da, ohne Nahrung, ohne Wasser, mit nur einem Kamel, wahrscheinlich dem sicheren Tode ausgeliefert.Die RettungSie verharrten eine ganze Weile schweigend, weit und breit die einzigen Menschen.Das einzige ihnen übriggebliebene Kamel wartete, geduldig auf den Knien liegend, bis es geheißen wurde aufzustehen.„So.Und was wird nun?“ fragte schließlich Henry.„Laßt uns gemeinsam beraten!“ erwiderte Volence mit sehr ernster Stimme.„Hier ist ein halbvoller Wasserschlauch“, rief Alec, der umhergegangen war und im Sand gestochert hatte, „wenn wir sparsam damit umgehen, wird es uns ein Weilchen weiterhelfen.“„Nichts außerdem?“„Ich fürchte, nein“, antwortete Raj.„Unsern Proviant trugen ja die anderen Kamele.“ Er machte eine Pause, ehe er — zu Volence gewandt — fortfuhr: „Ich schlage vor, Sir, daß wir in südöstlicher Richtung weiterwandern, denn wir waren gestern nur noch drei Tagereisen vom Gebirge entfernt.Dort stoßen wir vielleicht auf Beduinen, die uns helfen können.“„Jawohl, Raj, dein Vorschlag ist gut.Etwas anderes können wir kaum tun, denn der Weg zurück ist zu weit“, meinte Volence.„Allerdings läßt sich nicht vorausberechnen, wie lange ein Fußmarsch dauern wird, obendrein ohne Nahrung und mit so wenig Wasser.“Henry wies mit dem Kopf auf das Kamel: „Zwei und zwei können immer abwechselnd reiten und so Kräfte sparen.“„Außerdem haben wir unsere Pistolen“, erinnerte Alec, „und können versuchen, Gazellen zu jagen.“ Volence nickte und sagte dann zu dem jungen Beduinen: „Raj, du mußt uns nun führen.Wir sind völlig in deiner Hand.“Den ganzen Tag lang wanderten sie stolpernd durch den glühend heißen Sand.Mit dem Reiten auf dem Kamel wechselten sie stündlich ab, Alec ritt mit Henry und Raj mit Volence.Von dem geringen Wasservorrat wagten sie jeweils nur ihre Lippen zu befeuchten, denn wenn der Schlauch geleert war, standen sie vor dem Dursttod.Alec ließ unentwegt seine Augen umherschweifen, in der Hoffnung, irgendwo ein jagdbares Lebewesen zu erspähen und vielleicht auch Beduinen.Aber den ganzen Tag über sahen sie nichts und niemand.Die Sonne sank; doch sie entschlossen sich erst, anzuhalten, nachdem die schwarze Wüstennacht hereingebrochen war.Dann legten sie sich neben das Kamel und schliefen in tiefer Erschöpfung ein.Raj weckte sie im Morgengrauen; er wollte, daß sie vor Sonnenaufgang aufbrachen.Stumm erhoben sie sich und waren wenige Minuten später wieder auf dem Marsch, im Vertrauen darauf, daß Raj sie in der richtigen Himmelsrichtung führte.Spät an diesem Nachmittag hielten sie an, um zu ruhen.Der Hunger wühlte grausam in ihren Eingeweiden, ihre Gesichter waren hager, ihre Kehlen ausgedörrt, ihre Zungen geschwollen.Es kostete sie große Anstrengung zu sprechen, und mehr wie ein heiseres Flüstern gelang ihnen nicht.Alec hob seine glasigen, entzündeten Augen zu dem Wasserschlauch, den Raj ihm hinhielt.Auf jeden kam nur noch ein kleiner Schluck, dann war der Schlauch leer.Sie schleppten sich weiter.Alec ging hinter dem Kamel und bedachte, daß sie das Tier bald töten müßten, um sich seinen Wasservorrat anzueignen.Zwar würden sie vielleicht noch einen Tag durchhalten können, ohne zu essen, aber nicht mehr, ohne zu trinken.In der Nacht, als Volence und Henry schliefen, schüttelte Raj Alec wach und bat ihn, mitzukommen, er brauche ihn.Sie gingen zu dem Kamel.„Wir müssen seine Beine zusammenbinden“, erklärte der junge Beduine und wies auf zwei Stricke, die er in der Hand hielt.Alec wunderte sich, weshalb das nötig wäre, aber er nickte, da seine dick geschwollene Zunge es ihm unmöglich machte, zu antworten.Mühsam fesselten sie Vorder- und Hinterbeine des Tieres; hernach nahm Raj seine Peitsche und reichte Alec ein Stück Segeltuch, das als Sattelunterlage gedient hatte.Er erklärte Alec, daß das Segeltuch dazu dienen sollte, den Wasservorrat des Kamels aufzufangen, und wies ihn an, es unter das Maul des Tieres zu halten.Dann ergriff er das Halfter des Kamels, öffnete ihm mit geschickten Händen das Maul und schob ihm den Peitschenstiel tief in die Kehle hinein.Das Kamel brüllte auf, hob den Kopf und erbrach das Wasser aus den Vorratskammern seines Magens.Alec fing die grünliche Flüssigkeit auf und füllte sie mit äußerster Vorsicht in den Wasserschlauch, den Raj ihm hinhielt.Dann befreiten sie das Kamel von seinen Fesseln und legten sich wieder zum Schlafen nieder, den Wasserschlauch zwischen sich.Der nächste Tag war noch schlimmer als die vorhergegangenen.Ihre übermüdeten Beine strauchelten immer wieder und knickten unter dem Gewicht ihrer ausgemergelten Körper ein.Das Wasser verschaffte ihnen eine kleine Erleichterung; doch ihre Mägen schrien nach Nahrung, und ihre halbirren Augen streiften verlangend das Kamel.„Wir werden es heute abend töten“, flüsterte Raj Alec zu, „es ist ohnehin entkräftet und quält sich nur.Wir brauchen sein Blut und sein Fleisch; sonst kommen wir nicht mehr weiter.“Als die Sonne sank und die Dunkelheit hereinbrach, schossen sie dem Kamel eine Kugel durch den Kopf, tranken von seinem Blut und aßen von seinem Fleisch.Endlich einmal wieder gesättigt, sanken sie in tiefen Schlaf.Am andern Morgen lösten sie das übrige Fleisch vom Gerippe des Kamels, schnitten es auf Rajs Rat in schmale Streifen, die an der Sonne rasch trockneten, und machten sich gegen Mittag, ein wenig gekräftigt und auch zuversichtlicher, wieder auf den Weg.Meile auf Meile legten sie in glühender Sonne zurück.Unaufhörlich suchten Alecs Augen den südöstlichen Horizont ab in der Hoffnung, endlich das Gebirge zu entdecken, dem sie entgegenstrebten.Es war nun bereits der fünfte Tag, und falls Raj sie wirklich in der richtigen Richtung geführt hatte, mußten die Berge doch endlich auftauchen.Doch die Nacht kam, und immer noch war nichts zu sehen wie Sand und Ebene.Am nächsten Tag war es dasselbe, ebenso am folgenden.Ihre Füße schleppten sich schwer durch den Sand.Nur ein kleiner Rest Kamelfleisch war ihnen übriggeblieben, der letzte Tropfen Wasser getrunken.Alec schlug vor Schwäche hin; Raj half ihm aufstehen.„Stütze dich eine Weile auf mich, leg deinen Arm um meine Schultern, Alec“, sagte er [ Pobierz całość w formacie PDF ]